Pitahaya

Aus den feucht warmen Tropen auf unseren winterlichen Tisch – die gelbe Pitahaya, oder Pitaya.
Fremdartig, aufregend klingt zum ersten Mal dieser Name in meinem Ohr, doch nicht beängstigend.
Was man von ihrer martialischen Erscheinung nicht sagen kann. Sie sieht aus und fühlt sich akkurat an, wie – eine Eierhandgranate. Eine gerüstete Frucht. Ihre lange spitzen Stacheln wurden aber bereits bei der Ernte entfernt.
Doch ihre Schale ist dünn, sogar weich. Der ovale Körper lässt sich mühelos der Länge nach aufschneiden. Grau-weißes, saftiges Fruchtfleisch wird sichtbar, mit vielen kleinen Kernen (die beim Essen nicht stören).
Erfrischend, mildaromatisch, süß – so beschreibt ein Händler ihren Geschmack. „Erfischend, unaufdringlich, nicht unangenehm“ – so das hohe Lob aus Mechthilds Mund, meiner mitkostenden Eheliebsten, deren Küche unverrückbar in schwerem westfälischen Grund ankert.
Ich nähere mich der offenen Frucht zunächst mit meiner Schnuppernase. In der Tat, ihr Duft ist mild, irgendwie nach frischem Grün und seeehr dezent, wie der einer gepflegten Frau. Meine Zunge berührt das feuchte, kühle Fleisch,... die ersten Geschmacksreize treffen meinen erstaunten Gaumen,...Bilder nehme ich wahr,...einen schnellen Film,...eine leichte Fülle, nie geahnte Farben der Reife; mit Dankbarkeit schmecke ich eine helle, sinnliche, zu Schönheit und feinem Genuß gerundete, andere Welt.
Schön ist es, zu Fremden auszufliegen.
Schön ist’s, Fremdes einzuheimsen.

kranich05 - 2006/01/27 19:34
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