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Dienstag, 14. August 2007

Hundstage 1

Seit gestern schippern Mrs. Tapir und Tochter auf der Ostsee herum
http://meinglashaus.de/2007/08/11/ade-streusandbuchse-ahoi-ostsee/
Arielle

Ich hüte Anka, die neunjährige Eurasierin, und das Haus. Deshalb und nicht wegen des Wetters habe ich jetzt Hundstage. Natürlich sende ich regelmäßig meine Schnellbriefe an Bord des Luxusliners.
Der erste:
„das wetter hier war ganz anders als es die überschrift vermuten läßt. lausig kalt. ich habe mir den luxus der sauna geleistet. auch der luxus, tief in die bloggerwelt zu tauchen, hat meinen tag gestern bestimmt.
ansonsten Anka.
Anka
ihr geht es gut; trotzdem gibt es deutliche und erstaunliche auffälligkeiten.
höchst beachtlich ist, daß sie heut morgen, wir haben es jetzt 8.30 uhr, nicht von allein "aus den Federn" kam. sie lag auf der seite, wie erschossen, und schlief auch noch weiter, als ich bereits aufgestanden war.
danach hat sie sich gnädig erhoben, ausgiebig gegähnt, mich mäßig lebhaft begrüßt und - sich auf den balkon zurückgezogen, wo sie nun ausschau hält.
sie hat gestern, außer den leckerli, nichts gefressen und auch kaum getrunken. ausscheidungen funktionierten normal. heute, denke ich, wird sie nicht mehr viel intus haben.
während der ausgänge und auch zwischendurch, war sie gestern sehr vergnügt und lebhaft und auch einigermaßen folgsam (vielleicht etwas weniger konzentriert).
jedesmal wenn wir gehen und kommen guckt sie genau nach der stelle, wo sonst immer Clio steht.
ihr verhalten gegenüber autos ist sehr verändert. sie geht energisch drauf zu, will sie beschnuppern und zwar alle, unabhängig von der farbe. auch auf geräusche von autos (aber nur mancher) reagiert sie lebhaft.
während ich all das schreibe, liegt sie ungerührt auf dem balkon. das ist neu. gestern war sie überall auf dem gelände, auf ihrem sitzplatz an der gartentür noch am wenigsten.
Ist der balkon ihr platz einer diffusen sehnsucht?
Ich bin gespannt, wann sie ihren normalen tageslauf beginnt. Ich gehe jetzt frühstücken und dann mal sehen.“

Kempowskis „Echolot“ (3) - Unmittelbarkeit

Kempowskis „Echolot“ macht mit mir etwas (Zutreffender sollte ich sagen: „Mit seiner Hilfe mache ich etwas,....“), was ich in sechs Jahrzehnten meiner mehr oder weniger systematischer Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus nicht erlebt habe.
Es führt mich in die Lebenswirklichkeit des deutschen Volkes während der Kriegszeit des Dritten Reichs.
Diese Hinführung ist äußerst komplex. Die Spannweite des dokumentierten Materials ist enorm. Allumfassend oder gar vollständig ist sie nicht. Es gibt wesentliche Aspekte, die fehlen oder unterrepräsentiert sind. Ich bin nicht schlechthin von einer Totalität überwältigt; wohl aber von einer überreichen Unmittelbarkeit.
Ich tauche ein in den Strudel dieses Volkslebens, werde von tausend Wassern ergriffen, spüre Strömungen und Riffe und Gischt. Ich wehre mich gegen die Atemlosigkeit, gewahre den Schlamm der Tiefen, Dunkelheit, dann wieder durchsichtige, im Licht sprühende Tropfen, Regenbogenfarben, auch seichte, faulig warme Stellen an Ufern. Ich greife hinein, bin selbst Teil des allseitigen Quellens. Ich bin durchnäßt und halte nichts in meinen Händen.
„Echolot“ baut die Brücke zur (gedanklichen) unmittelbaren Wiederaneignung einer einzigartigen Geschichtsepoche. Ich kenne keine bessere Brücke als diese.
Damit leistet „Echolot“ etwas (mit der erwähnten Einschränkung), das jeder wahrhaften gedanklichen Durchdringung vorausgehen muß. Bis jetzt hat unsere Reflexion des Geschehenen nicht die Tiefe erreicht, die eine Wiederholung (und sei dies nur eine geistige) ausschließt. Diese Aufgabe bleibt, und doch droht der scharfe Gegenwind der Geschichte, uns von ihr abzudrängen. Der naturgeschichtliche Prozeß will uns den Zugang verschütten.
Wie aber soll jemals das notwendige Tiefste gedacht werden, wenn das Lebendige fehlt?
Hier, in der dauerhaften Kontitution des Lebendigen als Ausgangspunkt, Durchgangspunkt alles weiteren, sehe ich den Platz dieses einzigartigen Kunstwerks.

Waffenexportwettlauf

Wie viele Andere, habe auch ich auf die wahnhaften Waffenexporte der USA in arabische Staaten aufmerksam gemacht: http://opablog.twoday.net/stories/4126017/main
Nicht weniger wahnhaft, wenn auch "bescheidener" sind die Geschäfte Frankreichs mit Lybien.

Bei aller Empörung steht es jedoch den Deutschen gut an, den eigenen Händlern in Sachen Tod auf die Finger zu schlagen.
Erfreulicherweise liefern dafür diese Blogs harte Fakten:
http://rib-ev.de/blog/?p=133 via
http://amazonas.the-dot.de/Exportoffensiven

"Was bei aller Empörung aus dem Blick gerät ist, dass es gerade Deutschland war, das in den vergangenen Jahren durch eine sehr liberale Rüstungsexportpraxis für die Region des Nahen und Mittleren Osten aufgefallen ist. So nahm schon bei der Reise des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder auf die arabische Halbinsel im Jahr 2005 die Frage nach möglichen Waffenlieferungen durch Deutschland einen breiten Raum ein."
"Seit Jahren ist der Nahe Osten die größte Empfängerregion von deutschen Rüstungsexporten außerhalb von EU und NATO. Während die Ausfuhren dorthin im Jahr 2001 noch 157 Millionen Euro betrugen, lagen sie 2002 bereits bei 243 Millionen Euro, 2003 bei 279 Millionen Euro und 2004 bei 226 Millionen Euro (vgl. Rüstungsexport-Bericht der GKKE von 2005, hier S. 81)."

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