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Freitag, 3. August 2007

german rap

"Selbst gemacht"
http://www.diebandbreite.de/
via http://www.zweitausendeins.de/writersblog/broeckers/ vom 31.7.2007

"Wenn Chronos schläft" von Peter Hacks

Wenn Chronos schläft

Wenn Chronos schläft, den Arm zum Halt gebogen
Der bärtgen Wange und das faltige Lid
Geruhsam übers satte Aug gezogen,
Geschieht im All, daß nichts in ihm geschieht.
Wir sehns nicht gern. Wir wissen ja, der Mann
Setzt einmal seinen Weg fort. Aber wann?

Kein Sieg, kein Fehlschlag für mein Wesen bürgend.
Kein Hochgefühl. Ich werd mir selber blässer.
Die Arbeit ist nicht, was sie war. Im Nirgend
Für Niemanden. Das macht den Stil nicht besser.
Ich ahne das Geripp in meinem Leibe,
Als gings mich an, und treib, was ich nicht treibe.

Es gibt kein Jetzt und, scheint es, kein Nachher.
Von allen Altern dünkt uns dies das leerste.
Verdammter Stillestand. Kämpfen ist schwer,
Sterben ist schwerer. Warten ist das Schwerste.
Seit Jahrmillionen schleppt er sich zum Ziel,
der Weltverlauf. Warum sind zehn so viel?



Peter Hacks, "Hundert Gedichte", Berlin 2003

Kempowskis Pfeife

Um Walter Kempowski, den strammen Antikommunisten und erklärten Christen habe ich lange Zeit einen Bogen gemacht. Einmal aber, das war bei meiner intensiven Tagebuchschreiberei klar, würde ich an „Mister Archiv“, dem Zeitdokumentensammler und Verfasser sogar eines „Kollektiven Tagebuchs der Deutschen“, nicht vorbei kommen.
Jetzt, anläßlich seiner Ausstellung „Lebensläufe“ in der Akademie der Künste Berlin, war es soweit.

Wer das Akademiegebäude am Pariser Platz betritt, wird sogleich von künstlerischer Freiheit bedrängt. Der Fußboden präsentiert sich als schiefe Ebene und will erklommen sein.
Danach folge ich moderner Ausstellungsgestaltung. Sie hat die Form von Kabuffs aus Holzwerkstoffplatten, wie sie der Häuslebauer schätzt. In der Kempowski-Ausstellung stellen sie mehr oder weniger gelungen einen Bezug her zu seiner Zuchthauszeit. Auf der Documenta, wenig später, treffe ich sie wieder. Ohne Bezug.

Dann ein großer Raum, in dem viele Materialien zu Kempowskis Romanen präsentiert werden. Und Devotionalien die Menge. „Sie lassen alle mal was liegen, die Großen dieser Welt.“ Der Gürtel von Kempowskis Morgenmantel war nicht dabei. Dafür seine Pfeife. Prompt habe ich sie abgelichtet.

Pfeife

Fotografieren verboten! Die nette Aufsicht hat ein Auge zugedrückt. Beschwingt in den nächsten Raum.

Darin war NICHTS.
Außer einer Lesestimme des „Echolot“.
Hörbücher machen mich in kürzester Zeit schläfrig. Und für das „Echolot“ brauche ich sowieso Zeit. Schnell weiter.

Im letzten Raum mache ich Bekanntschaft mit dem Kempowski-Archiv.
Es gibt viel tausend Bilddokumente. Ich sehe ein Sammelsurium.
Es gibt viele tausend persönliche Tagebücher, geordnet nach einigen allgemeinen Kriterien. Sie sind der eigentliche Schatz des Archivars. Wie er erschlossen und präsentiert werden soll, bleibt unklar.
Aber mein Interesse ist geweckt.

Friedrich Hebbel

"In meinen Augen ist die Journalistik eine große Nationalvergiftung. Die Folgen derselben werden schrecklich sein, denn sie wird, je mehr sie sich verbreitet, umso schlechter und ist schon jetzt fast ganz entsittlicht."

(Tagebuch vom 30. November 1846)

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