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Mittwoch, 26. September 2007

Wenn im Politiktheater der Hitlerkasper gezogen wird,

ist Mißtrauen angebracht.

AhmadinedschadHitler

Die Guten sind dann kaum noch zu hindern, die Auschwitzschande mit dem Blut der Bösen abzuwaschen.
Milosevic, Saddam durften das erfahren, Chavez hat noch eine Galgenfrist.
Jetzt geht es um den „iranischen Diktator“, den mehr Menschen seines Volkes gewählt haben, als Bush oder Merkel von ihren Wählern sagen können.

Es liegt mir fern, aus Ahmadinedschad einen antiimperialistischen Volksführer zu machen. Er hat seinen blinden Fleck, wie andere Politiker (und Politikerinnen) den ihren.
Aber er ist der Präsident eines großen Kulturvolkes und vertritt wohlbegründete Interessen.
In seiner Rede vor der UN-Vollversammlung sagte er:
„Von den leistungsunfähigen Organisationen steht leider der Sicherheitsrat der UNO an erster Stelle. Sie haben Bedingungen hervorgerufen, dass einige Mächte mit einem Sonderrecht im Sicherheitsrat, gleichzeitig Staatsanwalt, Richter und Vollstrecker sein kann, ob er nun als Kläger oder aus Angeklagter auftritt. Es ist nur natürlich, dass die Länder und Völker , die von ihnen angegriffen werden, sich keine Hoffnung zu machen brauchen, mit Hilfe dieses Rates an ihre Rechte zu gelangen. Die Menschheit ist Zeuge, dass es leider bei allen langen Kriegen wie dem Korea- und Vietnam-Krieg, dem Krieg der Zionisten gegen die Palästinenser und Libanon, dem Krieg Saddams gegen die iranische Nation und den rassistischen Kriegen in Europa und Afrika so war, dass einige Mitglieder des Sicherheitsrates entweder auf der einen Seite des Konflikts gestanden haben, eine Kriegspartei, zumeist den Aggressor unterstützten oder die Auseinandersetzung selber befürworteten.“

„Beim Libanon haben wir gesehen, dass einige Mächte 33 Tage lang in der Hoffnung auf den Sieg des zionistischen Regimes, den UN-Sicherheitsrat von einer Entscheidung abhielten und – nachdem sich das Besatzerregime keine Hoffnung mehr auf den Sieg machen konnte - zuließen, dass eine Resolution über den Waffenstillstand herausgegeben wird.“


Das sind klare und wahre Worte und auch seiner Feststellung, daß die Palästinenser seit 60 Jahren für den von europäischen Mächten, konkret Deutschland, verursachten Holocaust zahlen müssen, läßt sich nur schwer widersprechen.

Der deutsche Wortlaut seiner Rede vor der UNO und auch der in der Columbia-Universität ist hier zu finden.
Überlegte Kommentare wieder beim Spiegelfechter hier und hier.

Eine Tochter übrigens reiste gerade durch den Iran und berichtete hier.
Iran

Ideenskizze für „DDR-Stimmen“

„DDR-Stimmen“ ist ein Projekt, das einer großen Zahl Personen, die in der DDR gelebt haben, sowie darüber hinaus weiteren Personen, die sich mit der DDR beschäftigt haben, eine Tribüne gibt, um ihr persönliches Erleben und Reflektieren zu schildern.
Hauptquellen sollen persönliche Dokumente sein, vor allem schriftliche und bildliche, die zeitnah zu den beschriebenen Ereignissen entstanden sind, vor allem Tagebücher und Briefe. Darüber hinaus sollen auch später verfaßte Erinnerungen einbezogen werden, wobei der Zeitpunkt und eventuell Umstände der Niederschrift deutlich gemacht werden.
Verwendet werden überschaubare, charakteristische Dokumente bzw. Auszüge aus umfangreichen Dokumenten. Dabei werden Auslassungen gegenüber den Originalen exakt ausgewiesen.

Die Veröffentlichungen werden sich zweifellos mit bedeutsamen zeitgeschichtlichen Ereignissen und charakteristischen Themen beschäftigen. Der Bezug auf einzelne Tage, wie es Kempowski praktiziert, ist kaum durchzuhalten (wie Kempowskis Praxis der „Transformation“ selbst beweist), jedoch kann die Konzentration auf eng begrenzte Zeiträume sachdienlich sein.
Vielleicht entwickelt sich eine Darstellungsstruktur, in deren Zentrum eine überschaubare Anzahl bedeutsamer Ereignisse auf der geschichtlichen Zeitachse steht, während eine große Anzahl von Querschnittsthemen gleichsam leitmotivisch und variiert in den einzelnen Beiträgen wiederkehrt.
Zur Erhellung des Hintergrunds der veröffentlichten persönlichen Dokumente sollte eine knappe Zeittafel der geschichtlichen Ereignisse beigegeben werden.

