Krisenkaskade 4 - die geistige Krise
Der Kapitalismus hat seine eignene Abschaffung auf die Tagesordnung gesetzt, aber keiner geht hin.
So stellt sich heute die geistige Krise, zumindest der atlantischen Gesellschaften dar.
Unangefochten und allumfassend herrscht der profane geistige Reflex des alltäglichen bürgerlichen Grundverhältnisses.
Die Vertragsfreiheit zwischen den Eigentümern der Waren und die Vermittlung all ihrer auf maximalen Profit gerichteten Transaktionen auf den diversen Märkten durch Geld, das damit zum wahrhaft totalitären Instrument lückenloser gesellschaftlicher Formierung wird, haben sich gesellschaftlich ausgeprägt in dem absoluten Wert der schrankenlosen Individualisierung jedes Einzelnen.
Das setzt an die Stelle der gesellschaftlichen Bindung die Konkurrenz, bedingt Geschichtslosigkeit und erstickt wissenschaftliches Erkennen gesellschaftlicher Verhältnisse und ihrer Dynamik in der Umarmung der Ideologien, massenmedialer Zumutungen oder ganz ungeniert der Religionen.
Dieser geistige Habitus wurde ausgeprägt und seit nunmehr 20 Jahren zur unbezweifelbaren Normalität zementiert. Er stellt somit keineswegs eine vorübergehende Entgleisung dar.
Heute macht die Krise im ökonomischen Fundament der Gesellschaft das ganze Ausmaß des Kulturbruchs sichtbar, der mit dem Untergang des Realsozialismus vollzogen wurde. Der Sozialismus war die am weitesten in die Realität getriebene Konsequenz der europäischen Aufklärung. Sein Untergang, dem Wesen nach Selbstzerstörung, hat einer 200-jährigen progressiven Tradition die Spitze gebrochen und sie in früher unvorstellbarem Ausmaß aus dem allgemeinen Menschenverstand getilgt.
Die Anerkennung gesellschaftlichen Fortschritts, die Erkenntnis materieller gesellschaftlicher Gesetze, die Generierung gesellschaftlicher Bewußtheit, die gründliche Analyse der Rolle des Privateigentums an den Produktionsmitteln, die Organisierung solidarischer Beziehungen zwischen den Menschen, die Überwindung des Krieges - alle diese jahrzehntelang erstrangigen Gegenstände massenhafter praktischer und geistiger Arbeit - sind in der geistigen Welt der Jetztzeit unbekannt, bestenfalls noch als Chimären bekannt.
Ich spreche vom geistigen Zustand der Massen der Menschen.
Zwei Gruppen sind im Gegensatz dazu hellwach:
Einerseits die Gruppe der Mächtigen, die ein optimiertes System der gesellschaftlichen Steuerung zur vorausschauend-nachhaltigen Sicherung ihrer Interessen anwendet und ständig vervollkommnet.
Andererseits eine kleine Gruppe, die von aller realen Macht ausgeschlossen ist, jedoch über die Energie und Mittel verfügt, die geistigen Errungenschaften der menschlichen Geschichte zu bewahren und, zumindest in Ansätzen, zu vertiefen, aufzuheben.
Es gibt somit Bedingungen, daß eine anhaltende, tiefe Krise der kapitalistischen Ökonomie bei einer wachsenden Zahl von Menschen Lernvorgänge "enormen Bewußtseins" (Marx) auslösen kann.
Heute sind aber die entgegengesetzten Bedingungen, also die auf die Verhinderung solcher Lernvorgänge gerichteten, noch stärker. Eine dramatische Zuspitzung der ökonomischen Krise würde, vermute ich, großen Handlungsdruck erzeugen bei zugleich unzureichend entwickelter zukunftsweisender Gestaltungskraft der Gesellschaft. Damit würden die Gefahren sich beschleunigender gesellschaftlicher Fehlentwicklungen, bis hin zu Katastrophengefahren, wachsen.
Nachbemerkung:
Meine Sicht auf die geistige Krise ist auf unsere westeuropäisch-atlantische Gesellschaft beschränkt. Andere, heranwachsende Weltmächte, wie China, Indien, islamische Länder, in gewissem Maße auch lateinamerikanische Länder haben offensichtlich eine davon unterschiedene geistige Welt. Diese bietet bestimmt andere, vielleicht bessere Voraussetzungen zur Bewältigung der sich vollziehenden Krisenprozesse.
Krisenkaskade 6 - die Krise des Politischen
Krisenkaskade 5 - die ökologische Krise
Krisenkaskade 3 - die geopolitische Krise
Krisenkaskade 2 - die Wirtschaftskrise
Krisenkaskade 1 - die Finanzkrise
So stellt sich heute die geistige Krise, zumindest der atlantischen Gesellschaften dar.
