Lumix Festival – Der Blick nach Rußland
Nicht weniger als sechs FotografInnen beschäftigten sich mit Rußland:
„Territory of Dream“ von Alexandra Demenkowa, St. Petersburg (Sie ist übrigens z. Z. an einer Ausstellung in Zingst beteiligt),
„Aids in Odessa“ von Andrea Diefenbach, Wiesbaden (hier ihre reichhaltige Homepage),
„Generation Perestroika“ von Philipp Ebeling aus Hannover/London (hier seine Homepage),
„101 Billionairs“ des Niederländers Rob Hornstra (hier mehr seiner Arbeiten),
„Dusha – Russian Soul“ des Italieners Davide Monteleone (mehr zu Monteleone hier) und
„Motherland“ des Briten Simon Roberts, der von 2004 bis 2005 Rußland bereiste und an 200 Orten fotografierte (Hier die ausführliche Vorstellung seines Motherland-Books).
Die Bilder von Armut, Ausweglosigkeit und menschlicher Degradation in Folge des Untergangs des sowjetischen Staatssozialismus und der Zerstörungen der Jelzin-Ära sind wieder und immer noch bedrückend.
„Aufgehörte Menschen“, von Alkohol, Prostitution, Aids und Gewalt gezeichnet. Doch neu sind solche Darstellungen, wie sie besonders bei Alexandra Demenkowa und Andrea Diefenbach zu finden sind

heute nicht mehr, und die Beschränkung auf diesen Ausschnitt läuft Gefahr, ins Pittoreske abzugleiten.
Hier einmal ein Beispiel von David Monteleone für den ästhetischen Reiz des Verfalls.

Rußland läßt sich nicht mit den Elendsbildern eines beliebigen Drittweltlandes illustrieren.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang andere Bilder von Andrea Diefenbach, die viel von der menschlichen Qualität und einiges von dem sozialen Hintergrund der elenden Situation einer jungen, aidskranken Mutter verraten

oder Portraits von Rob Hornstra, die im Gegenwärtigen Jahrzehnte der Biografie des Gegenüber verdeutlichen, wie im Bild des 94-jährige Sibiriers Michail Dubenkow.

oder in diesem wunderbaren Portrait.
Ob das ganze Land in Elend versunken war, können Fotoreportagen weder beweisen, noch widerlegen. Zweifellos aber merkt der interessierte Betrachter auf, wenn er die ungebrochene Lebenskraft mancher „alten russischen Tugend“ sieht, etwa den „heiligen Ernst“, den noch die allerjüngsten BallettschülerInnen ausstrahlen
oder den jungen Kadetten, der sich mit den ruhmreichen Traditionen des russischen Militärs identifiziert und zugleich den geistigen Rat des orthodoxen Priesters einholt.

Wenn der amerikanisch-polnische Geostratege Zbigniew Brzezinski Rußland als unfähig einschätzt, eine Großmachtrolle zu spielen und meint, daß es eigentlich in drei bis vier Länder aufgeteilt gehört, so liefern solche Rußlandreportagen, wie die von Simon Roberts oder Philipp Ebeling genügend Anschauungsmaterial und zumindest mir als Deutschen auch reichlich Erinnerungsstoff, in welchem Desaster solche Fehleinschätzungen schon mehrfach endeten.
Aus der Serie „Motherland“ (Simon Roberts), die hier online zu finden ist, diese selbstbewußte Fleischverkäuferin

oder nicht weniger selbstbewußt-entschlossene Stör-Wilderer

Aus „Generation Perestroika“ (Philipp Ebeling) der fürsorgliche Tischdienst zum Mittag in einer Schule

oder der unbändig-unerschütterliche Kämpfer (nach einer Niederlage) aus Dagestan.

