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Freitag, 27. März 2009

Ein Körnchen Staub in der Welt

Die Welt

(Einem Clown zugeeignet)

Viel Tage stampfen über Menschentiere,
In weichen Meeren fliegen Hungerhaie.
In Kaffeehäusern glitzern Köpfe, Biere.
An einem Mann zerreißen Mädchenschreie.

Gewitter stürzen. Wälderwinde blaken.
Gebete kneten Fraun in dünnen Händen:
Der Herr Gott möge einen Engel senden.
Ein Fetzen Mondlicht schimmert in Kloaken.

Buchleser hocken still auf ihrem Leibe.
Ein Abend taucht die Welt in lila Laugen.
Ein Oberkörper schwebt in einer Scheibe.
Tief aus dem Hirne sinken seine Augen.



Dieses Gedicht ist von Alfred Lichtenstein (1889-1915), einem expressionistischen Dichter, den ich nicht kenne. Veröffentlicht wurde es 1911. Der Verfasser war also nicht älter als 22 Jahre.

Ich bin kein Freund expressionistischer Gewaltsamkeit, doch hier lese ich Wendungen, sehe Bilder, die mir einen heftigen Impuls geben: Das dürfte nie verloren gehen.

Der Dichter ist schon bald verloren gegangen.
Im August 1914 "zog er in den Krieg". Im September war er mausetot.

Fluch dem Kriege.
Fluch denen, die bis heute Kriege machen.

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