REHA-Patient
9.2.2007
Ich bleibe leider von einer unangenehmen Überraschung nicht verschont.
Alles hatte sich so gut angelassen. Ich fühlte mich körperlich immer besser. Und die meßbaren Leistungen bestätigten dieses Gefühl. Auf dem Fahrradergometer durfte ich schließlich die Belatungsgrenze von 100 Watt überschreiten. Beim Schwimmen merkte ich täglich, wie der Brustkorb freier wurde und die Kräfte zurückkehrten. Die Blutfett- und Cholesterin- und Blutzuckerwerte wurden vorbildlich, der Blutdruck in der Norm. Im Belastungs-EKG ging es bis 150 Watt, d. h. in die Nähe meiner Normalwerte vor der Krankheit.
Doch das Belastungs-EKG sorgte für die Ernüchterung. Es weist eine zu geringe Sauerstoffversorgung des Herzens bei Belastung aus.
An dem Befund ist nicht zu zweifeln oder? Seine Ursache liegt vorerst im Dunkeln. Funktionieren die Bypässe/ein Bypass nicht richtig?
Ich habe keinen Grund, an der Kompetenz der Oberärztin hier in der REHA-Klinik zu zweifeln. Sie veranlaßt, daß ich, am 11.2. aus der REHA-Klinik entlassen, drei Tage später wieder ins Jenaer Klinikum einziehen werde, zu einer erneuten Herzkathederuntersuchung. Was wird die bringen?
Ich gebe zu, daß diese Wendung, die ich gestern schlucken mußte, meiner Moral erstmal einen Knacks versetzt hat.
10.2.2007
Bisher war mein innerer Auftrag klar: Werde so schnell es geht und so gut es geht gesund und bereite Dich darauf vor, danach mit Verstand und Konsequenz möglichst "herzgesund" zu leben, d.h. möglichst so zu leben, daß die Koronare Herzerkrankung zum Stillstand kommt.
Was aber ist jetzt mein Auftrag?
Eigentlich kann ich bis zum 14.2. nur warten. Aber wie soll ich "nur warten"?
Ich ertappe mich weiter bei kleinen Aktivitäten der Vorbereitung auf das Leben nach der Klinik.
Mit viel Muße sichte und vergleiche ich, welches Angebot die verschiedenen Kaufhallen an Diätlebensmitteln haben - cholesterinfreie Margarine, Bratfette, Öle, Süßstoff, Käsesorten, Wurstwaren oder Schinken. Welchen Seefisch bieten sie an? Gibt es gar cholesterinarmes Trockenei?
Bei einem Bäcker kaufe ich echten Bäckersauerteig, für's eigene Vollkornbrot, obwohl ich noch gar nicht einschätzen kann, ob ich mit dem Kneten zurechtkomme.
Die ersten Sämereien sind im Angebot, und ich kann nicht widerstehen, mir Endivie, Andenbeere und eine mir unbekannte Tomatensorte "Idyll" zu kaufen. Sind das Anzeichen von Bewußtseinsspaltung?
Erste Erwägungen, was nach der neuen Kathederuntersuchung sein wird, lassen sich nicht verdrängen.
Die schwächste Hoffnung: Andere Ärzte sehen die Aussage des Belastungs-EKG nicht so dramatisch...
Größte Hoffnung: An einem Bypass gibt es eine kleine Engstelle ("eine schiefe Naht"), die aufgeweitet werden kann. Ich würde einen Stent bekommen. Es wäre ein relativ schonender Eingriff...
Schlimmste Befürchtung: Ein Bypass ist komplett ausgefallen. (Daß mehrere ausgefallen sein könnten, stelle ich mir gar nicht erst vor). Damit bliebe, auch wenn der 2. und 3. Bypass toll funktionierten, ein Infarktrisiko. Und also eine erneute Operation? Und diese möglichst schnell (solange das Brustbein noch nicht fest verwachsen ist)? Oder übers Jahr?
Was rät mir meine innere Stimme?
Nichts. Sie schweigt. Sie ist verwirrt.
Das ist ein seltener Zustand bei mir, nicht schön.
