Meine Weinstöcke - wie gewonnen, so zerronnen
Nach dem Mißerfolg meiner ersten Rebenpflanzung dauerte es nur ein halbes Jahr und mein Interesse für Weinbau bekam einen neuen großen Anstoß.
Sommer 1977, wir trampten durch Rumänien und blieben lange in Bulgarien. Wir lebten bei einfachen Leuten in der Stadt und bei den Bauern und den Fischern am Meer.
Jeden Abend das gleiche Ritual: Sonnensatt sitzen wir unter der Weinpergola, essen Weißbrot, frisch geerntete Tomaten, dazu das unvergleichliche Sonnenblumenöl "Solnze" (nicht "geschmacksneutral"), Schafskäse und trinken den wunderbaren Rotwein "Pamid", den soliden täglichen Tischwein dort, nicht solch süße Plürre, wie sie der DDR-Bürger kaufte.
Ja, die Weinpergola war die Entdeckung. Kein Spalier an der Hauswand, sondern der schattige Sitzplatz, über dem sich die Reben ausbreiteten, und wo uns die Trauben fast ins Maul wuchsen.
Wieder in Berlin traf uns ein wahrlich atemberaubender Zufall. Die Witwe des letzten Bauern von Pankow-Heinersdorf verkaufte Haus und Hof, und wir standen gerade in der Gegend herum und bekamen die Hälfte des Wiesen- und Gartenlandes angeboten.
Überglücklich. Urbarmachung. Drei Tage rissen wir Melde und Brennesseln aus, ich ohne Handschuhe. Ich liebte das Brennen.
Wir würden demnächst eine Gartenlaube bauen, und ich kaufte sofort drei Weinstöcke - man konnte ja nicht früh genug anfangen -, die später an der Laube ranken würden. Ein Rebe "Früher Malingre", eine "Celine", eine "Königin der Weingärten". Ich freute mich der munter wachsenden Stöcke.
Das Abenteuer Laubenbauerei begann: Erde ausheben, Bodenplatte betonieren, Wandelemente aufstellen usw. usf. Die jungen Weinstöcke hatte ich sorgfältig mit Hölzern abgeschirmt unf geschützt. Glaubte ich.
Als das Bauen-Getümmel vorbei war, hatten es zwei der kleinen Reben nicht überlebt. Groß und stark wurde der "Frühe Malingre". Ich erntete meine ersten Trauben.
Ein neuer Lebensabschnitt. Nicht mehr die Partnerin, nicht mehr der Garten, nicht mehr die Kirschbäume, die Spargelanlage und nicht mehr der Weinstock.
Ich gewann einen Wochenendgarten bei Oranienburg. Es gab bald eine winzige Papplaube und bald auch wieder Reben: "Früher Malingre", "Königin der Weingärten", "Blauer Portugieser". Und ich baute tatsächlich ein kleines Pergolengerüst, das von den Weinstöcken schon bald - unterschiedlich schnell, gemäß iher Wuchsstärke - besiedelt wurde.
Geerntet habe ich dort fast nichts. Ich konnte nur alle ein, zwei Wochen in das Gärtchen fahren. Die Trauben sammelten ihre Süße, und als ich wiederkam, hatten die Vögel, diese Bestien, alles ratzekahl abgefressen.
Wieder ein neuer Lebensabschnitt. Die DDR war untergegangen, mich verschlug es in das schöne Städtchen Lychen in der Uckermark.
Mein Oranienburger Garten wurden nun selten besucht. Dort streunten jetzt Hunde. Und Kinder. Mit Streichhölzern.
So hatte eines schönen Sommerabends die Schmachtenhagener Feuerwehr einen kleinen Ernstfall zu meistern, und meine Papplaube war in Minuten runtergebrannt. Die Weinstöcke waren bis auf die Wurzel vernichtet.
Ich kriegte das im fernen Lychen nur undeutlich mit. Dort sanierte mein ökologischer Verein "ÖKOSTADT e. V." ein altes Bürgerhaus mit Hof und Garten.
Inzwischen ist es lange fertig, hat Ferienwohnungen, die man preiswert mieten kann, einen Bioladen, eine Töpferwerkstatt, ein Hofcafe. Regelmäßig finden Konzerte u Filmvorführungen statt. Wer es nicht kennt, sollte unbedingt einen Besuch einplanen.
Dort gibt es einen geschützten, sonnigen Innenhof und dicke Backsteinmauern, wie geschaffen, um südländische Gäste zu wärmen. Den Beton des Hofes für die Pflanzgruben aufzustemmen war ein hartes Stück Arbeit. Aber dann fanden die beiden Reben ihren Platz, zwei Geschenke aus dem Moselland.
