kostenloser Counter

 

Mittwoch, 30. September 2009

Weltkulturstadt Berlin

Wenn ich jetzt noch schreibe: Wir waren mittendrin und haben die Berlinkultur gründlich genossen, wäre die Angeberei perfekt. Mit welchem Recht kann ich über das Kulturleben einer Stadt schreiben, in der täglich hunderte Veranstaltungen stattfinden, von denen ich in einer Woche vielleicht zehn besucht habe?

Also konkreter:
Am 3.9. haben wir das BKA Theater am Mehringdamm besucht. Es gab "Paternoster Mordart - ein improvisierter Krimi"
Am 4.9. war das BE dran, "Shakespeares Sonette", eine Inszenierung des berühmten Robert Wilson.
Dann am 5.9. "Mirandolina" von Goldoni im Amphittheater Hexenkessel.
Des weiteren am 7.9. die "Distel" - "nicht nur zum Spaße am Bahnhof Friedrichstrasse".
Schließlich waren wir auch noch in der Oper - "Cosi fan tutte" in der Staatsoper, inszeniert von Doris Dörrie.

Weder unsere Zeit, noch unsere Kraft, noch unseren Geldbeutel haben wir geschont, auf geistige Regsamkeit nicht verzichtet.
Und das Fazit? Was steht in unserem Tagebuch?
"19 Uhr Abfahrt zum BKA, zum Theaterkrimi - sehr heiß, sehr voll, sehr laut, sehr jugendlich - aber alles in allem nette Unterhaltung. Theatralische Improvisation. Einen Sinn gibt es nicht."
"Eine ähnliche Empfindung wie zum BKA-Abend habe ich bei Robert Wilsons Inszenierung der "Sonette" im BE. Natürlich alles auf viel höherem künstlerischen Niveau. Und natürlich bieten die Sonette selbst eine Folie für Tiefgang. Aber das Theaterspiel, das, was sich der Regiseur ausgedacht hat, genügt sich meistens selbst, vertieft nich "den Sinn". Oder wir haben es nicht bemerkt. Dieses Theater will keine moralische Anstalt ein. Mehrfach, etwas höher gestochen als üblich, kam der Stil des amerikanischen Musicals durch. Fossil Inge Keller spielte auch mit. Bei diesem Namen erinnere ich mich immer an den beeindruckenden DDR-Fernsehfilm "Gewisen in Aufruhr", wo sie, nach meiner Erinnerung, die Frau von Oberst Petershagen spielte. (Und außerdem fällt mir bei I. Keller immer das damalige stadtbekannte Gezerre um ihren jungen Liebhaber Hans Edgar Stecher (sic!) ein.)"
"Nächste Theaterveranstaltung "Mirandolina". Das Amphittheater hatte uns vor Jahren mit Shakespeares "Sturm" sehr gefallen. Die Aufführung war erfrischend, vergnüglich, Volkstheater durch und durch aber keinesegs grob oder plump, sondern differenziert und intelligent bei aller Heiterkeit und Buntheit. Der Kellner hatte für mich die beste Rolle, spielte sie souverän, konnte unglaublich flexibel das Publikum miteinbeziehen - ein richtiges Theaterfeeling, wie wohl zu Shakespeares Zeiten. Genauso ist auch das Amphittheater gebaut! Die Mirandolina wirkte leider nur wie eine gute Laienschauspielerin, ein bischen schade. Ich halte dies auch für eine schwierige Rolle: emanzipiert und gleichzeitig interessiert, auf Männer zu wirken und sie an der Nase herumzuführen. Eine schon bei Goldoni widersprüchlich oder sogar unklar angelegte Figur?"
"Kranich hatte sich auf die Distel gefreut. Er kennt das Kabarett gut aus DDR-Zeiten. Das Programm "Shanghai" nahm die Finanzkrise, das deutsche Verhältnis zu China, allerlei tägliche Ärgernisse auf die Schippe. Unterhaltungswert ja aber es blieb doch alles sehr, sehr oberflächlich, aussage- und ziellos. An allem wurde etwas herumgemeckert, gespöttelt, mehr nicht. Manches mal hatte man das Gefühl, die karikieren keine Kleinbürger, sondern sind selber welche."

"Als wir die Disteltreppen runtergehen, drängt sich mir "Schall und Rauch" in den Sinn. Sollte sich dain das "pralle Berliner Kulturleben", diese "ungeheuer lebendige Szene", dieses "Alles ist möglich" in Berlin erschöpfen? Es wäre übrigens das, was Berlin immer war: Große Schnauze, nichts (oder wenig) dahinter. Ich habe aber den Verdacht, daß es - über den Traditionshaken hinaus - auch ein deutlicher Ausdruck der gegenwärtigen geistigen Situation ist - unterhaltend um jeden Preis, problemabstinent, bunt bis schrill, fern, fern der Kanalisation, in der "die Ratten Karate" üben.
Das Publikum ist lieber voll einverstanden."

Nun noch einige Bilder von der schönen Aufführung von Goldonis "Mirandolina" im Amphittheater "Hexenkessel" (einschließlich "Dokumentation" der Bewirtung des Publikums mit köstlichen Pizzastücken (ohne Belag, nur mit etwas Gewürz) vor Beginn der Vorstellung):

Amphittheater 1

Amphittheater 2

Amphittheater 3

Amphittheater 4

Amphittheater 5

Amphittheater 6

Aktuelle Beiträge

Neues vom Selbstversorger
Ich kann mich gut erinnern, was für eine ernste...
kranich05 - 2009/12/01 20:49
Kunstpostkarten - Archipow,...
Diese Abbildung stammt aus den Uraltbeständen...
kranich05 - 2009/12/01 11:54
mensch, kranich, ich...
mensch, kranich, ich les ja deinen blog ab und zu...
icke (Gast) - 2009/12/01 02:13
Ich tendiere zu der Ansicht,...
Ich tendiere zu der Ansicht, daß der Mensch,...
kranich05 - 2009/11/30 21:43
Hallo Gitano, ich bin...
Hallo Gitano, ich bin mir nicht sicher, Deine Bemerkungen...
kranich05 - 2009/11/30 21:35

Archiv

September 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 8 
 9 
10
12
13
14
16
17
18
19
20
23
28
 
 
 
 
 

RSS Box

Suche

 

Status

Online seit 1446 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2009/12/01 20:54

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled
xml version of this page
xml version of this page (summary)

twoday.net AGB


911
alternative Medien
Augenweide
Blog und Tagebuch
DDR-Stimmen
Gaumenfreuden
Gesundheit, Alter, Tod
Haus, Garten, Hund
Hebbel
kein Witz
Kino
Krieg
Kunst
Kunstpostkarten
Lenin
Liebe & Sex
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren