4.6. 20 Uhr
Die Entdeckung des Tages war Nauen. Bisher kannte ich Nauen nur als zugigen Bahnsteig beim Warten auf einen Anschlußzug. Jetzt lernte ich ein Städtchen mit intakter mittelalterlicher Anlage kennen, mehrere Straßen, die ringförmig um ein Zentrum führen, verbunden durch gefällig geschwungene Nebenstraßen, schöne kleine Plätze und alles belebt, nicht zuletzt von flotten Nauenerinnen.
Wie immer, wenn ich naturnahen Urlaub mache, zieht es mich in alle erreichbaren Buchhandlungen. Hier fand ich eine passende Radwanderkarte vom östlichen Havelland. Darauf ist eingezeichnet der Kapellberg nahe Ketzin, auf dem jetzt mein Zelt steht. In Sichtweite befindet sich die Wüstung des Dorfes Knoblauch, das vor 40 Jahren noch existierte. Was es damit auf sich hat, kann man auf der Website des Heimatvereins Ketzin nachlesen. http://www.heimatverein-ketzin.de/ Das hat Herr Augustiniak hochinteressant beschrieben.
Auf meiner neuen Karte ist am Kapellberg eine Hütte eingezeichnet. Vor Jahren hatte ich einmal bei einer Rennsteigwanderung eine Wanderhütte schätzen gelernt. Sie war zwar verschlossen, offensichtlich für den Winter vorgesehen, ihre breit überdachte Holzveranda bot dennoch einen wunderbar anheimelnden Schutz bei feuchtemWetter.
Die Hütte am Kapellberg sieht so aus.

Spaß muß sein! (Übrigens, alle Fotos, die ich hier von unterwegs poste, sind nicht bearbeitet.)
Zu allem Überdruß war noch nicht einmal der dazugehöge Kirschbaum erntereif.
Spaß verstand man, glaube ich, auch in der erwähnten Buchhandlung. Jedenfalls guckte die Dame hinterm Tresen ganz vergnügt, als ich diese Auslage fotografierte.

Das langsame Reisen bekommt mir gut. Ich spüre, wie in mir eine ganz andere Offenheit wächst. Da ich keinem Ziel zustrebe, habe ich Zeit für alles. Fast werde ich ein Dazugehörender. Fast nehme ich alles in Besitz.
Nur fast. Manchmal ist die Zeit, die ich mir lasse, genau um die entscheidenden Sekunden zu kurz. So bei diesem Foto.

Die Muße für den Blick auf die (noch) verkannte Schönheit in der zweiten Reihe habe ich mir genommen. Das Foto war fertig, die Kamera verstaut, mir aber entgangen, daß sich eine "heiße Blondine" näherte, eine flotte Mittdreißigerin in enger schwarzer Hose und hinreißendem roten Pullover. Meine fotografischen Bemühungen lächelnd quittierend, ging sie zu dem Wagen, den man im Bild sieht. Die Herrin des künftig herausgeputzten Hauses dort? Davor dann ein Schild: "Privatgrundstück! Betreten verboten!"? Sie hätte so gut ins Bild gepaßt.
Ich will nicht unbedacht über schöne alte Bauten räsonieren, die dem Verfall preisgegeben sind. Zu gut sind mir noch die innerstädtischen Ruinen aus DDR-Zeiten in Erinnerung. Grübeln läßt mich aber doch, welche Art Bauten verkommen und welche gerettet werden. Und welche protzig neu hingestellt werden.


Darauf ist mal zurück zu kommen.
Ein Abstecher nach Ketzin. Am Stadtrand eine Baumschule. Ich liebe Baumschulen und fühlte mich sogleich heimisch. Ketzin liegt inmitten einer Havel-Paradies-Landschaft. Ich habe spontan die Idee nach Brandenburg an der Havel mit dem Schiff zu fahren. Leider wird daraus nichts. Es fährt nur sonntags.
Am Ortsausgang eine Kriegsgräberstätte. 180 namentlich bekannte und 12 unbekannte Tote liegen hier bestattet, fast alle männlich, nur deutsche Namen. Todesdatum der weitaus meisten ist der 5. Mai 1945 - verheizt in den allerletzten Kriegstagen, für ein paar Lebensstunden der Kreatur Hitler. Sechzigjährige sind darunter, aber auch Fünfzehnjährige. Einer, Manfred Köhler, starb an seinem 18. Geburtstag.
Ein schmaler, ernst stimmender Weg führt zum Friehof.

