„Vom Bahnhof kam ein Orchester übers Feld und spielte eine traurige Melodie, da wurde, wie sich herausstellte, der erkaltete Körper des gefallenen Nechworaiko getragen, den hatten mitsamt seiner ganzen Abteilung die wohlhabenden Bewohner im großen Dorf Peski bei Nacht und Nebel vernichtet. Dwanow bekam Mitleid mit Nechworaiko, weil nicht Vater und Mutter ihn beweinten, sondern bloß die Musik, und die Menschen folgten ihm ohne Gefühl im Gesicht, selber bereit, unweigerlich zu sterben im Alltag der Revolution.“
Andrej Platonow, „Tschewengur - Die Wanderung mit offenem Herzen“, Verlag Volk und Welt, Berlin 1990, Seite 76
Revolution ist ein elementares Ereignis, das sich die Menschen nimmt.
In Deutschland hat es nie eine Revolution gegeben. Insofern erschließt uns das Zeugnis des Russen Platonow eine menschheitliche Dimension.
Im deutschen Hinterkopf wacht stets die Frage: "Darf ich denn das?".
Das Ereignis elementarer Gewalt in Deutschland ist die Konterrevolution. In diesem Sinne war die Konterrevolution 1990 eine untypische, fast kultivierte. Das haben mancherlei Stimmen bedauert.