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Freitag, 19. Dezember 2008

Ein Paar hat ausgekämpft

Sie wächst als uneheliches Kind in Dresden auf. Die Schönheit der Kunststadt an der Elbe ist ihr ganzer Reichtum.
Er wächst heran in einer disziplinierten, aufstiegsorientierten Familie im Ruhrgebiet, in einem Familienclan des Ruhrpotts.
Der Krieg führt ihn nach Dresden, wo er das ungebundene schöngeistige Leben und seine Liebe entdeckt.
Sie schätzt seine Zuverläßigkeit, seine Kraft, die sie durch alle Zurückhaltung spürt.
Sie verbinden ihre Leben.
Nach dem Krieg eilt er zurück ins Ruhrgebiet. Nur hier kann er sich vorstellen, für seine kleine Familie gut zu sorgen.
Sie folgt ihm widerstrebend; vom Mann, vom 1. Kind, das unterwegs ist, von der Not gezwungen.
Er wurzelt in seiner Heimaterde, leistet anerkannte Arbeit.
Sie sorgt im engen Kreis für die Familie. Sie kämpft mit dem überall eindringenden Ruhrgebietsdreck. Bald haßt sie jedes Blatt, jeden Baum, jede schwarzgraue Häuserfassade.

Ihre Auseinandersetzungen sind erbittert und enden nie. Einzige ungeteilte Freude sind ihre beiden Kinder.

Er erlebt, trotz schlechter Startbedingungen, den beruflichen Aufstieg in Führungspositionen eines traditionsreichen Unternehmens.
Sie wird immer öfter krank. In Kuraufenthalten lebt sie auf. Einem Kurschatten schenkt sie die Uhr, die ihr Mann ihr verehrt hatte.
Als er auf die Rente zugeht, freuen sie sich darauf, nun bald mehr zu unternehmen.
Doch der Krebs überfällt sie mit Wucht. Ihr Ende ist schwer, denn sie hat, wie der Arzt sagt, ein kerngesundes Herz.
Sie will keinesfalls im Ruhrgebiet begraben sein, auch nicht in Dresden, das ist jetzt DDR.
Sie findet ihre letzte Ruhestätte im Hessischen.
Auf ihren Grabstein läßt sie schreiben:
Edelgard S.
aus Dresden

Er überlebt sie fast dreißig Jahre. Er sucht sich keine zweite Frau.
Er pflegt ihr Andenken, ja, er adelt die Erinnerung an sie. Trotzdem, daß sie seine Uhr verschenkt hat, bleibt ihm immer unbegreiflich.
Er will bei seiner Frau begraben sein, im Hessischen. Auf dem Grabstein ist genügend Platz. Dennoch wünscht er, daß die Worte „aus Dresden“ nun entfernt werden. Die Nachwelt geht, gleichsam samten, über diesen Wunsch hinweg.
Am Ende sind diese Worte zu lesen:
Edelgard S.
aus Dresden
Wilfried S.
In acht Jahren wird die Grabstelle geräumt.

Die Krise lösen (4)

Für mich gehören diese vier Aspekte zu einer radikalen Auseinandersetzung mit der Krise:

1. Die Mittel für jegliches „Konjunkturpaket“ sind vorhanden – bei den Superreichen und Reichen. Ihr Reichtum und ihre Verfügungsmacht müssen ihnen genommen werden - „Expropriation der Expropriateurs“.

2. Diese kleine Forderung zu verwirklichen, verlangt den enormen Kampf zur Veränderung der Fundamente der Gesellschaft. Wer weiß, wie die Reichen ihre gottgewollte Ordnung mit Klauen und Zähnen verteidigen ("Eher geht ein Kamel..."), ahnt, welche Organisiertheit und Kampfkraft die Veränderer werden aufbringen müssen.

3. Oftmals ignoriert die marktwirtschaftlich begrenzte Betrachtungsweise der Krisenphänomene, daß es ausweglose Situationen für die Herrschenden (fast) niemals gibt. Ihre extremen aber erprobten Rezepte für den Notfall heißen: Zwangswirtschaft, Entmenschung des Gegners (Vorstufe seiner Vaporisierung), Krieg.

4. Die Enteignung des großen Privateigentums löst noch lange nicht das Problem der Aneignung der gesellschaftlichen Produktivkraft durch Alle (wie der Untergang des Realsozialismus demonstriert hat).
Ich glaube die Lösung der Aneignungsfrage verlangt
gesellschaftliche Bewußtheit bei genossenschaftlicher Arbeits- und Lebensweise
Alternativen aus dem Rechner und
die alles durchdringende Ökologisierung des Wirtschaftens.

Ja, und Geduld.
So sammle ich geduldig, was mir in den Diskussionen bemerkenswert erscheint.
Z. B. bei weissgarnix die kurzen Wortmeldungen 27, 28 und 29.

"27 weissgarnix { 17.12.08 at 22:31 }

@Manifest

... Die Masse wird sich nicht bewegen, bevor nicht was echt krasses passiert.


28 Manifest { 17.12.08 at 22:35 }

@wgnx # 27

Das ist mehr als wahr.

Das Krasse braut sich gerade zusammen.
Ich hoffe, daß es nicht zu krass wird, denn wenn man Kinder hat…

Das ist ein Zwiespalt ersten Grades.
Das sag ich dir als Halbökonom und Vollvater.


29 weissgarnix { 17.12.08 at 22:42 }

@Manifest

>Ich hoffe, daß es nicht zu krass wird, denn wenn man Kinder hat…

Kann ich gut verstehen. Ich fokussiere selbst auf nichts anderes."

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