Unangefochten und allumfassend herrscht der profane geistige Reflex des alltäglichen bürgerlichen Grundverhältnisses.
Die Vertragsfreiheit zwischen den Eigentümern der Waren und die Vermittlung all ihrer auf maximalen Profit gerichteten Transaktionen auf den diversen Märkten durch Geld, das damit zum wahrhaft totalitären Instrument lückenloser gesellschaftlicher Formierung wird, haben sich gesellschaftlich ausgeprägt in dem absoluten Wert der schrankenlosen Individualisierung jedes Einzelnen.
Das setzt an die Stelle der gesellschaftlichen Bindung die Konkurrenz, bedingt Geschichtslosigkeit und erstickt wissenschaftliches Erkennen gesellschaftlicher Verhältnisse und ihrer Dynamik in der Umarmung der Ideologien, massenmedialer Zumutungen oder ganz ungeniert der Religionen.
Dieser geistige Habitus wurde ausgeprägt und seit nunmehr 20 Jahren zur unbezweifelbaren Normalität zementiert. Er stellt somit keineswegs eine vorübergehende Entgleisung dar.
Heute macht die Krise im ökonomischen Fundament der Gesellschaft das ganze Ausmaß des Kulturbruchs sichtbar, der mit dem Untergang des Realsozialismus vollzogen wurde. Der Sozialismus war die am weitesten in die Realität getriebene Konsequenz der europäischen Aufklärung. Sein Untergang, dem Wesen nach Selbstzerstörung, hat einer 200-jährigen progressiven Tradition die Spitze gebrochen und sie in früher unvorstellbarem Ausmaß aus dem allgemeinen Menschenverstand getilgt.
Die Anerkennung gesellschaftlichen Fortschritts, die Erkenntnis materieller gesellschaftlicher Gesetze, die Generierung gesellschaftlicher Bewußtheit, die gründliche Analyse der Rolle des Privateigentums an den Produktionsmitteln, die Organisierung solidarischer Beziehungen zwischen den Menschen, die Überwindung des Krieges - alle diese jahrzehntelang erstrangigen Gegenstände massenhafter praktischer und geistiger Arbeit - sind in der geistigen Welt der Jetztzeit unbekannt, bestenfalls noch als Chimären bekannt.
Ich spreche vom geistigen Zustand der Massen der Menschen.
Zwei Gruppen sind im Gegensatz dazu hellwach:
Einerseits die Gruppe der Mächtigen, die ein optimiertes System der gesellschaftlichen Steuerung zur vorausschauend-nachhaltigen Sicherung ihrer Interessen anwendet und ständig vervollkommnet.
Andererseits eine kleine Gruppe, die von aller realen Macht ausgeschlossen ist, jedoch über die Energie und Mittel verfügt, die geistigen Errungenschaften der menschlichen Geschichte zu bewahren und, zumindest in Ansätzen, zu vertiefen, aufzuheben.
Es gibt somit Bedingungen, daß eine anhaltende, tiefe Krise der kapitalistischen Ökonomie bei einer wachsenden Zahl von Menschen Lernvorgänge "enormen Bewußtseins" (Marx) auslösen kann.
Heute sind aber die entgegengesetzten Bedingungen, also die auf die Verhinderung solcher Lernvorgänge gerichteten, noch stärker. Eine dramatische Zuspitzung der ökonomischen Krise würde, vermute ich, großen Handlungsdruck erzeugen bei zugleich unzureichend entwickelter zukunftsweisender Gestaltungskraft der Gesellschaft. Damit würden die Gefahren sich beschleunigender gesellschaftlicher Fehlentwicklungen, bis hin zu Katastrophengefahren, wachsen.
Nachbemerkung:
Meine Sicht auf die geistige Krise ist auf unsere westeuropäisch-atlantische Gesellschaft beschränkt. Andere, heranwachsende Weltmächte, wie China, Indien, islamische Länder, in gewissem Maße auch lateinamerikanische Länder haben offensichtlich eine davon unterschiedene geistige Welt. Diese bietet bestimmt andere, vielleicht bessere Voraussetzungen zur Bewältigung der sich vollziehenden Krisenprozesse.
Krisenkaskade 6 - die Krise des Politischen
Krisenkaskade 5 - die ökologische Krise
Krisenkaskade 3 - die geopolitische Krise
Krisenkaskade 2 - die Wirtschaftskrise
Krisenkaskade 1 - die Finanzkrise
kranich05 - 2009/05/14 14:00