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Dienstag, 25. März 2008

Ostermarsch Berlin 2008

Ostermarsch 2008
Mrs. Tapir hat von unserem Ostermarsch berichtet, ihr zigster, mein zweiter.

Es waren viele Leute da, 1000 oder 2000. Es waren natürlich viel zu wenig.
Wir sind eben keine gewaltige Demo, die Frieden erzwingen könnte.
Wir halten die Forderung wach.

Es berührt merkwürdig, wenn ein Alter die „junge Welt“ verkauft; mit einem „junge Welt“-Schild an der Mütze, mit tattrigen Händen und einem tatsächlich wackelnden Kopf und mit lebhaften Worten und klugen Augen. Menschengesicht.

Welten trennen und vom „Linken Marsch“ der „Burschen von Bord“ des Wladimir Majakowski.
Doch Welten trennen uns auch vom hilflosen Trotten des geschlagenen Stalingrader Heeres in die eisige Gefangenschaft.
Unsere Schwäche ist augenfällig aber trotzdem sind WIR nicht der Staub im Wind.

Manche Leute haben sich nur einen Zettel im A4-Format angehängt, um ihr Wort zu sagen.
Ich hatte das versäumt und habe mich geärgert, denn MEIN Wort hat kein Anderer gesagt:
„Wahrheit über 9/11!“
Mit dieser großen Lüge werden alle Kriege unserer Zeit rechtfertigt.

Vor dem Start
Vor dem Start

Krieg fängt mit Üben an
Frueh uebt sich

Kein Krieg um Öl
Gegen Krieg um Oel

Bundeswehr raus aus Afghanistan, auch in Berlin
sei berlin

Schalmeien dabei
Schalmeien dabei

Humor im "Wir retten Deutschland und die Welt" - Diskurs

"Der Zukunftsrat für Deutschland und die Welt wurde in Frankfurt am Main gegründet,
da Frankfurt „vermögend und sachlich“ und nicht wie Berlin „arm aber sexy“ ist."

Klein-Moritz klärt sich über Tibet auf

Komposterde

I.
Tibet ist weit, unzugänglich, dünn besiedelt. Alle esoterischen Bekannten erzählen viel davon.
Offensichtlich ist es schwierig, darüber Gescheites zu erfahren.

II.
Tibetisch ist der Dalai Lama.
Das ist eine merkwürdige Mischfigur aus Priester und Präsident. Er grinst ständig. Das hält kein Mensch aus. Da ist was falsch.
(Genauso klar ist (kleine Abschweifung): Wer immerzu grimassiert, wie Matussek, der kann nicht geistvoll sein.)

III.
Der Dalai Lama ist tatsächlich ein Priesterkönig.
Je heftiger demokratisch die Demokraten aus dem Westen sind, umso weniger stört sie das.
Bedenklich.

IV.
Der Lama trifft sich gern mit Dabbelju.
Letzteren hält Klein-Moritz, der bis drei zählen kann, für einen Kriegsverbrecher.
Der Lama trifft sich auch gern mit Angela.
Diese Figur kann Klein-Moritz zu seinem Leidwesen nicht so treffend abstempeln, wie ihren Freund Dabbelju (Ein Aal läßt sich nun mal schlechter greifen als ein Stück Holz.), doch seiner Gefühle elementarer Abneigung ist sich Klein-Moritz sicher.
„Sage mir, mit wem Du umgehst,...“

V.
Tensing Gyatso marschiert gerne, an der Spitze seiner Mannen, friedlich, symbolisch auf Lhasa, drei Tage bevor es in Lhasa losgeht.
Hat keiner gemerkt.
Das kennt Klein-Moritz: Du darfst alles machen, nur laß' dich nicht erwischen.

VI
Von Anfang an sind reichlich Knüppelszenen Uniformierter gegen verzweifelt aufbegehrende Freiheitskämpfer zu sehen. „Chinesische Sicherheitskräfte!“, rufen die Überschriften.
Klein-Moritz, der sich Bilder manchmal genau anschaut, bemerkt, daß es nepalesische und indische Polizisten sind. (Manche Zeitung schreibt das auch, manch andere „vergißt“ solche Kleinigkeit.)
Warum tibetische Demonstranten so erbittert gegen ihre Gastländer demonstrieren und warum kein westlicher Menschenrechtswächter diese Gastländer anprangert, versteht Klein-Moritz nicht. Es wird ihm auch niemals erklärt –
zur Strafe, weil: Solche Fragen hat man nicht.

VII
Klein-Moritz mit seiner unberuhigten Frage schaut sich die Bilder noch einmal an. Er kann sich nicht verhehlen, daß ihm manch exilierter Freiheitskämpfer etwas theatralisch vorkommt. Er verhehlt es sich aber doch, denn angesichts der blutenden Freiheit darf er nicht zynisch sein. Schließlich wird ihm mitgeteilt, daß manche der Blutbesudelten sich zu aufrüttelndem Zweck mit roter Farbe beschmiert ins Kameraauge warfen.
Eigentlich ist Klein-Moritz erleichtert, daß es nur rote Farbe ist.
Danach aber könnte es mit der Nachdenklichkeit erst richtig losgehen.

VIII
Im chinesischen Fernsehen könnte Klein-Moritz ein Stück Video sehen, wie eine Horde junger Leute in Lhasa auf einen am Boden liegenden Feuerwehrmann eintritt.
Auf einem anderen Video sieht er, wie auch Mönche in ihren hübschen roten Kostümen sich daran beteiligen, Schaufenster von Geschäften einzutreten. (Klein-Moritz dachte immer, Mönche tun sowas nicht.)
Klein-Moritz sieht ein Video angeboten, daß zeige, wie vier Schuhverkäuferinnen in ihrem Laden verbrennen. Das anzusehen, mag er sich nicht antun.

IX
Auch im chinesischen Fernsehen sieht Klein-Moritz viele Menschen auf den Straßen. Das sind nicht nur einige Provozierende. Das sind sicherlich nicht nur ein paar organisierte Schlägertrupps. Dort ist bestimmt ein relevanter Teil der Bevölkerung unzufrieden.
Was er da beobachtet, bedrückt Klein-Moritz.
Zugleich weckt es nicht im geringsten in ihm ein Gefühl der Berufung, dort aktiv und bessernd einzugreifen.
(Dafür mag man Klein-Moritz schelten. So gehe es nicht. Den ärgerlichen Leser kann ich nur auf dieses bescheidene Posting aufmerksam machen.)

Klein-Moritz rechnet:
Die Unzufriedenheit in Jugoslawien hat man bis zum unabhängigen Kosovo geführt.
In China wird keinerlei Unzufriedenheit zur Etablierung eines neuen Staates führen.

X.
Klein-Moritz, der mitunter schrecklich vereinfacht, vergleicht gerne
Amerika mit einem hormongesteuerten Rowdy,
Europa mit einer alten aber noch recht agilen, Vettel,
China mit einer ganzen Welt.



Nun hat sich Klein-Moritz genug um Tibet gekümmert.
Er geht wieder an seine Arbeit, Komposterde fahren für seinen Garten.
Mit der Schubkarre.
Die haben die Chinesen erfunden. Oder doch die Griechen?
Egal, sollen alle sie benutzen.

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