deutsch sein
Es fängt irgendwie an mit Siegfried und Krimhild und Hagen von Tronje.
Aber eigentlich ist das Mär, aufgeschrieben Jahrhunderte nach den angeblichen Ereignissen. Vielleicht ist es das, was wir bestens kennen - Ideologie nach den Schlachten.
Die ersten wirklichen Zeichen von Deutschsein sind mir aus dem 12./13. Jahrhundert vertraut. Walther von der Vogelweide, ein ganzer Kerl, der Dom von Naumburg, ein mächtiges UND schönes Bauwerk inmitten nun kultivierten Landes. Ja, auch den Till Eulenspiegel sehe ich in dieser Reihe - Sterne, die durch die Jahrhunderte strahlen.
200 Jahre weiter. Große Kämpfe reifen heran. Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, gibt seins dazu und Hans Böhm, das Pfeiferhänslein von Niklashausen.
Dann 1525 der Große Deutsche Bauernkrieg, schon frühbürgerliche Revolution und noch Wirken der alten freien Dorfgemeinde. Die revolutionären Bauern, die besten Vertreter des Geisteslebens an ihrer Seite - so sehen bis heute die schönsten Bilder aus deutscher Geschichte aus.

Es ist der größte Aufbruch des deutschen Volkes, und es ist seine bitterste und niemals getilgte Niederlage. Im Eisenkäfig an der Kirchturmspitze das zermarterte Fleisch des Wiedertäufers - dieses Mal brennen die deutschen Herren mit ihren willigen Helfern dem deutschen Volk ins Herz, bis auf den heutigen Tag.
Die Revolution wurde gebrochen, ihr bloßes Andenken in die unterste Schicht des Unbewußten gedrängt. Der Deutsche sucht sich fortan zu behaupten im kleinen Geviert oder im Traum, nicht Wenige im untertänigen Dienst, die Letzten in Haß und Selbsthaß.
Den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges hat er wenig entgegenzusetzen. Die Mütter, bekanntlich, bringen es gerade noch zur "Courage". In Europa ringsum erblühen Nationen, der Riese in seiner Mitte liegt in hunderten Fesseln.
Soviel Eichbäume, soviel Schweinemast. Soviel Fleiß der Leute, soviel Herrenlast.
Das Stöhnen regt die besten Geister auf, Zeugen, wie Grimmelshausen, Denker, wie Kant. Meister der Künste und der Philosophie lernen es, (auf schmalem Grund) mit klarer, weittönender Stimme zu sprechen. Stimmen eines Volkes, dessen Daseinsweise das Schweigen ist, das Murmeln und Stammeln (und immer der Bienenfleiß).
Mitte des 19. Jahhunderts. Die Große Revolution der Franzosen hat die Welt belehrt. Das Kommunistische Manifest leitet - wie wir glauben wollen - die "kopernikanische Wende" des gesellschaftlichen Denkens und Handelns ein. Deutsche marschieren in den ersten Reihen.
Marschieren? Marschieren!
Aber immer weiter: Denken lassen! Was "erwacht" da?
Die Herren und ihr schrecklicher Untertan schwingen sich zu monströsem Leben auf.
Am Ende heißt "deutsch sein" - im Zentrum der Schande zu leben.
Da leben wir nun seit Jahrzehnten. Und sind stolz. Und leben inzwischen gemeinsam mit so vielen anderen Stolzen.
Und lassen es uns den langen Tag gut gehen.
Aber eigentlich ist das Mär, aufgeschrieben Jahrhunderte nach den angeblichen Ereignissen. Vielleicht ist es das, was wir bestens kennen - Ideologie nach den Schlachten.
Die ersten wirklichen Zeichen von Deutschsein sind mir aus dem 12./13. Jahrhundert vertraut. Walther von der Vogelweide, ein ganzer Kerl, der Dom von Naumburg, ein mächtiges UND schönes Bauwerk inmitten nun kultivierten Landes. Ja, auch den Till Eulenspiegel sehe ich in dieser Reihe - Sterne, die durch die Jahrhunderte strahlen.
200 Jahre weiter. Große Kämpfe reifen heran. Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, gibt seins dazu und Hans Böhm, das Pfeiferhänslein von Niklashausen.
Dann 1525 der Große Deutsche Bauernkrieg, schon frühbürgerliche Revolution und noch Wirken der alten freien Dorfgemeinde. Die revolutionären Bauern, die besten Vertreter des Geisteslebens an ihrer Seite - so sehen bis heute die schönsten Bilder aus deutscher Geschichte aus.

Es ist der größte Aufbruch des deutschen Volkes, und es ist seine bitterste und niemals getilgte Niederlage. Im Eisenkäfig an der Kirchturmspitze das zermarterte Fleisch des Wiedertäufers - dieses Mal brennen die deutschen Herren mit ihren willigen Helfern dem deutschen Volk ins Herz, bis auf den heutigen Tag.
Die Revolution wurde gebrochen, ihr bloßes Andenken in die unterste Schicht des Unbewußten gedrängt. Der Deutsche sucht sich fortan zu behaupten im kleinen Geviert oder im Traum, nicht Wenige im untertänigen Dienst, die Letzten in Haß und Selbsthaß.
Den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges hat er wenig entgegenzusetzen. Die Mütter, bekanntlich, bringen es gerade noch zur "Courage". In Europa ringsum erblühen Nationen, der Riese in seiner Mitte liegt in hunderten Fesseln.
Soviel Eichbäume, soviel Schweinemast. Soviel Fleiß der Leute, soviel Herrenlast.
Das Stöhnen regt die besten Geister auf, Zeugen, wie Grimmelshausen, Denker, wie Kant. Meister der Künste und der Philosophie lernen es, (auf schmalem Grund) mit klarer, weittönender Stimme zu sprechen. Stimmen eines Volkes, dessen Daseinsweise das Schweigen ist, das Murmeln und Stammeln (und immer der Bienenfleiß).
Mitte des 19. Jahhunderts. Die Große Revolution der Franzosen hat die Welt belehrt. Das Kommunistische Manifest leitet - wie wir glauben wollen - die "kopernikanische Wende" des gesellschaftlichen Denkens und Handelns ein. Deutsche marschieren in den ersten Reihen.
Marschieren? Marschieren!
Aber immer weiter: Denken lassen! Was "erwacht" da?
Die Herren und ihr schrecklicher Untertan schwingen sich zu monströsem Leben auf.
Am Ende heißt "deutsch sein" - im Zentrum der Schande zu leben.
Da leben wir nun seit Jahrzehnten. Und sind stolz. Und leben inzwischen gemeinsam mit so vielen anderen Stolzen.
Und lassen es uns den langen Tag gut gehen.
kranich05 - 2009/08/20 18:12