Die Strecke Berlin-Jena und zurück muß es mir ja wirklich angetan haben. Eben noch mit dem Fahrrad die Autobahn unterquerend, rausche ich jetzt mit dem Clio nach Berlin zurück, einem wichtigen Familienfest entgegen.
Neunzehn Tage war ich unterwegs.
Im Durchschnitt bin ich 30 km pro Tag gefahren, macht in der Summe knapp 600 km.
Meine Reiseeinteilung - im Wechsel 3 Tage fahren, 2 Tage Station in einer größeren Stadt - hat sich richtig gut bewährt.
Im Durchschnitt habe ich ausgegeben pro Tag knapp 40 €, macht in der Summe etwa 750 €.
Hauptposten: Gaststättenbesuche mit gut 250 €, Unterkünfte für reichlich 200 €, Literatur/Kultur etwa 100 €. Internet schlug übrigens mit 20 € zu Buche.
Ich hab mich die ganze Zeit und danach ausgezeichnet gefühlt. Also voller Erfolg, denke ich, unter dem Gesichtspunkt
meiner (erweiterten) Rekonvaleszenz und der laufenden körperlichen Übung eines KHK-Geschädigten. (KHK- steht für „Koronare Herzkrankheit“.)
Die Belastung muß trotzdem hoch gewesen sein. Das spürte ich daran, daß ich am Ende nicht den Wunsch gehabt hätte, die Fahrt auf vier, fünf Wochen auszudehnen. Und ich holte in der ersten Zeit nach der Fahrt viel Schlaf nach.
Meine Tabletten habe ich unterwegs natürlich immer brav eingenommen, ein einziges Mal die Abendration vergessen.
Den Diätplan (Cholesterin) hab ich, im Bewußtsein, ständig eine Menge zu leisten, nicht immer streng eingehalten, besonders was Kuchen betrifft. Leugnen wäre hier zwecklos.
Bei aller Beachtung körperlicher Momente: Das Wichtigste war der geistig-sinnliche Gewinn. So viel neue Eindrücke von Land und Leuten, so viel Erlebtes ist dazu gekommen. Viele geografische, kulturelle und andere Abstraktionen haben sich mir verbildlicht, vergegenwärtigt. Mein Kopf ist wie durchgepustet und zugleich angefüllt.
Ich hab es geschafft, ohne den Druck eines (körperlichen) Leistungsziels zu fahren. Trotzdem haben Zielorientierungen immer eine Rolle gespielt, manchmal eine zu große. Sich ganz dem Weg hinzugeben, ist mir nur manchmal gelungen. Dieses Problem wird wohl immer Kompromisse erfordern, weil die Wege sich nun einmal unendlich verzweigen.
Aber ich bin auch erfreut über Verzweigungen, die ich entdeckt habe, ohne ihnen (jetzt) gefolgt zu sein.
Ich war frei in meiner Fahrt, und doch immer in Bindung, von Klausi und seiner Mama aus ihrem Glashaus verfolgt.
http://meinglashaus.de/2007/06/16/klausis-kommentar-nicht-ohne-meinen-papa/
Das war ein schönes Gefühl;
wie auch die Rückkehr ins vertraute Haus und den geliebten Garten;
wie auch das Denken an neue Erkundungen.
Manche Entdeckung findet ja eines Tages einen Platz im eigenen Lebensraum.