Der Ort der Trauer wirkt schweigsam. "Der Himmel hats gegeben. Der Himmel hats genommen." - scheint ratlos-gleichmütig darüber zu stehn. Nichts verweist auf die Verstrickungen, denen die zu Tode Gekommenen in ihrem sozialen Dasein unterlagen, nichts auf Verantwortliche und Verantwortung oder gar Schuld und Sühne. Ich bin schon froh, daß die Wehrlosen nicht noch zu Patrioten aufgeblasen werden, zu ewigen Kämpfern in heiligen Kriegen, wie ich es kürzlich an anderer Stelle in diesem kleinen Land gesehen habe http://opablog.twoday.net/stories/3307468/
Wie immer, wenn ich naturnahen Urlaub mache, zieht es mich in alle erreichbaren Buchhandlungen. Hier fand ich eine passende Radwanderkarte vom östlichen Havelland. Darauf ist eingezeichnet der Kapellberg nahe Ketzin, auf dem jetzt mein Zelt steht. In Sichtweite befindet sich die Wüstung des Dorfes Knoblauch, das vor 40 Jahren noch existierte. Was es damit auf sich hat, kann man auf der Website des Heimatvereins Ketzin nachlesen. http://www.heimatverein-ketzin.de/ Das hat Herr Augustiniak hochinteressant beschrieben.
Auf meiner neuen Karte ist am Kapellberg eine Hütte eingezeichnet. Vor Jahren hatte ich einmal bei einer Rennsteigwanderung eine Wanderhütte schätzen gelernt. Sie war zwar verschlossen, offensichtlich für den Winter vorgesehen, ihre breit überdachte Holzveranda bot dennoch einen wunderbar anheimelnden Schutz bei feuchtemWetter.
Die Hütte am Kapellberg sieht so aus.

Spaß muß sein! (Übrigens, alle Fotos, die ich hier von unterwegs poste, sind nicht bearbeitet.)
Zu allem Überdruß war noch nicht einmal der dazugehöge Kirschbaum erntereif.
Spaß verstand man, glaube ich, auch in der erwähnten Buchhandlung. Jedenfalls guckte die Dame hinterm Tresen ganz vergnügt, als ich diese Auslage fotografierte.

Das langsame Reisen bekommt mir gut. Ich spüre, wie in mir eine ganz andere Offenheit wächst. Da ich keinem Ziel zustrebe, habe ich Zeit für alles. Fast werde ich ein Dazugehörender. Fast nehme ich alles in Besitz.
Nur fast. Manchmal ist die Zeit, die ich mir lasse, genau um die entscheidenden Sekunden zu kurz. So bei diesem Foto.

Die Muße für den Blick auf die (noch) verkannte Schönheit in der zweiten Reihe habe ich mir genommen. Das Foto war fertig, die Kamera verstaut, mir aber entgangen, daß sich eine "heiße Blondine" näherte, eine flotte Mittdreißigerin in enger schwarzer Hose und hinreißendem roten Pullover. Meine fotografischen Bemühungen lächelnd quittierend, ging sie zu dem Wagen, den man im Bild sieht. Die Herrin des künftig herausgeputzten Hauses dort? Davor dann ein Schild: "Privatgrundstück! Betreten verboten!"? Sie hätte so gut ins Bild gepaßt.
Ich will nicht unbedacht über schöne alte Bauten räsonieren, die dem Verfall preisgegeben sind. Zu gut sind mir noch die innerstädtischen Ruinen aus DDR-Zeiten in Erinnerung. Grübeln läßt mich aber doch, welche Art Bauten verkommen und welche gerettet werden. Und welche protzig neu hingestellt werden.


Darauf ist mal zurück zu kommen.
Ein Abstecher nach Ketzin. Am Stadtrand eine Baumschule. Ich liebe Baumschulen und fühlte mich sogleich heimisch. Ketzin liegt inmitten einer Havel-Paradies-Landschaft. Ich habe spontan die Idee nach Brandenburg an der Havel mit dem Schiff zu fahren. Leider wird daraus nichts. Es fährt nur sonntags.
Am Ortsausgang eine Kriegsgräberstätte. 180 namentlich bekannte und 12 unbekannte Tote liegen hier bestattet, fast alle männlich, nur deutsche Namen. Todesdatum der weitaus meisten ist der 5. Mai 1945 - verheizt in den allerletzten Kriegstagen, für ein paar Lebensstunden der Kreatur Hitler. Sechzigjährige sind darunter, aber auch Fünfzehnjährige. Einer, Manfred Köhler, starb an seinem 18. Geburtstag.
Ein schmaler, ernst stimmender Weg führt zum Friehof.

Der Ort der Trauer wirkt schweigsam. "Der Himmel hats gegeben. Der Himmel hats genommen." - scheint ratlos-gleichmütig darüber zu stehn. Nichts verweist auf die Verstrickungen, denen die zu Tode Gekommenen in ihrem sozialen Dasein unterlagen, nichts auf Verantwortliche und Verantwortung oder gar Schuld und Sühne. Ich bin schon froh, daß die Wehrlosen nicht noch zu Patrioten aufgeblasen werden, zu ewigen Kämpfern in heiligen Kriegen, wie ich es kürzlich an anderer Stelle in diesem kleinen Land gesehen habe http://opablog.twoday.net/stories/3307468/
kranich05 - 2007/06/05 19:48