"Den Kameraden" von A. Puschkin

Den Kameraden
Wir scheiden von den Kerkerjahren
Nun bald, das Dach der Einsamkeit,
Das Dorf, den Wald, den Park des Zaren
Verlassen wir für alle Zeit.
Die Trennung wartet an der Schwelle,
Uns ruft der ferne Lärm der Welt.
Die Straße ruft, der Weg ins Helle,
Von Hoffnung ist die Brust geschwellt.
Der eine sieht sich schon als Held
Im Krieg den Reitersäbel schwingen,
Stülpt sich den Tschako auf den Kopf,
Zum Schweigen den Verstand zu bringen,
Doch frieren wird der arme Tropf
Im Morgengraun bei der Parade,
Ins Wachhaus sich zu wärmen gehn.
Dumm dünkt ihn all das dann und fade.
Ein andrer mag sich heut schon sehn
Gerühmt, geehrt in Amt und Würden.
Doch um zu nehmen alle Hürden,
Wird er zuvor mißachtet stehn
Als kleiner Schelm vor großen Schelmen.
Nur mir, der's kommen läßt, wie's kommt,
Dem Muße nur zum Leben frommt,
Der sich nichts aus Ulanenhelmen,
Aus Posten, Paragraphen macht,
Nicht auf den Hauptmannsrang bedacht,
Auf Kreuze, Orden, goldne Litze,
Noch Titel eines Assesoren,
Weil er zum Kriechen nicht geboren -
Mir laßt die rote Phrygiermütze,
Solang ich Schlimmes nicht beging,
Wofür man mir den Helm aufzwingt,
Solang ich noch nicht muß entsagen
Der Muße und als freier Mann
Noch ungestraft an Julitagen
Mit offner Weste gehen kann.
Gedicht und Zeichnung von Alexander Puschkin
Übertragung von Martin Remane'
Aus "Poesiealbum" 169, Verlag Neues Leben Berlin, 1981
mehr: http://tageundjahre.de/archives/103
und: http://opablog.twoday.net/stories/2875404/
kranich05 - 2007/06/29 11:28