Meine vorläufigen Vorstellungen über interessante Zeitereignisse und (Querschnitts-)Themen:
04/1946 Vereinigung von KPD und SPD zur SED
06/1948 Gründung der Volkswerft Stralsund
01/1949 Brechts „Mutter Courage“ in Berlin
09-10/1949 Gründung der BRD und der DDR
08/1950 Baubeginn Eisenhüttenkombinat Ost
06/1953 17. Juni 1953
03/1956 Gründung der NVA als Freiwilligenarmee der DDR
1956 20. Parteitag der KPdSU - Chrustschow-Rede
1958 Abschaffung Lebensmittelkarten
07/1958 V. Parteitag der SED - Westdeutschland im Pro-Kopf-Verbrauch einholen und überholen
04/1960 „De Appel is riep“ - Abschluß der Vergenossenschaftlichung der Landwirtschaft
08/1960 Radweltmeisterschaft auf dem Sachsenring
04/1961 Gagarin im Weltraum
1960/1961 Republikflucht
08/1961 13. August 1961
1962 Peter Hacks, „Die Sorgen und die Macht“, „Der Frieden“
01/1963 VI. Parteitag - NÖS
12/1963 Passierscheinabkommen DDR - Senat von Westberlin
1963/1964 Robert Havemann-Vorlesungen
05/1964 Dt 64
09/1965 Pkw Wartburg 353
04/1967 7. Parteitag der SED beschließt 5-Tage-Arbeitswoche
04/1968 Volksabstimmung zur neuen Verfassung
10/1968 erste selbständige DDR-Olympiamannschaft in Mexiko-Stadt
03/1970 Treffen von Willy und Willi in Erfurt
05/1970 Honecker löst Ulbricht ab
06/1971 8. Parteitag beschließt Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik
06/1973 Grundlagenvertrag BRD-DDR tritt in Kraft
07-08/1973 X. Weltfestspiele in Berlin
09/1973 DDR Mitglied der UNO
08/1975 Schlussakte Helsinki unterzeichnet
11/1976 Ausbürgerung Wolf Biermann
06/1977 Neues Arbeitsgesetzbuch der DDR
08/1978 Sigmund Jähn im All
1977/1978 VIII. Kunstausstellung der DDR
01/1982 „Berliner Appell“ von Eppelmann und Havemann („Frieden schaffen ohne Waffen“)
02/1984 E. Honecker übergibt die zweimillionste Wohnung des Wohnungsbauproramms
1984 Die Zahl der Ausreisen aus der DDR wächst
03/1985 Gorbatschow KPdSU-Sekretär in Moskau
1986 Perestroika
04/1986 Tschernobyl
04/1987 Kurt Hager - Tapetenvergleich
06/1987 Reagan an der Berliner Mauer
09/1987 Honecker besucht BRD
11/1987 Durchsuchung „Umweltbibliothek“ Zonsgemeinde Berlin
01/1988 Luxemburg-Liebknecht-Demo „Freiheit der Andersdenkenden“
11/1988 Sputnikverbot
05/1989 Grenzöffnung in Ungarn
05/1989 Wahlbetrug bei Kommunalwahlen
09/1989 1. Montagsdemo in Leipzig
10/1989 Rücktritt Honecker
11/1989 Großdemo in Berlin
11/1989 Maueröffnung
01/1990 Modrow initiiert „Runden Tisch“
04/1990 Regierung de Maiziere
07/1990 Währungsunion
10/1990 Tag der Deutschen Einheit

