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Montag, 19. November 2007

denkwürdig

In diesen Tagen ist es 75 Jahre her, daß einige der Mächtigsten in Deutschland die Zeit zum Handeln gekommen sahen.
Schluß mit den Instabilitäten der Weimarer Demokratie - das war ihre Empfehlung an Hindenburg.

Schacht-und-Hitler
Hitler und Schacht, Bildquelle hier

Ein „Präsidialkabinett“ sollte den Klassengegensatz überwinden, für Ruhe und Ordnung sorgen und so dem „Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft“ Bahn brechen. Um die Verfassung zu ändern, um die Opfer zu bringen, die man für die Zukunft einplante, verlangte man einen entschiedenen Schritt auf die Partei zu, die (noch) die national gesinnten Massen mobilisieren konnte.
Kein Vierteljahr später war Hitler Reichskanzler und die Weimarer Demokratie wurde vernichtet. Das funktionierte ohne alle „schicksalhafte Ermächtigung“ eines von germanischen Mythen inspirierten Führers.

Es ist gut, sich zu erinnern, daß die Macht und Selbstherrlichkeit der Bosse die Demokratie hinwegfegte, als sie ihnen hinderlich geworden war.
Heute hat die Macht und Selbstherrlichkeit der Bosse einen Grad erreicht, der manche Forscher von Refeudalisierung sprechen läßt.
Doch auch daran ist zu erinnern: Fast genau 10 Jahre nach der Denkschrift von Schacht und Konsorten schloß sich der eiserne Ring der Sowjetarmee um Stalingrad. "Die Vorsehung" verlangte in zwei Monaten das Leben von 200 000 deutschen Soldaten. Und die Raubkonzepte der deutschen Wirtschaft mußten vorerst den langen Marsch zurück in die Tiefen der Panzerschränke antreten.

Wenn Thierse im Dunkeln sitzt

Scherz muß sein, meinte Martin Buchholz und schickte mir wieder seinen "Wochenschauer":

Thierse

"Freitag, 16. November - Wolfgang Thierse, unser bislang staatlich anerkannter Ober-Ossi in Sachen Moral, Anstand & Co., hätte sich mal besser auf die eigene Zunge treten sollen, wenn er sie schon kilometerweit hinaushängen läßt. Er hat etwas gesagt, was zwar jeder insgeheim gedacht hat, was man aber im politischen Familienkreis gefälligst nicht offen ausspricht, weil es sich eben nicht gehört. Wie ein unbedarfter Rotzjunge hat er dem dicken Opa Helmut übel nachgerufen: "Seine Frau im Dunkeln sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal." Um so heller wollte er so das Licht des "privat" zurückgetretenen Münte strahlen lassen. Doch Tante Merkel reagierte licht-allergisch und wertete dies als "Niedertracht".
Thierse, schwerstbetroffen wie üblich - nur diesmal über sich selbst, zauste sich daraufhin in heftiger Zerknirschtheit alle Strubbelhaare und führte als Rumpelstilzchen seinen üblichen Eiertanz vor: "Das war nicht als Angriff auf Helmut Kohl gedacht." Weshalb es ihm auch so unendlich leid tue, "daß ein anderer Eindruck entstanden ist". Wofür er sich denn auch tausendmal entschuldigen möchte.
Aber wofür entschuldigt er sich? Ist es denn seine Schuld, daß da ein Eindruck entsteht, für den er gar nichts kann? Das haben Eindrücke nun mal so an sich, daß sie einfach so entstehen, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Da erwacht auf einmal ein Eindruck, den man überhaupt nicht hatte erwecken wollen. Vor einiger Zeit hatten wir das schon beim Filbinger-Grabredner Öttinger. Das übliche Ritual bei öffentlichen Entschuldigungen von Politikern: Die entschuldigen sich nie für das, was sie ausdrücklich gesagt haben, sondern nur für das, was sie eindrücklich nicht erwecken wollten.
Einen Eindruck im Dunkeln sitzen zu lassen, wäre da schon idealer."

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