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Freitag, 27. April 2007

Holger Burner

Linker Rapper aus Hamburg.

holger-burner

Auf dem Bild aber in Berlin, im September 2006 bei dem Schülerstreik. Vor paar Tagen war ja gerade wieder Schülerstreik.

Holger Burner rappt mit diesem "Standard":
Unser-Standard (flv, 7,159 KB)

Aufmerksam wurde ich via http://www.schockwellenreiter.de/

5 Jahre aus dem Leben eines Anderen

Murat-Kurnaz

Das Leben der Anderen... ein Briefentwurf

FGHvD

„Ich danke Arnold Schwarzenegger für die Lektion, dass ich die Worte ,Ich kann nicht’ aus meinem Vokabular streichen sollte.“

(FGHvD in seinen Dankesworten für den Oscar.)








Muehe-guckt









Liebe...,

ziemlich viel im Kopf herum geht mir "Das Leben der Anderen". Dies Filmerlebnis ist ein Stachel. Letzten Endes finde ich den Film ziemlich schlimm. Er ist ein besonders schöner Stein im Mosaik "Delegitimierung der DDR". Ich bin mir aber im Klaren darüber, daß es nicht möglich ist, ihn einfach abzutun.

Im Unterschied zu manch anderen, wie z. B. dem Film über die NVA, den wir gemeinsam mit M. gesehen haben (Wie war noch gleich sein Titel?) oder selbst dem hochgelobten "Goodby Lenin", die sich mehr oder weniger selbst erledigten, ist "Das Leben..." eine erstaunlich gelungene Verschmelzung von Wahrheiten, Fälschungen und Schein. Er verlangt also differenzierte Auseinandersetzung. Ich versuche mich da ranzutasten:

Auffällig ist ein vordergründig, dabei aber zugleich diszipliniert, also nicht aufdringlich, auf Emotion zielender Einsatz der künstlerischen Mittel. Das beginnt sofort mit der Titelmelodie, wird während des ganzen Films von der Musik getragen, ist aber auch ständig präsent in der Ruhe der Kamera- und der Folgerichtigkeit der Schnittführung, bis hin zu der oftmals warmen Farbigkeit der ganzen Szenerie oder auch ihrer oft geradezu beklemmend dicht konstruierten Sachlíchkeit.

Auf dieser "emotionalen Grundierung" spielen Klischees, Bilder, die exakt das bestätigen bzw. abrufen, was Jeder (aus den Medien) "genau kennt", eine enorme Rolle (die Gesichter der Funktionäre, der Stasi-Mannen, der Bürgerrechtler). Nur selten wird in der Benutzung solcher ideologisch-bildhaften Klischees mal allzu dick aufgetragen (wie z. B. die Nachbarin, die am Schlüsselloch "erwischt" wurde. Sie verhält sich, als wäre sie gerade an zwei Jahren Bautzen vorbeigeschrammt.)
Aber wer sagt "allzu dick aufgetragen"? Jeder Bundesdeutsche hat im Hinterkopf "die zwei deutschen Diktaturen", und er weiß, daß man für nichts oder fast nichts ins KZ kommen konnte..., folglich in "der zweiten Diktatur" genauso leicht nach Bautzen.
Man könnte es auch drastischer (aber auch allzu undifferenziert) ausdrücken:
Die antikommunistisch-ideologischen Fiktionen über die DDR, die in 40 Jahren ihrer Existenz und in 16 Jahren seit dem Ende ihrer Existenz produziert wurden, sind die zugleich beinhart und subtil gesetzten Ausgangspunkt des Films.

Das alles ist, glaube ich, handwerklich ausgezeichnet gemacht. Vieles lebt von der Glaubwürdigkeit des Wiesler-Mühe-Gesichts.

So konditioniert, nimmt der Betrachter Brüche, Schwachstellen der Geschichte kaum wahr:
Wiesler, der eben noch als Stasi-Hardliner (sozusagen aus freien Stücken) die Beobachtung des systemtreuen Dramatikers für nichts und wieder nichts empfiehlt, ist nur Tage später innerer Emigrant. Welche Motivation reicht uns der Regisseur für diese Wandlung? Der Minister hat dem Schriftsteller die Freundin ausgespannt - ich finde, etwas dürftig.
Der Zuschauer schluckt diese Erklärung, weil er die Fiesigkeit des Ministers und die Qual des Opfers mit ansehen durfte. Aber Hauptmann Wiesler?

Eine zweite, noch eklatantere Bruchstelle: Wiesler deckt aus heiterem Himmel eine geplante Menschenschleusung aus des Dramatikers Wohnung, die er im Rahmen seiner Überwachungstätigkeit mitkriegt. Inzwischen fiebern wir so mit unserem Helden bei seiner Lösung von der Stasi mit, daß der Regisseur sich jede Motivierung dieses mit DDR- und Stasi-Maßstäben ungeheuerlichen Schrittes sparen kann.

Der Film hat viele andere Unwirklichkeiten. Anders als die genannten Verletzungen der Psycho-Logik der Figuren, handelt es sich bei ihnen mehr um Verzerrungen der DDR-Wirklichkeit.

Auf diese Wirklichkeit kann es zweifellos verschiedene Sichtweisen geben.

Die Grundkonstellation - Mächtiger nutzt seine Macht erpresserisch zu seinem Vorteil - hat es natürlich gegeben (gibt es überall und immer). Hat der Regisseur diese Grundkonstellation bedient, um Abneigung und Empörung gegen die DDR zu schüren ("Delegitimierung", wie es einst Kinkel von der Bundersjustiz verlangte) oder hat er eine konkrete soziale und historische Situation gestaltet und dem Betrachter menschlich erschlossen?
Ich zweifle an Letzterem. Nicht nur, daß kein Minister zum Zweck seiner sexuellen Befriedigung mal schnell eine Stasi-Verfolgung installieren konnte, dies ganze Verfahren war auch völlig unnötig und sogar eher hinderlich, um das angestrebte Ziel bequem und ohne unnötiges Aufsehen zu erreichen.
Der Minister brauchte das ausgedachte Szenarium zur Regelung seines Sexuallebens nicht, der Filmemacher, um einmal mehr die DDR zu besiegen, sehr wohl.

Graf Henkel von Donnersmark ist ja wohl Wessi reinsten Geblüts. Es wäre interessant, darüber nachzudenken, wie aus solcher Perspektive eine tatsächliche Entdeckung des "Lebens der Anderen" aussehen könnte.

Hier, liebe...., mach ich erstmal Pause meiner Betrachtung.
Das soll aber keineswegs schon der Schluß sein.

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