Ich bleibe leider von einer unangenehmen Überraschung nicht verschont.
Alles hatte sich so gut angelassen. Ich fühlte mich körperlich immer besser. Und die meßbaren Leistungen bestätigten dieses Gefühl. Auf dem Fahrradergometer durfte ich schließlich die Belatungsgrenze von 100 Watt überschreiten. Beim Schwimmen merkte ich täglich, wie der Brustkorb freier wurde und die Kräfte zurückkehrten. Die Blutfett- und Cholesterin- und Blutzuckerwerte wurden vorbildlich, der Blutdruck in der Norm. Im Belastungs-EKG ging es bis 150 Watt, d. h. in die Nähe meiner Normalwerte vor der Krankheit.
Doch das Belastungs-EKG sorgte für die Ernüchterung. Es weist eine zu geringe Sauerstoffversorgung des Herzens bei Belastung aus.
An dem Befund ist nicht zu zweifeln oder? Seine Ursache liegt vorerst im Dunkeln. Funktionieren die Bypässe/ein Bypass nicht richtig?
Ich habe keinen Grund, an der Kompetenz der Oberärztin hier in der REHA-Klinik zu zweifeln. Sie veranlaßt, daß ich, am 11.2. aus der REHA-Klinik entlassen, drei Tage später wieder ins Jenaer Klinikum einziehen werde, zu einer erneuten Herzkathederuntersuchung. Was wird die bringen?
Ich gebe zu, daß diese Wendung, die ich gestern schlucken mußte, meiner Moral erstmal einen Knacks versetzt hat.
10.2.2007
Bisher war mein innerer Auftrag klar: Werde so schnell es geht und so gut es geht gesund und bereite Dich darauf vor, danach mit Verstand und Konsequenz möglichst "herzgesund" zu leben, d.h. möglichst so zu leben, daß die Koronare Herzerkrankung zum Stillstand kommt.
Was aber ist jetzt mein Auftrag?
Eigentlich kann ich bis zum 14.2. nur warten. Aber wie soll ich "nur warten"?
Ich ertappe mich weiter bei kleinen Aktivitäten der Vorbereitung auf das Leben nach der Klinik.
Mit viel Muße sichte und vergleiche ich, welches Angebot die verschiedenen Kaufhallen an Diätlebensmitteln haben - cholesterinfreie Margarine, Bratfette, Öle, Süßstoff, Käsesorten, Wurstwaren oder Schinken. Welchen Seefisch bieten sie an? Gibt es gar cholesterinarmes Trockenei?
Bei einem Bäcker kaufe ich echten Bäckersauerteig, für's eigene Vollkornbrot, obwohl ich noch gar nicht einschätzen kann, ob ich mit dem Kneten zurechtkomme.
Die ersten Sämereien sind im Angebot, und ich kann nicht widerstehen, mir Endivie, Andenbeere und eine mir unbekannte Tomatensorte "Idyll" zu kaufen. Sind das Anzeichen von Bewußtseinsspaltung?
Erste Erwägungen, was nach der neuen Kathederuntersuchung sein wird, lassen sich nicht verdrängen.
Die schwächste Hoffnung: Andere Ärzte sehen die Aussage des Belastungs-EKG nicht so dramatisch...
Größte Hoffnung: An einem Bypass gibt es eine kleine Engstelle ("eine schiefe Naht"), die aufgeweitet werden kann. Ich würde einen Stent bekommen. Es wäre ein relativ schonender Eingriff...
Schlimmste Befürchtung: Ein Bypass ist komplett ausgefallen. (Daß mehrere ausgefallen sein könnten, stelle ich mir gar nicht erst vor). Damit bliebe, auch wenn der 2. und 3. Bypass toll funktionierten, ein Infarktrisiko. Und also eine erneute Operation? Und diese möglichst schnell (solange das Brustbein noch nicht fest verwachsen ist)? Oder übers Jahr?
Was rät mir meine innere Stimme?
Nichts. Sie schweigt. Sie ist verwirrt.
Das ist ein seltener Zustand bei mir, nicht schön.
kranich05 - 2007/02/11 15:48





