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Montag, 12. November 2007

Als die DDR noch lebte ... wußte man manches besser

Aus aktuellem Anlass habe ich in einer Broschüre geblättert, die mir die Eule dankenswerterweise kopiert hat: "Der Alltag in der DDR" Realitäten - Argumente, Herausgegeben von der Friedrich Ebert-Stiftung Bonn 1983.

So z. B. fragen heute Ideologie-Soziologen, um zu messen, welchen Grad der Wirklichkeitsverzerrung punkto DDR 16-jährige Schüler verinnerlicht haben:
In welchem Grad stimmen Sie Aussagen zu, wie
"16. Ich finde es gut, dass in der DDR sich der Staat um alle Bürger kümmerte, auch wenn dadurch der Einzelne weniger Freiheit hatte."
Oder
"41. Es ist besser, in Freiheit zu leben als - wie in der DDR - vom Staat rundum versorgt zu werden."

In der erwähnten Broschüre, Seine 15/16, wird die Versorgung in der DDR erläutert. Man macht es sich nicht so leicht, nur auf die vielen Versorgungsmängel hinzuweisen, sondern erklärt sachlich die sogenannte "öffentliche Versorgung", auf die es sogar einen Rechtsanspruch gab. (Daß dieses Recht im "Gesetzbuch der Arbeit" verankert war, war mir, obwohl ich es jahrzehntelang genossen habe, völlig entfallen.)
Ebertstiftung2
Ebertstiftung3

Ja, es gab sogar einen entsprechenden Rechtsanspruch der Rentner:

Ebertstiftung4
Ebertstiftung5

Nochmal ausdrücklich: Die Quelle der abgebildeten Texte ist die o.g. Broschüre.

Tschewengur -"„Das bin ich!" sagte Sascha laut."

Andrej-Platonow-31

„Wieviel er auch las und dachte, immer blieb in seinem Innern ein unausgefüllter Platz - jene Leere, durch die die unbeschriebene und unerzählte Welt als rastloser Wind hindurchgeht. Mit siebzehn Jahren hatte Sascha Dwanow immer noch keinen Schutzpanzer über dem Herzen - nicht den Glauben an Gott noch eine andere geistige Beruhigung; er gab dem sich vor ihm auftuenden namenlosen Leben keinen fremden Namen. Dennoch wollte er nicht, dass die Welt unbenannt bliebe, er wartete nur darauf, ihren eigenen Namen aus ihrem Munde zu hören statt bewusst ausgedachter Namen.
....
Sascha fühlte in sich Kälte wie von einem richtigen Wind, der in die weite Finsternis hinter ihm blies, aber vorn, wo der Wind geboren wurde, war etwas Durchsichtiges, Leichtes und Riesiges - Berge lebendiger Luft, die in eigenen Atem und Herzschlag umzuwandeln war. Dieses Vorgefühl ergriff seine Brust, und die Leere im Körper weitete sich noch aus, bereit, das künftige Leben in Besitz zu nehmen.
"Das bin ich!" sagte Sascha laut."


Andrej Platonow, „Tschewengur - Die Wanderung mit offenem Herzen“, Verlag Volk und Welt, Berlin 1990, Seite 66

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