höre ich schon lange kaum noch hin.
Der "geistvolle", "rhetorisch geschliffene" Politiker Gysi hat schon vor Jahr und Tag und in aller Öffentlichkeit mit dem Kotau vor dem zionistischen Israel den Standpunkt einer sozialistischen Linken verlassen. In derselben Rede damals hat er die unsägliche Formulierung gebraucht, daß sich heute eine Imperialismuskonzeption "nicht mehr plazieren " lasse.
Es gibt eine lange Kette der eindeutigen Zweideutigkeiten dieses Politikers. Sich das einzugestehen fällt manchen schwer, die ihn vor zwanzig Jahren als frischen, sympathischen Politkerl erlebt haben.
Was nun, nach
SPONdarstellung, der amerikanische Botschafter über sein Gespräch mit Gysi kabelte, halte ich für glaubwürdig.
Zwar hat SPON, wie ich in einem Forum las, keine exakten Quellenangaben gemacht und Wikileaks-Forscher sagen, daß sie in dem öffentlich zugänglichen Material, kein entsprechendes Dokument gefunden hätten. Tatsache ist auch, wie manche Linke betonen, daß Gysi bereits früher (Deppendorfs Sommerinterview im Juli 2010) nachdrücklich darauf aufmerksam machte, daß seine Partei "klug", wie er sich ausdrückte, die Forderung "Auflösung der NATO" erheben würde und nicht die Forderung nach Austritt Deutschlands.
Soweit die nachprüfbaren Tatsachen. Doch die SPON-Interpretation steht im Raum, Gysi oder seine Fraktion haben es nicht nötig, sich dazu zu äußern. (So gerne sie sich sonst vom Stil der alten SED-Funktionäre unterscheiden wollen, halten sie es nun wohl plötzlich für angesagt, unbequeme Fragen einfach auszusitzen.)
Pech für Gysi, wenn der Herr Botschafter weder in Hören noch Schreiben weder in deutsch noch in englisch ins Gewicht fallende Schwierigkeiten hat. Vielleicht ist er ja noch nicht einmal überfordert. auch den Hintersinn der Rede eines Talkgestählten zu erfassen.
Für mich persönlich ist, wie anfangs angedeutet, das Gewicht des Vorgangs gering. Daß ich bei kommenden Wahlen die Partei der Linken nicht mehr wählen würde, stand ohnehin fest. Es gibt keine wählbare Partei.
Der letzte Satz kommt wie ein traurig-hilfloses Eingeständnis daher, wie ein Endpunkt und eine Ausweglosigkeit. Richtig.
Aber wichtiger ist zugleich das Gegenteil. Ein neuer Anfang ist auf der Tagesordnung. Es muß der Anfang einer neuen Auffassung von Politik sein, ein Schritt dahin, die alte Vertretungs- und Zettelfaltdemokratie hinter sich zu lassen und zu einer wirklichen demokratischen Machtaneignung und -ausübung zu kommen.