Krieg machen
I
Täglich mit Signalen konfrontiert, die darauf hinweisen, daß wir uns im Vorfeld neuer Kriege befinden, greife ich zu Eric Hobsbawm, der sich bemüht, weite historische Zusammenhänge zu beschreiben und zu deuten.
1994 publizierte er eine Arbeit, deren zentrale Aussage lautete, „daß sich nach etwa 150 Jahren eines säkularen Niedergangs die Barbarei während des größten Teils des 20. Jahrhunderts auf dem Vormarsch befindet, und es spricht nichts dafür, daß dieser Vormarsch zum Stehen gekommen wäre.“ („Barbarei: eine Gebrauchsanleitung“, 20. Kapitels seines Buchs: „Wieviel Geschichte braucht die Zukunft“, München, 1997)
Mit Verweis auf Brzezinski stellt er fest, daß der 1. Weltkrieg die mörderischste Ära in der überlieferten Geschichte eröffnet hat. Zwischen 1914 und 1990 haben Krieg und Terror etwa 187 Millionen Tote gefordert, das sind etwa 9% der Weltbevölkerung von 1914.
Der Mensch hat sich an das Töten gewöhnt und zwar an das unterschiedslose Töten von Kombattanten und Nichtkombattanten (unbeteiligte Zivilisten).
Der erste Weltkrieg war der erste Krieg, („jedenfalls in Europa“, wie Hobsbawm einschränkt. Den Vernichtungskrieg gegen die Indianer Nordamerikas läßt er außer Betracht.) der unter den Bedingungen einer demokratischen Politik und mit aktiver Unterstützung der gesamten Bevölkerung geführt wurde. Ziel solcher „demokratischen Kriege“ ist nicht nur der Sieg über die feindlichen Streitkräfte, sondern der maximale Menschenverlust des Feindes. Solche demokratischen Kriege verlangen die Verteufelung des Gegners.
II
An diese letzten Sätze wurde ich erinnert, als ich den ausführlichen Bericht von Ali Fathollah-Nejad zur Iran-Konferenz des »Mideast Freedom Forum Berlin« las. Diese Konferenz fand am 2. und 3. Mai mit 400 Teilnehmern in Berlin statt und versteht sich als Auftakt zu ähnlichen Konferenzen (deren eine bereits am 3. und 4. Mai in Wien stattgefunden hat) und weiteren „dringend notwendige(n) Aktionen und Interventionen“.
Das ist die Stoßrichtung:
Ein präventiver Atomschlag gegen die „satanischen Ambitionen“ der „Un-Zivilisation“
Israel wird zum Präventivschlag übergehen
Die „Sprache der Peitsche“ als Lösung
Eine „neue antifaschistische Front“ gegen den „neuen Hitler“
Die Lehre aus Auschwitz: Im Ausnahmezustand Menschenrechte außer Kraft setzen
III
Die Menschheit spielt seit langem mit ihrer atomaren Selbstvernichtung:
Hiroshima und Nagasaki – die größten Verbrechen gegen die Menschheit nach Auschwitz – wurden unter dem Blutnebel des Weltkriegs hingenommen und nie gesühnt.
Die Fähigkeit zum wechselseitigen atomaren Overkill gilt als Friedensgarantie.
Einsatzszenarien für „kleine Atomwaffen“ (eine Spezialität des deutschen Generals Naumann) produziert heute jeder zweite Stratege, der etwas auf sich hält.
Das Neue der jetzt gestarteten Hetzlawine ist:
Der Ruf nach dem atomaren Erstschlag ist im Konferenzbericht, im Zeitungsinterview, in der Talkshow, in der Uni-Vorlesung, in der Danksagung des Preisträgers, in der antifaschistischen Kundgebung angekommen. Eine Armee von Intellektuellen, Lohnschreibern und Eiferern ist in Bewegung gesetzt und fordert den atomaren Wahn.
Werden sie nicht gestoppt, hetzen sie, bis „die innere Stimme des Volkes“ nach den alles vernichtenden, erlösenden Schlägen schreit.
