3 x Borat

Irgendwann hatte ich irgendwas über den Film gelesen, irgendwie interessant sei er oder so.
Hab’ nun also das Werk angeschaut und, was bei mir fast nie vorkommt, nach einer halben Stunde abgebrochen. Ich hatte derbe, schräge, originelle Komik erwartet. Nichts von alledem, nur Peinlichkeit.
Danach Gespräche mit jungen Leuten: „Das ist eben auch Humor. Ihr Alten habt keinen Sinn dafür.“
Zweiter Versuch. Nun also den ganzen Film angeschaut.
Ich nehme es wohl war, und es empört mich zugleich, dieses zielstrebige Bemühen, die Grenzen zu überschreiten, Kulturnormen zu demolieren. Chauviwitz, Pornowitz, Fäkalwitz und wieder von vorn. Wettlauf des Künstlers mit dem Konsumenten um’s Extrem.
"Ich kann mehr zeigen, als Du aushalten kannst."
"Ich kann mehr aushalten, als Du zeigen kannst."
Zurichtung des modernen Individuums, ALLES auszuhalten und - da es ja ein Fun-Individuum ist, alles TOLL zu finden.
Ich bin zu alt und nicht vergeßlich genug, um nicht diese Assoziation zu haben:
ALLES AUSZUHALTEN - das explizit brauchte der Faschismus, von Opfern wie Tätern.
Und ein dritter Aspekt, jenseits der pseudoaufklärerischen Fassade: Nur die Quasi-Intellektuellen werden sich dieser Herausforderung des Borat anpassen, die Anderen werden einfach Bestätigung ihres kolonialistischen, antiasiatischen Chauvinismus finden. Ich zweifle, daß der Film nicht auch darauf abzielt. Damit wir nicht so ahnungslos sind, wenn eines Tages die atlantische Freiheit auch in Kasachstan verteidigt werden muß.
Land: USA, 2006
Regie: Larry Charles
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Ken Davitian, Pamela Anderson
kranich05 - 2007/08/19 19:46
