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Dienstag, 29. April 2008

Deutscher Sinologe bestreitet Vernichtung der tibetischen Kultur

Der deutsche Sinologe Ingo Nentwig, der in Tibet geforscht hat, äußert sich in Interviews mit Xinhua sowie mit der "jungen Welt".
Bildquelle: "junge Welt"
Ingo Nentwig "Nentwig hat im Sommer 2002 einen Monat lang im chinesischen Autonomen Gebiet Tibet geforscht. Hauptsächlich hat er dabei in der Region Naqu die Yak-Zucht untersucht. Er sagte: "Meiner Meinung nach ist der Begriff Kulturvernichtung total falsch. Im Gegenteil: Die chinesische Regierung hat nach allen Kräften die Entwicklung der tibetischen Kultur gefördert. Dies gilt insbesondere für die Erforschung der tibetischen Sprache, der Literatur und der mündlich weitergegebenen Literatur sowie des Alltagslebens und der traditionellen Gebäude. Außerdem werden viele Kulturstätten einschließlich der Tempel und Klöster renoviert oder wieder aufgebaut."

"In China werden viele Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in tibetischer Sprache veröffentlicht. Es gibt mehrere Verlage in tibetischer Sprache. Sie befinden sich nicht nur in Tibet, sondern auch in den Nachbarprovinzen und sogar in Beijing. Es gibt so viele Publikationen in tibetischer Sprache, dass die westlichen Tibetologen sie schon gar nicht mehr überblicken können. Die tibetischen Autoren schreiben in Tibetisch und in Chinesisch. Man kann sowohl Bücher in tibetischer Sprache als auch berühmte ausländische Werke kaufen, die ins Tibetische übersetzten worden sind. Außerdem gibt es in Lhasa auch Institute für die Forschung der traditionellen tibetischen Medizin", sagte Nentwig weiter.

Er betonte, die Berichte der westlichen Medien, dass die chinesische Regierung in Tibet eine Einwanderungs- und Assimilationspolitik durchführe, entsprechen nicht den Fakten. "Meine Untersuchung fand in einem Kreis statt. Dort leben nur 20 bis 30 Menschen der Han-Nationalität zwischen 50.000 bis 60.000 Tibetern. Allgemein gesagt machen die ständig in Tibet lebenden Chinesen der Han-Nationalität nur sieben Prozent der gesamten Bevölkerung in Tibet aus. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung in Tibet sind Tibeter. Davon, dass die Einwanderung der Han-Nationalität die Tibeter assimiliert habe, kann keine Rede sein."

Nentwig sagte: "Die tibetischen Regionen in den Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan sind seit Hunderten Jahren Regionen mit mehreren Nationalitäten und Kulturen. Seit Hunderten Jahren leben die Tibeter dort harmonisch mit den Menschen der Han-, Hui-, mongolischen, Qiang- und anderen Nationalitäten zusammen. Jetzt streben die Exil-Tibeter im Namen der 'Anti-Assimilation' nach kulturell und politisch führenden Positionen. Das steht im Widerspruch zu den historischen Tatsachen und ist zudem für andere Nationalitäten ungerecht."


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Wie ich erst jetzt entdeckt habe: Nentwig, offensichtlich wirklich sachkundig und recht ausführlich im Interview bereits am 18.4.2008 bei german-foreign-policy
hier.

Randbemerkungen zu einem anachronistischen „Volksentscheid“

Ich hatte dieses Ergebnis erhofft und erwartet. Es beweist sowohl die enorme Mobilisierungsmacht der Geldsäcke und ihres Klüngels, als auch, daß diese Macht doch Grenzen hat.

Daß immerhin 21,7% der Berliner Wahlberechtigten für ein Projekt stimmten, daß der Stadt nur Schaden und Verlust und allein den neoliberalen Gewinnlern Vorteile gebracht hätte, signalisiert, wie durch Informationsvermeidung und Desinformation, konzentrierten Einsatz medialer Suggestivtechniken und Wiederbelebung politischer Mythen Massenmeinung und -entscheidung generiert werden kann. Daß dieser Grad von Mobilisierung in einer eigentlich aussichtslosen Situation gelang, verweist einmal mehr und noch in der Niederlage auf die erdrückende private Medienmacht und ihre Gefährlichkeit für eine wirklich demokratische Willens- und Entscheidungfindung.

Natürlich ist die Begrenzung auf 21,7% Ja-Stimmen zugleich ein Erfolg und Ausdruck von bürgerlicher Reife und landespolitischem Realismus, dies umso mehr, als ohne großen Medieneinsatz erzielt. Diese Zahl gibt eine Vorstellung zumindest von den abstrakten Möglichkeiten eines großen alternativen Gesellschaftsprojekts, das von links und der linken Mitte inspiriert und getragen werden könnte.

Die Abstimmung hat erneut die weiterbestehende Ost-West-Differenz offen gelegt. Rund gerechnet ein Drittel der WestberlinerInnen aber nur etwas ein Zehntel der OstberlinerInnen war für Tempelhof. Bemerkenswert ist, daß Pflüger und andere Westberliner Politfunktionäre, ihr Teilergebnis Ost völlig ignorieren und sich als reine Westpolitiker geben. Der Osten ist abgeschrieben und wird es dauerhaft bleiben.

Auch Frau „Busenwunder“ Bundeskanzlerin hat sich einen kleinen Denkzettel geholt. Entgegen ihrer bewährten Taktik, nur dort öffentlich zu tanzen, wo ihr Beifall sicher ist, ist sie noch schnell auf den Tempelhof-Zug gesprungen und steht jetzt zusammen mit Pflüger und Mehdorn vor dem Haltesignal.

Dieser „Volksentscheid“ gibt genug Anlaß, über die Vervollkommnung dieses noch allzu jungen Instruments der Demokratie nachzudenken:
Wowereit hatte erklärt, daß der „Volksentscheid“ gar nichts entscheiden konnte. Vorherige Klarheit über die Kompetenz einer solchen Wählerbefragung ist wohl das Mindeste, was der Bürger verlangen darf.
Welche Garantien kann es in solcher Situation gegen die Manipulierung der öffentlichen Meinung durch mächtige Privatmedien geben?
Welche Rolle hat die Internetszene für die Meinungsbildung der BerlinerInnen gespielt?

Die interessantesten Volksentscheide sind ohnehin diejenigen, die erst gar nicht erlaubt werden.
Muß das so sein?

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