Nun wohne ich schon lange nicht mehr dort, aber bei jedem Besuch begrüße ich meine beiden, nun etwas ungepflegten aber mächtigen, reichtragenden Weinstöcke.
Sommer 1977, wir trampten durch Rumänien und blieben lange in Bulgarien. Wir lebten bei einfachen Leuten in der Stadt und bei den Bauern und den Fischern am Meer.
Jeden Abend das gleiche Ritual: Sonnensatt sitzen wir unter der Weinpergola, essen Weißbrot, frisch geerntete Tomaten, dazu das unvergleichliche Sonnenblumenöl "Solnze" (nicht "geschmacksneutral"), Schafskäse und trinken den wunderbaren Rotwein "Pamid", den soliden täglichen Tischwein dort, nicht solch süße Plürre, wie sie der DDR-Bürger kaufte.
Ja, die Weinpergola war die Entdeckung. Kein Spalier an der Hauswand, sondern der schattige Sitzplatz, über dem sich die Reben ausbreiteten, und wo uns die Trauben fast ins Maul wuchsen.
Wieder in Berlin traf uns ein wahrlich atemberaubender Zufall. Die Witwe des letzten Bauern von Pankow-Heinersdorf verkaufte Haus und Hof, und wir standen gerade in der Gegend herum und bekamen die Hälfte des Wiesen- und Gartenlandes angeboten.
Überglücklich. Urbarmachung. Drei Tage rissen wir Melde und Brennesseln aus, ich ohne Handschuhe. Ich liebte das Brennen.
Wir würden demnächst eine Gartenlaube bauen, und ich kaufte sofort drei Weinstöcke - man konnte ja nicht früh genug anfangen -, die später an der Laube ranken würden. Ein Rebe "Früher Malingre", eine "Celine", eine "Königin der Weingärten". Ich freute mich der munter wachsenden Stöcke.
Das Abenteuer Laubenbauerei begann: Erde ausheben, Bodenplatte betonieren, Wandelemente aufstellen usw. usf. Die jungen Weinstöcke hatte ich sorgfältig mit Hölzern abgeschirmt unf geschützt. Glaubte ich.
Als das Bauen-Getümmel vorbei war, hatten es zwei der kleinen Reben nicht überlebt. Groß und stark wurde der "Frühe Malingre". Ich erntete meine ersten Trauben.
Ein neuer Lebensabschnitt. Nicht mehr die Partnerin, nicht mehr der Garten, nicht mehr die Kirschbäume, die Spargelanlage und nicht mehr der Weinstock.
Ich gewann einen Wochenendgarten bei Oranienburg. Es gab bald eine winzige Papplaube und bald auch wieder Reben: "Früher Malingre", "Königin der Weingärten", "Blauer Portugieser". Und ich baute tatsächlich ein kleines Pergolengerüst, das von den Weinstöcken schon bald - unterschiedlich schnell, gemäß iher Wuchsstärke - besiedelt wurde.
Geerntet habe ich dort fast nichts. Ich konnte nur alle ein, zwei Wochen in das Gärtchen fahren. Die Trauben sammelten ihre Süße, und als ich wiederkam, hatten die Vögel, diese Bestien, alles ratzekahl abgefressen.
Wieder ein neuer Lebensabschnitt. Die DDR war untergegangen, mich verschlug es in das schöne Städtchen Lychen in der Uckermark.
Mein Oranienburger Garten wurden nun selten besucht. Dort streunten jetzt Hunde. Und Kinder. Mit Streichhölzern.
So hatte eines schönen Sommerabends die Schmachtenhagener Feuerwehr einen kleinen Ernstfall zu meistern, und meine Papplaube war in Minuten runtergebrannt. Die Weinstöcke waren bis auf die Wurzel vernichtet.
Ich kriegte das im fernen Lychen nur undeutlich mit. Dort sanierte mein ökologischer Verein "ÖKOSTADT e. V." ein altes Bürgerhaus mit Hof und Garten.
Inzwischen ist es lange fertig, hat Ferienwohnungen, die man preiswert mieten kann, einen Bioladen, eine Töpferwerkstatt, ein Hofcafe. Regelmäßig finden Konzerte u Filmvorführungen statt. Wer es nicht kennt, sollte unbedingt einen Besuch einplanen.
Dort gibt es einen geschützten, sonnigen Innenhof und dicke Backsteinmauern, wie geschaffen, um südländische Gäste zu wärmen. Den Beton des Hofes für die Pflanzgruben aufzustemmen war ein hartes Stück Arbeit. Aber dann fanden die beiden Reben ihren Platz, zwei Geschenke aus dem Moselland.
Nun wohne ich schon lange nicht mehr dort, aber bei jedem Besuch begrüße ich meine beiden, nun etwas ungepflegten aber mächtigen, reichtragenden Weinstöcke.
kranich05 - 2009/05/31 23:11