Dramatische Zeiten wie heute verführen dazu, sich ausschließlich auf EINEN Brennpunkt zu konzentrieren. Das ist aber lebensfern. Man sollte etwas dagegen tun.
I
Ich meine nicht die Gefahr, in den täglichen „Informationen“ und Informationen der Systemmedien zu ertrinken. Wer nicht längst begriffen hat, daß ALLE Massenmedien Steuerknüppel sind, denen jeder Mensch im Interesse seiner geistigen Gesundheit strikt gegenarbeiten muß, verurteilt sich selbst zur Rolle des Hamsters im Rad. „Strikt gegenarbeiten“ bedeutet für mich: 95% oder 99% der Produktflut der Systemmedien/Machtmedien zu ignorieren, nur ein Minimum an aktuellen Fakteninformationen (nach Möglichkeit aus unterschiedlichen Quellen) den Systemmedien zu entnehmen und sich ein EIGENES System von Quellen der Primärinformation und Partnern der Reflexion und Interpretation der realen Entwicklung aufzubauen. Das Internet macht das bis zu einem gewissen Grad möglich.
II
Sich der eigenen, höchstpersönlichen Interessen und Sichtweisen bewußt bleiben!
Habe ich gestern mein Krisen-ABC formuliert, vergesse ich nicht, daß dies in wenigstens zweierlei Hinsicht ein ganz spezieller Blick ist.
Erstens ist es der Blick eines Menschen, der arm an Geld, keine Verlustängste haben und sich keine Sorgen um Vermögenssicherung machen muß. Mein bißchen Vermögen steckt im selbstgenutzten Haus. Was will ich mehr.
Und zweitens ist es offensichtlich der „altkommunistische“, der „altklassenkämpferische“ Blick. Ich zweifle nicht, daß dieser Blick für manche wesentlichen Zusammenhänge sensibilisiert, z. B. für diesen: Krise des Marktes - Krise der Demokratie – Krieg.
Es kann aber auch sein, daß genau dieser Blick mich andere Momente des großen Krisenprozesses NICHT wahrnehmen läßt. Aus beiden Gründen deshalb hier der Verweis auf einen höchst interessanten
Beitrag von Don Alphonso.
III
Die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise ist unheimlich tiefgreifend und umfassend. Und trotzdem ist Politik viel mehr. Das haben uns in schöner Eintracht in den USA Bush/Paulsen/McCain/Obama eingebläut und in Deutschland Merkel/Steinmeier/Schäuble mit ihrer unverhohlenen Vorbereitung/Prävention von Diktatur und Bürgerkrieg.
Und noch viel mehr ist und bleibt Politik auch in diesen Tagen. Wenige Beispiele:
Die erweiterte Fortführung des Krieges in Afghanistan
Die Vorbereitung eines Krieges gegen den Iran
Der schleichende Völkermord Israels im Gazastreifen
Der Versuch, in Südamerika neue Wege zum Sozialismus zu finden und
der Kampf der atlantischen Zentren dagegen
Der Kampf um die Öl- und Gasreserven in Mittelasien und unter dem Nordmeer
Die tausenden Toten an Europas Mauern und der beginnende Kampf um eine Perspektive für Afrika.
IV
Und natürlich ist das öffentliche Leben auch heute nicht nur Politik!
Ökologie ist kein Luxus, den der Mensch sich nur in ruhigen Zeiten leisten kann, nach dem Motto: Heute müssen wir Banken retten, da haben wir keine Zeit für den Klimaschutz. Auch unter diesem Gesichtspunkt stellt die gestrige
Regierungserklärung der Kanzlerin einen Tiefpunkt von Politrhetorik dar.
V
Und überhaupt ist das Leben viel mehr als bloß das politische Lied, das manchmal gefällt, selten begeistert und allzu oft garstig ist.
Ich habe eine weitere Weinrebe gepflanzt, „Muscat bleu“, die eines Tages, aus dem Hintergrund hervorwachsend, zusammen mit anderen dafür sorgen wird, aus unserer neuen Terrasse eine traumhafte Weinlaube zu machen.
Letzten Sonntag spazierten wir über einen ehemaligen Truppenübungsplatz, fanden Maronen und Steinpilze und - Fliegenpilze, einer schöner als der andere.
Anderntags gehörte ein Herbstspaziergang um den Liepnitzsee bei Wandlitz zu unseren Erlebnissen.
Sei gegrüßt, schöne Welt!