Rußland mit seinen tiefen Widersprüchen verfügt über machtvolle und lebendige Traditionen seiner Volkskraft, Kultur und Organisiertheit. Das spürbar gemacht zu haben (ohne das Riesenland im Entferntesten auszuschöpfen), zähle ich zu den besonderen Verdiensten der Rußland-Reportagen dieses Festivals.
„Territory of Dream“ von Alexandra Demenkowa, St. Petersburg (Sie ist übrigens z. Z. an einer Ausstellung in Zingst beteiligt),
„Aids in Odessa“ von Andrea Diefenbach, Wiesbaden (hier ihre reichhaltige Homepage),
„Generation Perestroika“ von Philipp Ebeling aus Hannover/London (hier seine Homepage),
„101 Billionairs“ des Niederländers Rob Hornstra (hier mehr seiner Arbeiten),
„Dusha – Russian Soul“ des Italieners Davide Monteleone (mehr zu Monteleone hier) und
„Motherland“ des Briten Simon Roberts, der von 2004 bis 2005 Rußland bereiste und an 200 Orten fotografierte (Hier die ausführliche Vorstellung seines Motherland-Books).
Die Bilder von Armut, Ausweglosigkeit und menschlicher Degradation in Folge des Untergangs des sowjetischen Staatssozialismus und der Zerstörungen der Jelzin-Ära sind wieder und immer noch bedrückend.
„Aufgehörte Menschen“, von Alkohol, Prostitution, Aids und Gewalt gezeichnet. Doch neu sind solche Darstellungen, wie sie besonders bei Alexandra Demenkowa und Andrea Diefenbach zu finden sind

heute nicht mehr, und die Beschränkung auf diesen Ausschnitt läuft Gefahr, ins Pittoreske abzugleiten.
Hier einmal ein Beispiel von David Monteleone für den ästhetischen Reiz des Verfalls.

Rußland läßt sich nicht mit den Elendsbildern eines beliebigen Drittweltlandes illustrieren.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang andere Bilder von Andrea Diefenbach, die viel von der menschlichen Qualität und einiges von dem sozialen Hintergrund der elenden Situation einer jungen, aidskranken Mutter verraten

oder Portraits von Rob Hornstra, die im Gegenwärtigen Jahrzehnte der Biografie des Gegenüber verdeutlichen, wie im Bild des 94-jährige Sibiriers Michail Dubenkow.

oder in diesem wunderbaren Portrait.
Ob das ganze Land in Elend versunken war, können Fotoreportagen weder beweisen, noch widerlegen. Zweifellos aber merkt der interessierte Betrachter auf, wenn er die ungebrochene Lebenskraft mancher „alten russischen Tugend“ sieht, etwa den „heiligen Ernst“, den noch die allerjüngsten BallettschülerInnen ausstrahlen
oder den jungen Kadetten, der sich mit den ruhmreichen Traditionen des russischen Militärs identifiziert und zugleich den geistigen Rat des orthodoxen Priesters einholt.

Wenn der amerikanisch-polnische Geostratege Zbigniew Brzezinski Rußland als unfähig einschätzt, eine Großmachtrolle zu spielen und meint, daß es eigentlich in drei bis vier Länder aufgeteilt gehört, so liefern solche Rußlandreportagen, wie die von Simon Roberts oder Philipp Ebeling genügend Anschauungsmaterial und zumindest mir als Deutschen auch reichlich Erinnerungsstoff, in welchem Desaster solche Fehleinschätzungen schon mehrfach endeten.
Aus der Serie „Motherland“ (Simon Roberts), die hier online zu finden ist, diese selbstbewußte Fleischverkäuferin

oder nicht weniger selbstbewußt-entschlossene Stör-Wilderer

Aus „Generation Perestroika“ (Philipp Ebeling) der fürsorgliche Tischdienst zum Mittag in einer Schule

oder der unbändig-unerschütterliche Kämpfer (nach einer Niederlage) aus Dagestan.

Rußland mit seinen tiefen Widersprüchen verfügt über machtvolle und lebendige Traditionen seiner Volkskraft, Kultur und Organisiertheit. Das spürbar gemacht zu haben (ohne das Riesenland im Entferntesten auszuschöpfen), zähle ich zu den besonderen Verdiensten der Rußland-Reportagen dieses Festivals.
kranich05 - 2008/07/02 21:21