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Freitag, 2. November 2007

Wer betreibt die DDR-Erinnerung?

Nein, nicht unter diesem Titel hat die Bundeszentrale für politische Bildung eine Debatte aus dem vorigen Jahr dokumentiert. Der Band 619 ihrer Schriftenreihe (Bonn 2007) sieht so aus:

Band-619

Im Frühjahr 2005 berief die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Christina Weiss, eine Expertenkommission, die „ein Konzept für einen dezentral organisierten Geschichtsverbund zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ vorlegen sollte. Die zehn „namhafte(n) Fachleute mit besonderen Kenntnissen über die Funktionsweise der SED-Diktatur“ tagten etwa 22-mal im Plenum, befragten per Fragebogen mehr als vierzig „Einrichtungen der DDR-Aufarbeitung“ und holten in mehr als 35 Fällen den „Rat profilierter Fachleute ein“. Im Mai 2006 legten sie ihre Empfehlungen vor. Zu diesen fand am 6.6.2007 eine öffentliche Anhörung statt.
Der Band verzeichnet 44 Kurzbiografien von Kommissionsmitgliedern und Interventen des öffentlichen Hearings.
Von diesen „Spezialisten für DDR-Aufarbeitung“ sind 17 Wessis, alle Akademiker und 27 Ossis (Einige von Letzteren mit mehrjähriger Westkarriere vor 1989).
Von den 27 Ossis waren 26 oppositionell eingestellt, spätestens ab 1989/90. Einer war damals noch zu jung.
12 von ihnen waren in irgendeiner Weise verfolgt oder gemaßregelt, sechs waren in Haft, einige mehrfach.
Mehr als 20 von den 27 Ossis sind Akademiker, 14 von ihnen aus dem kirchlichen Bereich.
24 von den 27 haben im vereinigten Deutschland eine politische bzw. berufliche Karriere auf dem Feld der DDR-Aufarbeitung gemacht.

Es liegt mir fern, solchen Leuten das Recht abzusprechen, ihre DDR-Erinnerungen auszubreiten. Zweifellos sind ihre Erfahrungen und also auch Erinnerungen von großem Gewicht, um unser gelebtes Leben tiefer zu verstehen und vielleicht auch etwas für die Zukunft aufzuheben.
Ganz entschieden bestreite ich aber, daß diese Szene die Kompetenz, die Gedankentiefe und Erfahrungsfülle hat, zu bestimmen, wie Jahrzehnte des Lebens von Millionen Menschen, vieler Millionen DDR-Bürger, reflektiert werden sollen.
Ist es mehr Anmaßung oder mehr schäbiges politisches Kalkül, das zu solchem Versuch führt?
DDR-Erinnerung, die diesen Namen verdient, braucht eine ganz andere Stimmkraft.

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