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Montag, 3. Dezember 2007

Blogs

Blogs sind individuell. Das trifft sogar auf Blogs zu, die von mehreren Leuten geschrieben werden. Sie schreiben als eine Art Gruppenindividuum. Blogs, die zwar der Form nach individuell sind, in Wirklichkeit aber die Positionen einer Partei, Institution, eines Auftraggebers verbreiten, haben wohl auch eine Berechtigung, wirken aber, das ist bald zu spüren, nicht ganz „echt“.
Viele Individuen ergreifen gern die Möglichkeit, sich auszudrücken. So weit sie mit Tastatur und Sprache umgehen können, kann es für sie attraktiv sein, die Form des Blogs zu benutzen. Aber die Notwendigkeit, einigermaßen regelmäßig und häufig zu posten, ist ein Scharfrichter. Es entsteht ein unangenehmer Druck. Der Blogger, die Bloggerin, fühlt sich leergeschrieben. Das Blog geht ein.
Fast alle BloggerInnen, deren Blogs jahrelang laufen, vermeiden solche Durststrecken dadurch, daß sie auf einem oder mehreren Gebieten überdurchschnittliche Kompetenz einbringen. Das Blog nimmt dadurch eine bestimmte Ausrichtung an, es ergeben sich fließenden Übergänge zum Fachblog. Die individuelle Ursprünglichkeit muß trotzdem nicht verloren gehen, sie wird nur gestützt und verliert ihre Dominanz als das einzige tragende Element.
Was als individuelle Ursprünglichkeit erscheint, liegt in einer enormen Spannweite. Die reicht vom Stammtischpalaver, von der kaum eigenformulierten bloßen Kopie einer beliebigen Meinung bis zum Aufstrahlen eines schönen, einzigartigen, geistigen Vorgangs.
Auf die Länge der Distanz, sind die meisten Blogs eher arm an solchen Momenten einer durchdringenden Strahlung. Ausnahme sind die wenigen Blogs, deren Verfasser sich gerade auf einer rasanten Forschungsbahn, um nicht zu sagen, in einem Abenteuer befinden. Ihre Leistung, gekoppelt mit der allgemeinen Stärke der Bloggerei, schnell differenzierte Netzstrukturen herstellen (und wandeln) zu können, kann reale gesellschaftliche Bedeutung erlangen. Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist hier das Blog annalist.
Bemühungen, die „freischwebende Bloggerei“ mit realen gesellschaftlichen Bewegungen zu verbinden, nehmen zu. Vielleicht ist auch dies ein Beispiel dafür. Die Blogs könnten dankbar sein, für das „Kraftfutter“, das ihnen aus dem „Strom namens Fakt“ (um Majakowski zu erwähnen) zufließen könnte. Den Bewegungen könnte die sprühende Reflexivität der Bloggerei versus Betondenken zupaß kommen.
Bloggen bleibt interessant.

Was mich meine persönliche CO2-Bilanz lehrt

Am Wochenende hörte ich im Info-Radio Prof. Schellnhuber, der als Klimaberater der Bundeskanzlerin vorgestellt wurde. Er verkündete, daß natürlich jeder Mensch weltweit das gleiche Recht zur CO2-Emission haben müsse. Daraus ergibt sich für jeden Mensch ein Menge von etwa 2 t.
Daraufhin nahm ich mir noch einmal den persönlichen CO2-Rechner des Bundesumweltministeriums vor, den ich hier schon einmal vorgestellt habe.
Danach liegt meine persönliche Emission bei etwa 6 t, der Bundesdurchschnitt bei 11 t. Gegenüber dem Bundesdurchschnitt bin ich vor allem deshalb deutlich besser, weil ich ökologisch heize, Ökostrom verwende, keinen Privat-Pkw fahre und auf Flugreisen verzichte. So weit, so schön.
Warum aber bin ich von den 2 t noch so weit entfernt? Es sind (von eventuellen Mängeln des Rechenmodells abgesehen) von mir verursachte oder mir zugerechnete Emissionen, die gesellschaftlich bestimmt sind. Bei ihnen kann ich mich sozusagen „auf den Kopf stellen“. Sie sind mir vorgegeben. Ich kann sie persönlich gar nicht verringern.

Diese Zahlenspiele verdeutlichen:
Es gibt individuelle Möglichkeiten und jede(r) sollte sie ausschöpfen.
Darüber hinaus aber müssen gesellschaftsweite Veränderungen her.
Meine persönliche CO2-Bilanz ist auch eine Frage meiner politischen Macht oder Ohnmacht.

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