Tagebuch, nicht Blog
Blogs werden gern als Webtagebücher bezeichnet. Und wirklich, mit ihrer regelmäßigen, oft sogar täglichen Aktualisierung scheinen sie genau das zu erfüllen, was ein Tagebuch im Wortsinn ausmacht. Aber Tagebücher sind natürlich viel älter als Weblogs.
Blogs und Tagebücher unterscheiden sich meiner Ansicht nach grundsätzlich hinsichtlich ihrer Öffentlichkeit.
Blogs werden immer für die Öffentlichkeit geschrieben, Kommentare sind fast immer willkommen. Blogs zielen immer auf's Schaufenster, im besten Fall sind sie die persönliche Bühne, auf der sich der Verfasser als Autor, Regisseur, Darsteller, Techniker, kurz als Allrounder seinem Publikum präsentiert.
Mit seinem Blog will der Verfasser wahrgenommen werden, oft wohl auch Einfluß ausüben. So ermächtigt er sich mit seinem Blog.
Interessant ist, daß auch die herkömmlichen Tagebücher nicht zuletzt „Ermächtigungsinstrumente“ sind. Der Schreiber/ die Schreiberin schafft sich einen Freiraum (gegenüber Anderen aber auch sich selbst gegenüber), in dem er/sie Flüchtiges festhalten, prüfen, analysieren kann, in dem er/sie spielt und oft auch gewinnt. Er ergießt sich in eine (vorerst) unbewertete „Laberstruktur“, zugleich Chronologie der täglichen Tretmühle als auch ihr Reflexionslaboratorium und bereitet damit (oftmals über schier endlose Wiederholungen) einen neuen Schritt seines „aufrechten Ganges“ vor.
Gewiß, dieser intime, „echte“ Ansatz des Tagebuchschreibens wird allzu oft, zumal bei Schreibenden mit literarischen Ansprüchen, mit der mehr oder weniger versteckten Absicht einer späteren Veröffentlichung unterlaufen. Im schlechten Fall entstehen Tagebücher, die „so tun, als ob“, die zwar Intimität behaupten, doch immer wieder ihren Seitenblick auf den geneigten Leser (der vielleicht sogar ein namhafter ist) verraten.
Mir machen solche Kompositionen aus Fisch und Fleisch nur mäßiges Vergnügen.
Aber es ist auch nicht selten, daß das streng begonnene, intime Tagebuch über seinen Ein-Personen-Raum hinaustreibt. Als Chronologie, als Erkenntnisschatz, als psychisches Modell, in vielerlei Richtung kann es zu exemplarischer Bedeutung wachsen.
Wird es schließlich veröffentlicht, kommt es in aller Regel nicht ohne Bearbeitung aus und muß sich, bei aller editorischen Sorgfalt, wohl oder übel im Feld der Chancen und Gefahren von Dichtung und Wahrheit zurechtfinden.
Mir geht es jedenfalls so, nun da ich angefangen habe, meine alten Tagebücher abzuschreiben und ins Web zu stellen.
Fleißig besuchen ;-): http://tageundjahre.de/
Blogs und Tagebücher unterscheiden sich meiner Ansicht nach grundsätzlich hinsichtlich ihrer Öffentlichkeit.
Blogs werden immer für die Öffentlichkeit geschrieben, Kommentare sind fast immer willkommen. Blogs zielen immer auf's Schaufenster, im besten Fall sind sie die persönliche Bühne, auf der sich der Verfasser als Autor, Regisseur, Darsteller, Techniker, kurz als Allrounder seinem Publikum präsentiert.
Mit seinem Blog will der Verfasser wahrgenommen werden, oft wohl auch Einfluß ausüben. So ermächtigt er sich mit seinem Blog.
Interessant ist, daß auch die herkömmlichen Tagebücher nicht zuletzt „Ermächtigungsinstrumente“ sind. Der Schreiber/ die Schreiberin schafft sich einen Freiraum (gegenüber Anderen aber auch sich selbst gegenüber), in dem er/sie Flüchtiges festhalten, prüfen, analysieren kann, in dem er/sie spielt und oft auch gewinnt. Er ergießt sich in eine (vorerst) unbewertete „Laberstruktur“, zugleich Chronologie der täglichen Tretmühle als auch ihr Reflexionslaboratorium und bereitet damit (oftmals über schier endlose Wiederholungen) einen neuen Schritt seines „aufrechten Ganges“ vor.
Gewiß, dieser intime, „echte“ Ansatz des Tagebuchschreibens wird allzu oft, zumal bei Schreibenden mit literarischen Ansprüchen, mit der mehr oder weniger versteckten Absicht einer späteren Veröffentlichung unterlaufen. Im schlechten Fall entstehen Tagebücher, die „so tun, als ob“, die zwar Intimität behaupten, doch immer wieder ihren Seitenblick auf den geneigten Leser (der vielleicht sogar ein namhafter ist) verraten.
Mir machen solche Kompositionen aus Fisch und Fleisch nur mäßiges Vergnügen.
Aber es ist auch nicht selten, daß das streng begonnene, intime Tagebuch über seinen Ein-Personen-Raum hinaustreibt. Als Chronologie, als Erkenntnisschatz, als psychisches Modell, in vielerlei Richtung kann es zu exemplarischer Bedeutung wachsen.
Wird es schließlich veröffentlicht, kommt es in aller Regel nicht ohne Bearbeitung aus und muß sich, bei aller editorischen Sorgfalt, wohl oder übel im Feld der Chancen und Gefahren von Dichtung und Wahrheit zurechtfinden.
Mir geht es jedenfalls so, nun da ich angefangen habe, meine alten Tagebücher abzuschreiben und ins Web zu stellen.
Fleißig besuchen ;-): http://tageundjahre.de/
kranich05 - 2007/04/29 21:28
Hopsicker Daniel, "Barry und die Boys" 