Täglich mit Signalen konfrontiert, die darauf hinweisen, daß wir uns im Vorfeld neuer Kriege befinden, greife ich zu Eric Hobsbawm, der sich bemüht, weite historische Zusammenhänge zu beschreiben und zu deuten.
1994 publizierte er eine Arbeit, deren zentrale Aussage lautete, „daß sich nach etwa 150 Jahren eines säkularen Niedergangs die Barbarei während des größten Teils des 20. Jahrhunderts auf dem Vormarsch befindet, und es spricht nichts dafür, daß dieser Vormarsch zum Stehen gekommen wäre.“ („Barbarei: eine Gebrauchsanleitung“, 20. Kapitels seines Buchs: „Wieviel Geschichte braucht die Zukunft“, München, 1997)
Mit Verweis auf Brzezinski stellt er fest, daß der 1. Weltkrieg die mörderischste Ära in der überlieferten Geschichte eröffnet hat. Zwischen 1914 und 1990 haben Krieg und Terror etwa 187 Millionen Tote gefordert, das sind etwa 9% der Weltbevölkerung von 1914.
Der Mensch hat sich an das Töten gewöhnt und zwar an das unterschiedslose Töten von Kombattanten und Nichtkombattanten (unbeteiligte Zivilisten).
Der erste Weltkrieg war der erste Krieg, („jedenfalls in Europa“, wie Hobsbawm einschränkt. Den Vernichtungskrieg gegen die Indianer Nordamerikas läßt er außer Betracht.) der unter den Bedingungen einer demokratischen Politik und mit aktiver Unterstützung der gesamten Bevölkerung geführt wurde. Ziel solcher „demokratischen Kriege“ ist nicht nur der Sieg über die feindlichen Streitkräfte, sondern der maximale Menschenverlust des Feindes. Solche demokratischen Kriege verlangen die Verteufelung des Gegners.
II
An diese letzten Sätze wurde ich erinnert, als ich den ausführlichen Bericht von Ali Fathollah-Nejad zur Iran-Konferenz des »Mideast Freedom Forum Berlin« las. Diese Konferenz fand am 2. und 3. Mai mit 400 Teilnehmern in Berlin statt und versteht sich als Auftakt zu ähnlichen Konferenzen (deren eine bereits am 3. und 4. Mai in Wien stattgefunden hat) und weiteren „dringend notwendige(n) Aktionen und Interventionen“.
Das ist die Stoßrichtung:
Ein präventiver Atomschlag gegen die „satanischen Ambitionen“ der „Un-Zivilisation“
Israel wird zum Präventivschlag übergehen
Die „Sprache der Peitsche“ als Lösung
Eine „neue antifaschistische Front“ gegen den „neuen Hitler“
Die Lehre aus Auschwitz: Im Ausnahmezustand Menschenrechte außer Kraft setzen
III
Die Menschheit spielt seit langem mit ihrer atomaren Selbstvernichtung:
Hiroshima und Nagasaki – die größten Verbrechen gegen die Menschheit nach Auschwitz – wurden unter dem Blutnebel des Weltkriegs hingenommen und nie gesühnt.
Die Fähigkeit zum wechselseitigen atomaren Overkill gilt als Friedensgarantie.
Einsatzszenarien für „kleine Atomwaffen“ (eine Spezialität des deutschen Generals Naumann) produziert heute jeder zweite Stratege, der etwas auf sich hält.
Das Neue der jetzt gestarteten Hetzlawine ist:
Der Ruf nach dem atomaren Erstschlag ist im Konferenzbericht, im Zeitungsinterview, in der Talkshow, in der Uni-Vorlesung, in der Danksagung des Preisträgers, in der antifaschistischen Kundgebung angekommen. Eine Armee von Intellektuellen, Lohnschreibern und Eiferern ist in Bewegung gesetzt und fordert den atomaren Wahn.
Werden sie nicht gestoppt, hetzen sie, bis „die innere Stimme des Volkes“ nach den alles vernichtenden, erlösenden Schlägen schreit.
kranich05 - 2008/05/31 13:23