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Samstag, 24. Januar 2009

Vorspiel

Vielleicht enttäusche ich jetzt manche Erwartung...,
ich will nur von unserem Konzert berichten, dem Schülervorspiel.

Seit viereinhalb Monaten habe ich Unterricht für die Altblockflöte in der Musikwerkstatt Oranienburg-Eden. Es macht mir Riesenspaß, obwohl meine Finger, überhaupt meine Feinmotorik und auch mein Gedächtnis sehr kämpfen müssen.
Und diese Nervosität!
Anscheinend legt sich, was ich mein Leben lang als normale Leistungsorientierung gelebt habe, ob ich will oder nicht, wie ein ständiges Versagensschema über diese Anfängerbemühungen. Völlig unbewußt passiert das: Ich spiel mit großem Vergnügen, spüre Fortschritte, erlebe musikalischen Gewinn und trotzdem bin ich immer wieder ein Nervenbündel vor der freundlichen, verständnisvollen Lehrerin und beim Zusammenspiel mit ihr.

Nun also war Elternvorspiel. Vor einem halben Jahrhundert, als Klavierschüler, habe ich solche Termine gehaßt. Aber jetzt wollte ich mir freiwillig diesen Streß antun:
Seht da, ich gehe auf die 70 zu, und es ist schön, ganz neu mit einem Instrument anzufangen!

Wie es war?
Ziemlich katastrophal. Ich spielte zwei kleine Stücke, die ich fleißig geübt hatte und zu Hause halbwegs sicher beherrschte. Beim Spielen machte ich ungefähr 50% der möglichen Fehler. Das war schon nicht gerade wenig, obwohl ausgerechnet die schwierigsten Stellen gelangen. Aber meine Aufregung konnte ich während der ganzen Zeit nicht in den Griff kriegen. Die war bei jedem Ton zu hören.
Nach dem ersten, schwierigeren Stück rauschender Beifall! Die Zuhörer belohnten meinen Mut. Das zweite Stück gelang ein wenig besser. Puh!

Ich staunte, wie cool alle anderen Schüler, 6-Jährige, 10-Jährige, 15-Jährige musizierten.
Und immer wieder dachte ich beim Zuhören: Wie schön ist es doch, Musik zu machen.

Nachdem die Umstände mich hindern, weiter in Chören zu singen, ist nun das Flötenspiel (zunehmend gemeinsam mit meiner Frau) zum vollwertigen Ersatz geworden. Und die Blockflöte ist eine wirkliche Entdeckung, eine wirkliche und unverhoffte Bereicherung meiner musikalischen Welt.
Sie hat eine durch und durch menschliche, eine ganz unmittelbare Intonation. Jedes andere Instrument, die Querflöte voran, setzt sich durch, fährt die Ellenbogen aus: "Platz da - jetzt komme ich, ein Profi!"
Die Blockflöte klingt, als müsse sich jeder einzelne Ton erst von der Seele des Spielers lösen.

Hier hören wir die Blockflöte zusammen mit Viola da Gamba und Streichern in einer Sinfonia von Telemann (mp3, 1,966 KB)

Mit Pfefferspray gegen die Krise?

Ein, zwei Jahre nach dem Untergang der DDR unterhielten wir uns mal im Kollegenkreis darüber: Verblüfft wurde ich gewahr, daß die meisten von ihnen - Männlein wie Weiblein - irgendeine Waffe mit sich führten. "Man muß doch einen Angreifer abwehren können." Die Frauen schworen auf Pfefferspray.

Zum zweiten Mal kam vor knapp einem Jahr die Rede auf Pfefferspray. Ein umherstreunender Schäferhund hatte Anka und mich überfallen. Es ging blitzschnell. Ich war völlig überrascht und hilflos. Ich schlug und trat, traf aber nur die Luft, während der fremde Köter Ankas Schwanzbusch gepackt hatte. In meiner Hilflosigkeit und mehr noch Wut brüllte ich schließlich mit aller Stimmkraft, wo denn die Herren dieses Hundes seien. Damit tat ich genau das Richtige. Der Köter trollte sich.
Mein Hundenachbar sagte mir später, daß er für solche Fälle Pfefferspray mit sich führe. "Prima", dachte ich, "ein Patentmittel". Doch dann machte ich mich bei Hundekennern und in Internetforen schlau und habe für mich den Schluß gezogen, daß es nur ein sehr fragwürdiges und zweischneidiges Mittel ist: Einen "normal" aggressiven Hund wird man durch entschiedene Befehle stoppen, einen Hund, der "völlig durchdreht", wird man durch nichts stoppen, durch Pfefferspray eher noch reizen.

Nun ist mir Pfefferspray, wie vorgestern erwähnt, als Schutzempfehlung für Krisenzeiten wiederbegegnet. Finde ich ein bissel lächerlich - aber naja, wenn jemand sich damit sicherer fühlt, soll er/sie es griffbereit haben.

Mehr Bauchschmerzen machen mir die nächsten Vorschläge der Krisenberater:
Die Armbrust! Natürlich in zig Ausführungen; auch als Hightech-Gerät, auch als Gewehrarmbrust, Pistolenarmbrust usw.
Können SIE sich vorstellen, einem Eindringling, der sich an Ihrem Fahrrad, Schuppen, Sonnenschirm oder so zu schaffen macht, einen Armbrustbolzen in den Bauch zu jagen oder in den Rücken?

Wer sein Privateigentums so richtig liebt, sagt jetzt vielleicht: "Ja".
Oder er sagt: "Wenn schon, dann nicht so hotzenplotzmäßig, dann gleich mit einer Feuerwaffe."

Abstruse Ideen. Oder erschreckende Phantasien?
Anderswo realistische Szenarien. ICH (und mein Clan)im Daseinskampf gegen alle Welt.

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