
Heute
hat man herausgefunden, daß dem alten Bibelspruch ein Übersetzungsfehler zu Grunde liegt. Richtig müsse es heißen:
„Eher geht ein Schiffsstau durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“
Abgesehen davon, daß mir das Bild mit dem Kamel besser gefällt, ändert sich die Aussage, auf die es mir ankommt, nicht: Individueller Reichtum steht der menschlichen Befreiung entgegen. Leider gilt noch mehr:
Der Reichtum der Wenigen verhindert JEDE menschliche Befreiung.
Einen scharfen Blick auf die Superreichen lehrt uns
Hans Krysmanski. Seine anschauliche Darstellung hat mich verblüfft. Wenn damit auch noch nichts wirklich begriffen ist, wenigstens ahnen wir, daß unsere kleine Alltagswelt an den Strippen ganz anderer Vermögen zappelt.

Einen anderen scharfen Blick richtet
heute die „junge Welt“, meine kleine Tageszeitung, nicht auf die Superreichen, sondern auf diejenigen, die man eher als wohlhabend bezeichnen könnte:
"In einem nicht geringen Umfang gibt es soziale Gewinner des neoliberalen Kapitalismus. Die Superreichen, Reichen und Wohlhabenden aus der Bourgeoisie, aus der »Klasse der industriellen und kommerziellen Dirigenten« und aus weiteren Mittelschichten werden
nicht nur reicher, sondern auch zahlreicher.
Lag der Anteil der Reichen (Monatseinkommen über 5000 Euro) an den Erwerbspersonen 1972 in Westdeutschland noch bei 1,2 Prozent, so waren es 2003 bereits 12,4 Prozent." (Hervorhebung von mir.)
Solche Realitäten lehren uns die erstaunliche Stabilität besser zu begreifen, die der moderne Kapitalismus trotz seiner Klassenspaltung, trotz seiner wachsenden sozialen und politischen Polarisierung hat.