Eine Auswahl weiterer Begriffe, die das Leben in der DDR charakterisierten:
ABF (Arbeiter- und Bauern- Fakultät)
Bausoldaten
Bautzen (Strafvollzug)
Dokumentarfilme „Du und mancher Kamerad“, „Der lachende Mann“ (Kongo-Müller)
Ehekredit
Einheitsschule, Begabtenförderung
Enteignung
Exquisitgeschäfte (Delikatgeschäfte, Intershop)
Fernsehfilm „Gewissen in Aufruhr“
FDGB-Ferienreisen, „Fritz Heckert“
Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft
GST („Gesellschaft für Sport und Technik“)
Halbstaatliche Betriebe
Hausgemeinschaften
Internationale Friedensfahrt
Jugendweihe
Junge Gemeinde
Kampfgruppen
Kindergärten
Kinder- und Jugendspartakiade
Kirche im Sozialismus
Klub der Volkssolidarität
Kollektiv der sozialistischen Arbeit
Leipziger Messe
Liebknecht-Luxemburg-Demo
Luther-Ehrung
Megabit-Chip und „Multi-Spektakel“-Kamera
Palast der Republik
Sandmännchen
Scheidungsrate
Selbstbau von Rationalisierungsmitteln
Semper-Oper Dresden (Schauspielhaus Berlin, Gewandhaus Leipzig)
Singebewegung („Festival des politischen Liedes“)
Solidaritätskonzerte
soziale Herkunft
Sozialpolitisches Programm
Stasi
Subbotnik
Systemautomatisierung
Westbesuch
Westklamotten
Westkontakte
Westfernsehen
Witze

„DDR-Stimmen“ - mit der Arbeit am „DDR-Echolot“ beginnen

I.
Anders als Kempowskis „Echolot“ soll „DDR-Stimmen“ (ein Projekt, das durchaus von Kempowskis Werk angeregt wurde) keine künstlerisch-pädagogische Collage sein, sondern Dokumentation.
Den Eindruck einer Dokumentation hervorzurufen und es nicht zu sein, halte ich für einen erheblichen Mangel des Kempowskischen Werks. Ihm ist der Vorwurf nicht zu ersparen, seinen künstlerischen Ansatz zu nutzen, um eine Geschichtsdarstellung zu geben, die bestimmte Erscheinungen hervorhebt und zugleich wesentliche Zusammenhänge ausspart.
Demgegenüber soll „DDR-Stimmen“ dokumentarisch umfassend und handwerklich solide sein.

II.
Als Dokumentation wissenschaftlichen Kriterien zu genügen, heißt nicht, in der Darstellung schwerfällig und schlecht konsumierbar zu sein. Mit modernen künstlerischen und pädagogischen Mitteln wird beste populärwissenschaftliche Qualität angestrebt.
Die Veröffentlichung soll nicht in Buchform, sondern als kostenlos zugängliche und interaktiv nutzbare Website erfolgen, die laufend erweitert und vervollständigt wird.

III.
Die Veröffentlichung soll von einer möglichst großen Zahl von AutorInnen getragen werden, die von einer kleinen Redaktionsgruppe koordiniert wird. Die Redaktionsgruppe soll unabhängig von Parteien, dem Staat und deren Institutionen sein und die Verantwortung für die grundsätzliche inhaltliche Ausrichtung des Projekts tragen. Die Verantwortung für die einzelenen Beiträge soll bei den AutorInnen verbleiben.
Die Redaktionsgruppe kann/soll (?) bei einer vorhandenen juristischen Person organisiert sein.

IV.
Die Redaktionsgruppe formuliert ihr Selbstverständnis und plant die Zielsetzung und den Rahmen der Website „DDR-Stimmen“. Diese Positionen werden zur öffentlichen Diskussion gestellt.
Die Redaktionsgruppe organisiert die Materialsammlung, -aufbereitung und -präsentation auf der Grundlage eines jederzeit öffentlich zugänglichen Kriterienkatalogs.
Zumindest anfangs plant und organisiert die Redaktionsgruppe auch die finanziellen, materiellen und personellen Kapazitäten des Projekts.

V.
Wie praktisch beginnen?
1. Einzelinitiative: Ideenskizze für Projekt „DDR-Stimmen“
2. Einzelinitiative: Suche von ein, zwei, drei Leuten, die sich ehrenamtlich engagieren wollen = Keim der Redaktionsgruppe
3. Prüfung, ob es Institutionen gibt, an die sich die vorläufige Redaktionsgruppe organisatorisch anschließt
4. Bestimmung und Sicherung eines Mindestmaßes von Voraussetzungen für den Beginn der praktischen Arbeit
5. Beginn der inhaltlichen Arbeit mit der
- Sichtung vorhandenen Materials und
- Sammlung weiteren Marterials (etwa durch Schaltung von Presseanzeigen) bzw. der Gewinnung von AutorInnen.
6. Erstpräsentation der Website

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