wenn zum Begräbnis der einst fröhlichen, nach langen Alzheimerjahren verstorbenen Tante der verlorene Sohn mit gelbem Schlips erscheint.
Die Tote kümmert's nicht.
Die Familie, wie immer, ist entsetzt über den verlorenen Sohn.
Der verlorene Sohn, wie immer, findet sich toll.
Die Totengräber, endlich mal, haben bissel Spaß.
Die Kinder, wie immer, spielen auf dem Friedhof.
Ein paar Beobachter schütteln die Köpfe.
Die normalen Menschen (aka Volk) merken null komma nix von der ganzen Aufregung. Schließlich haben sie andere Sorgen.
...
Mir ist übrigens im Umfeld des Mauergedenkens - und, wie ich versichere, unabhängig von jeder Art Provokationsspielerei - ein böser Gedanke gekommen:
Dem Leser wird von interessierter Seite eingehämmert (mit freilich gegenüber einst deutlich reduzierter Mediengewalt), daß "wir mit der Mauer einen Krieg verhindert haben" (Keßler/Streletz).
Zur Bestätigung wird immer angeführt, daß Kennedy die Mauer hingenommen habe mit den Worten "immer noch besser als ein Krieg."
Daß der Westen sich zur DDR immer aggressiv verhielt, bedarf auf diesem Blog keiner langen Erklärung. Aber heißer Krieg?
Ich erinnere mich noch einigermaßen gut an Chrustschows Politik des baldigen Friedensvertrags, mit der "besonderen Einheit Westberlin". Am BVG-Gebäude am Alex prangte (längs der S-Bahntrasse) ein riesiges Spruchband: "Der Berliner hat es satt, Westberlin wird freie Stadt!" ("Der Berliner" - hö, hö)
Bis zum Jahresende 1961 sollte das Ding gelöst sein, hatte Chr. verkündet. Wie, hatte er nicht verkündet. Unsereins, mit etwas bänglichen Gefühlen, hoffte auf die große, wenn auch nicht ganz erforschliche Weisheit des großen Bruders.
Hatte vielleicht ein wenig Hasardpolitik der Sowjetunion die Kriegsgefahr erhöht? Ein Jahr später durchlebten wir die sog. Kubakrise.
Chrustschow verlor 1964 alle Führungsfunktionen. Man hielt fest, daß er zu Subjektivismus und Voluntarismus geneigt habe.
Wunschdenken in der Politik. Die meisten Kommunisten lieben das. (Kleine böse Provokation von mir.)