nicht "hochreligiös", noch nichtmal religiös
Zur christlichen Erziehung ihrer Kinder waren meine Eltern geteilter Meinung. Mütterchen besuchte zwar nie eine Kirche, ganz fern von Gott wollte sie aber nicht sein. Mein Vater dagegen war der geschworene Freigeist.
Man einigte sich salomonisch: Die Kinder gehen zur Christenlehre, sollen damit bekannt werden. Ob sie dabei bleiben, sollen sie dann, wenn die Zeit gekommen ist, selbst entscheiden.
Dritte Klasse, vierte Klasse, fünfte Klasse. Ich ging gern zur Christenlehre. So schöne wundersame Geschichten! Manche Verse waren merkwürdig: „Macht hoch die Tür“ ? Oder: „Unsern Eingang segne Gott, unsern „Ausgang“ gleichermaßen“. Ich musste unweigerlich ans Klo denken. Die Verse zu lernen fiel mir leicht, und ich bekam viel Lob.
Am besten lernte Hänschen Schneider. Ich mochte ihn. Er war unheimlich brav, so etwas wie ein Streber, ohne es zu wollen. Er wurde deswegen viel gehänselt.
Es kam die Zeit, wo Hänschen Schneider „auftaute“. Er machte auch mal einen Blödsinn mit, war auch mal unaufmerksam, ich freute mich für ihn. Und – er blieb beim Verseaufsagen stecken. Unsere Religionslehrerin sah ihn vorwurfsvoll an: „Du wirst in letzter Zeit immer schlechter.“ Eine vorwitzige Stimme aus unserer Mitte: „Und in der Schule wird er immer besser!“ Sie, noch eindringlicher, zu dem betretenen Hans: „Das ist aber ein schlechtes Zeichen“. Ich war empört und sagte laut: „Das finde ich aber gar nicht!“
Mit meiner Disziplin war es seitdem vorbei. Ich wurde vorlaut, störte die Religionsstunde. Es war nicht mehr so interessant. Uns unterrichtete jetzt der Pastor.
Einmal wurde es ihm zu viel, und er fragte unumwunden: „Du glaubst das wohl nicht?“ Ich erschrak. Daß ich das Gehörte für wahr nehmen sollte, war mir nie in den Sinn gekommen. Doch einfach „Nein“ zu sagen, traute ich mich nicht. Ich zögerte und quälte ein langgezogenes „doooch“ heraus und erschrak wieder, diesmal über mein Feigheit und schob ein „aber“ hinterher. Er gleich: „Aber?“ Ich, zögerlich: „Aber alles auch nicht.“ Es war heraus. Er: „Vielleicht ist es besser, wenn du eine Zeit nicht kommst.“
Als ich zu Hause alles erzählte, erfuhr ich zum ersten Mal von der Vereinbarung meiner Eltern. Von Stund an brauchte ich nicht mehr zur Religionsstunde.
Danach wurde ich ein spätkindlicher und jugendlicher Religionshasser. Als ich 14 Jahre alt wurde und einen Personalausweis bekam, war mein erster Weg zum Standesamt.
Austritt aus der Kirche.
Gewiß, der pubertäre Religionshass war nicht das letzte Wort.
Aber Gott oder Kirche habe ich bis heute keine Sekunde gebraucht.
Man einigte sich salomonisch: Die Kinder gehen zur Christenlehre, sollen damit bekannt werden. Ob sie dabei bleiben, sollen sie dann, wenn die Zeit gekommen ist, selbst entscheiden.
Dritte Klasse, vierte Klasse, fünfte Klasse. Ich ging gern zur Christenlehre. So schöne wundersame Geschichten! Manche Verse waren merkwürdig: „Macht hoch die Tür“ ? Oder: „Unsern Eingang segne Gott, unsern „Ausgang“ gleichermaßen“. Ich musste unweigerlich ans Klo denken. Die Verse zu lernen fiel mir leicht, und ich bekam viel Lob.
Am besten lernte Hänschen Schneider. Ich mochte ihn. Er war unheimlich brav, so etwas wie ein Streber, ohne es zu wollen. Er wurde deswegen viel gehänselt.
Es kam die Zeit, wo Hänschen Schneider „auftaute“. Er machte auch mal einen Blödsinn mit, war auch mal unaufmerksam, ich freute mich für ihn. Und – er blieb beim Verseaufsagen stecken. Unsere Religionslehrerin sah ihn vorwurfsvoll an: „Du wirst in letzter Zeit immer schlechter.“ Eine vorwitzige Stimme aus unserer Mitte: „Und in der Schule wird er immer besser!“ Sie, noch eindringlicher, zu dem betretenen Hans: „Das ist aber ein schlechtes Zeichen“. Ich war empört und sagte laut: „Das finde ich aber gar nicht!“
Mit meiner Disziplin war es seitdem vorbei. Ich wurde vorlaut, störte die Religionsstunde. Es war nicht mehr so interessant. Uns unterrichtete jetzt der Pastor.
Einmal wurde es ihm zu viel, und er fragte unumwunden: „Du glaubst das wohl nicht?“ Ich erschrak. Daß ich das Gehörte für wahr nehmen sollte, war mir nie in den Sinn gekommen. Doch einfach „Nein“ zu sagen, traute ich mich nicht. Ich zögerte und quälte ein langgezogenes „doooch“ heraus und erschrak wieder, diesmal über mein Feigheit und schob ein „aber“ hinterher. Er gleich: „Aber?“ Ich, zögerlich: „Aber alles auch nicht.“ Es war heraus. Er: „Vielleicht ist es besser, wenn du eine Zeit nicht kommst.“
Als ich zu Hause alles erzählte, erfuhr ich zum ersten Mal von der Vereinbarung meiner Eltern. Von Stund an brauchte ich nicht mehr zur Religionsstunde.
Danach wurde ich ein spätkindlicher und jugendlicher Religionshasser. Als ich 14 Jahre alt wurde und einen Personalausweis bekam, war mein erster Weg zum Standesamt.
Austritt aus der Kirche.
Gewiß, der pubertäre Religionshass war nicht das letzte Wort.
Aber Gott oder Kirche habe ich bis heute keine Sekunde gebraucht.
kranich05 - 2007/12/19 19:15