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Samstag, 26. September 2009

10 000 Jahre

Reiner Zufall, daß es hier, einen Tag vor einer wieder mal Schicksalswahl, um Historie geht.

Wir haben auch das Pergamon Museum besucht. Für Mrs. Tapir war es das erste mal. (Übrigens ist für sie jeder Museumsbesuch Schwerarbeit. Hm.) Sie schreibt:
"Es regnet, die Straßen sind patschnaß. Der 2. Knirps muß her. Vor dem Pergamon warten wir mit nassen Füßen eine halbe Stunde.
Dann geht es ans Staunen. Mit dem kleinen elektronischen Führer ausgestattet wandeln wir durch die beeindruckenden Altertümer.
Es sind fremde Gefühle, sich in die antiken Zeiten hineinzuversetzen.
Waren die Griechen so schön groß und kraftvoll wie ihre dargestellten Götter und Helden? Jedenfalls erscheinen sie uns auch heute ansehnlich.
Gab es in Klainasien wirklich Löwen?
Durfte das normale Volk in diese Heiligtümer und z. B. die Prachtstraße von Babylon entlang gehen?
War die Religion ein Bedürfnis der Menschen oder ein Herrschaftsmittel oder beides?"

Ich habe versucht, im Museum zu fotografieren.

Pergamonaltar

Pergamonaltar, Kampf der Götter und Giganten

Pergamon

Modell der Akropolis von Pergamon, ca. 300 Jahre v., rechts im Bild der Pergomanaltar

Die Fotos ohne Blitz mit meiner uralten Olympus C3000 sind größtenteils unscharf. Das wird - so hoffe ich - mit der neuen Kamera wesentlich besser werden. (Eine Panasonic Lumix G1 oder Olympus Pen (mit ihren Bildstabilisatoren) steht auf meinem Wunschzettel. Eine solche Kamera zu kaufen, die ich mir eigentlich noch nicht leisten kann, gehört zur krisenbedingten "Flucht in die Sachwerte".)

Diesmal wird mir duch diesen Museumsbesuch Babylon ("Babel") sowie das Hethiterreich bewußter. Das ist einerseits die Zeit um 1700 v. (Hammurapi, übrigens auch der Minoer). Nebukadnezar (und damit auch die Prozessionsstraße) ist erst 600 v. (Milet und somit Thales von Milet, Anaximander, Anaximenes sind 300 v.)
Hethiter sind aber bis 3000 v. und also annähernde zeitliche Berührung mit den neolithischen Städten/Anlagen von Chatal Hüyük oder Göbekli Tepe.

00-03-Pergamon-13-

Ein Kulturraum von damals bis heute, mehr als 10 000 Jahre, füllt sich und strukturiert allmählich meine Vorstellungen.
Wenn man bedenkt, daß die Archäologie erst rund 150 Jahre alt ist!
Die genannten neolithischen Stadt- und Tempelanlagen wurden vor gerade mal 50 Jahren entdeckt und sind bis heute nur zu wenigen Prozent ausgegraben. Marx und Engels konnten davon noch keine Ahnung haben. Wir stehen eigentlich total am Anfang. Das Buch der jahrtausendalten gesellschaftlichen Entwicklung liegt eigentlich aufgeschlagen vor uns, ist nur von etwas Sand bedeckt.

Nein, eigentlich liegt es achtlos in der Ecke. Die Menschheit hat ja viel Wichtigeres zu tun, als sich über sich selbst klar zu werden.
Was sagt das über die Menscheit? Darf man nicht vermuten, daß jemand, der gerade erst anfängt, etwas ernsthafter sein eigenes Werden zu erforschen, noch im ziemlich jugendlichen Alter steckt? Ja, selbst das Rüpelalter "Was kümmer mich morgen?" scheint noch nicht vorbei.
Bekanntlich sind die jungen männlichen Rüpel besonders unfallgefährdet.
Andererseits, welche schönen Hoffnungen, wenn sie sich endlich ihre Hörner abgestoßen haben!

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