Als wir vor langer Zeit unseren Urlaub planten, dachten wir nicht an Krise oder Deflation. Heute erfahre ich, daß wir genau in dem aktuellen Trend liegen, den die Tourismusforscher ausgemacht haben: Wir sind in Deutschland geblieben. Der Urlaub war kürzer. Für Übernachtung haben wir weniger ausgegeben.
Überdies beteiligten wir uns zugleich (neben 250 000 Gleichgesinnten) an einem Diät-Wellness-Programm. Werden wir auf unsere alten Tage noch Lifestyle-Avantgarde?
Was solls; Stadtatlas und -führer gekauft, ein weiteres Fahrrad für die Ferienwohnung angeschafft und 'ran an die Weltstadt! (in der ich - aber nicht Mrs. Tapir - immerhin fast 40 Jahre gewohnt habe.) Wir wollen Berlin erleben, wollen auch das unternehmen, wozu es sonst nie gereicht hat.
Zuerst erkunden wir unsere Reinickendorfer Umgebung. Grün, grün, grün ist es in der ehemaligen Neubauwüste "Märkisches Viertel".
Radwege fehlen leider fast völlig. Aber ein schmales Asphaltband liegt um Berlin. Radler, Jogger, Hunde genießen hier draußen die freie Natur - auf dem Mauerradweg, der uns zum Berliner Dorf Lübars führt.
Die Spuren der Mauer sind überall getilgt. Aber die Erinnerung wird wachgehalten. Kein schönes Gefühl für mich, daß der populärste mit der DDR verbundene Begriff "Mauer" ist.
Auf historische Spuren stoßen wir auch in Alt-Reinickendorf.
Da liegen sie zu Tausenden.
Mancher hatte kaum gelebt.
