Wie feed the world – über Filmrezeption, Katastrophenhilfe, die Erziehung Freier Bürger und ihre Freie Fahrt
I
Filme, wie alle Modeartikel, haben ihre Zeit.
Das kann man gut an dem Dokumentarfilm „We feed the world – Essen global“ beobachten. 2005 hatte er 150.000 Besucher, 2006 rund 430.000, 2007 waren es knapp 208.000. Seitdem ist er (fast) vergessen.
Hatte er ästhetische Glanzlichter zu bieten oder gar dauerhaft gültige Einsichten in den Zustand der Welt – Pech für das Werk und seine Schöpfer. Der „mündige Konsument“ will sein tägliches Event, den flotten Sinnesreiz, der möglichst noch schneller vergessen als aufgenommen ist.
So geht er um mit den Bildern von den hungernden brasilianischen Kleinstbauern am Rande der Felder mit den Sojabohnen, die für Biosprit bestimmt sind.

Bildquelle: http://www.we-feed-the-world.at/pics.htm
II
Wir können aber auch anders. Wo unser gut vergessliches Menschenrechtsgewissen von der Leine gelassen wird, da möchten wir zum Kampfhund werden.
Gern lassen wir das Asiaten spüren, z. B. in Myanmar. Dort haben die Menschen mit den Folgen einer Sturmkatastrophe zu kämpfen, und die dortigen Diktatoren lehnen manche ausländischen Helfer ab.
Unerträglich ist uns manchmal fremdes Leid. Dann sind wir zu jedem Zwang bereit, am besten mit den bewaffneten westlichen Helfern, die sich in Afghanistan und Irak so glänzend bewähren.
Schwer verständlich ist sie, diese auswählende Menschlichkeit. (Manche nennen es Menschenrechtsimperialismus.) Also muß sie eingeübt werden.
Dazu sind freie Medien da und freie Volksvertreter, gerne SPD-Hinterbänkler und überhaupt Figuren, die wenig zu melden haben – z. B. Angelika Beer von den Grünen oder ein Abgeordneter der Linkspartei.
Unisono fordern sie eine Militärintervention. NATO-Sturm bändigt den Tropensturm und fegt zugleich asiatische Despoten in die Hölle. All das ist zwar fern der Realität aber unser Denken, das die brasilianische Hungerfamilie längst vergessen hat, soll doch wenigstens ahnen, welche Wege das Gute demnächst gehen könnte.
III
Frau Merkel, um Ratschläge für den Rest der Welt eigentlich nie verlegen, hat sich diesmal allzu flotter Sprüche enthalten. Weil sie gerade das reiche Hungerland Brasilien bereist?
Unsere Ex-Umweltministerin wird doch nicht etwa die brasilianische Umweltministerin in ihrem Kampf....?
Keine Sorge. Frau Marina Silva ist gerade zurückgetreten (zum Rücktritt siehe auch hier), denn Frau Merkel kriegt ihren Biosprit. Und die Frauen dort kochen zur Not ihren Kindern Steine, und wir alle, „mündige Konsumenten“, haben auch etwas davon. Freie Fahrt!
We feed the world. Delicious.
Land: Österreich, 2005
Buch & Regie: Erwin Wagenhofer
Regieassistenz: Lisa Ganser
Interview-Partner: u.a. Jean Ziegler
Produzent: Hellmut Grasser
Filme, wie alle Modeartikel, haben ihre Zeit.
Das kann man gut an dem Dokumentarfilm „We feed the world – Essen global“ beobachten. 2005 hatte er 150.000 Besucher, 2006 rund 430.000, 2007 waren es knapp 208.000. Seitdem ist er (fast) vergessen.
Hatte er ästhetische Glanzlichter zu bieten oder gar dauerhaft gültige Einsichten in den Zustand der Welt – Pech für das Werk und seine Schöpfer. Der „mündige Konsument“ will sein tägliches Event, den flotten Sinnesreiz, der möglichst noch schneller vergessen als aufgenommen ist.
So geht er um mit den Bildern von den hungernden brasilianischen Kleinstbauern am Rande der Felder mit den Sojabohnen, die für Biosprit bestimmt sind.

Bildquelle: http://www.we-feed-the-world.at/pics.htm
II
Wir können aber auch anders. Wo unser gut vergessliches Menschenrechtsgewissen von der Leine gelassen wird, da möchten wir zum Kampfhund werden.
Gern lassen wir das Asiaten spüren, z. B. in Myanmar. Dort haben die Menschen mit den Folgen einer Sturmkatastrophe zu kämpfen, und die dortigen Diktatoren lehnen manche ausländischen Helfer ab.
Unerträglich ist uns manchmal fremdes Leid. Dann sind wir zu jedem Zwang bereit, am besten mit den bewaffneten westlichen Helfern, die sich in Afghanistan und Irak so glänzend bewähren.
Schwer verständlich ist sie, diese auswählende Menschlichkeit. (Manche nennen es Menschenrechtsimperialismus.) Also muß sie eingeübt werden.
Dazu sind freie Medien da und freie Volksvertreter, gerne SPD-Hinterbänkler und überhaupt Figuren, die wenig zu melden haben – z. B. Angelika Beer von den Grünen oder ein Abgeordneter der Linkspartei.
Unisono fordern sie eine Militärintervention. NATO-Sturm bändigt den Tropensturm und fegt zugleich asiatische Despoten in die Hölle. All das ist zwar fern der Realität aber unser Denken, das die brasilianische Hungerfamilie längst vergessen hat, soll doch wenigstens ahnen, welche Wege das Gute demnächst gehen könnte.
III
Frau Merkel, um Ratschläge für den Rest der Welt eigentlich nie verlegen, hat sich diesmal allzu flotter Sprüche enthalten. Weil sie gerade das reiche Hungerland Brasilien bereist?
Unsere Ex-Umweltministerin wird doch nicht etwa die brasilianische Umweltministerin in ihrem Kampf....?
Keine Sorge. Frau Marina Silva ist gerade zurückgetreten (zum Rücktritt siehe auch hier), denn Frau Merkel kriegt ihren Biosprit. Und die Frauen dort kochen zur Not ihren Kindern Steine, und wir alle, „mündige Konsumenten“, haben auch etwas davon. Freie Fahrt!
We feed the world. Delicious.
Land: Österreich, 2005
Buch & Regie: Erwin Wagenhofer
Regieassistenz: Lisa Ganser
Interview-Partner: u.a. Jean Ziegler
Produzent: Hellmut Grasser
kranich05 - 2008/05/16 10:26