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Samstag, 2. Dezember 2006

Franz Josef Degenhardt zum 75.

FJD Zu Beginn der 60er Jahre war es. Eine Vorwärtsepoche war angebrochen.
1961 hatte Gagarin die Erde umkreist. Am Majakowski-Denkmal in Moskau rezitierte Jewgenij Jewtuschenko vor Tausenden sein Poem „Babi Jar“. Radio „Junost“ (Jugend) sendete in Moskau und wenig später bei uns das Jugendradio „Deutschlandtreffen 1964“, kurz „Dt64“. Eine Lyrikwelle rollte durchs spröde Land, mit hunderten, tausenden Teilnehmern.
Eine kurze Zeit noch fehlten die Lieder.
Nach Jahren des Schweigens war ab 1963 die Stimme von Ernst Busch wieder zu hören (Aurora-Edition). In Berlin entstand der „Hootenanny“-Club; doch immer nur diese alten Lieder oder Importe aus Amerika. Die Atmosphäre, das politische Temperament suchten einen neuen Singe-Ausdruck.
Und plötzlich waren sie da - Dieter Süverkrüp, „die Conrads“ aus Düsseldorf, Insidern wurde Biermann bekannt, ja - und Franz Josef Degenhardt.
Irgendwann 1966 oder 1967 hörte ich im Radio eine halbstündige Sendung über FJD. Ich – weiß ich noch wie heute – lag in der Badewanne und war hingerissen von „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ und von irgendeinem Vater, der sich in ein Krokodil verwandelte.
Danach habe ich mich monatelang, mir will scheinen, jahrelang, fast verzweifelt bemüht, mehr von Degenhardt kennen zu lernen, lange Zeit mit wenig Erfolg. Erst ab 1970 gab es das jährliche „Festival des politischen Liedes“ und die wöchentliche Hitparade des politischen Liedes bei Dt64. Jetzt konnte ich sie auch live erleben – Degenhardt, Floh de Cologne, später auch Lok Kreuzberg. Es waren Sternstunden.
Ich will keine Liederliste meiner Begeisterung anführen, nur eines nennen von den vielen, die ich besonders liebe, das ich aber, anders als die meisten, seit vielen Jahren nicht mehr gehört habe – die schöne Ballade vom Bauernführer Joß Fritz, optimistisch noch in der Niederlage.
Durch die politischen Wechselfälle der Jahrzehnte sind sie sich treu geblieben – der wunderbare Künstler, der Hörer, der ihn braucht.
Soeben habe ich bei ebay seine jüngste CD ersteigert, „Dämmerung“.

Glückwunsch zum runden Jubiläum, Dank und die herzlichsten Wünsche!


Bildquelle: http://www.aufbauverlag.de/index.php4?page=64&show=910527&avsess=54511d39b8e7131b7482eb40db46ca80

Manchmal ist es nur ein Satz - Hans-Eckardt Wenzel

"Ein falsches Leben gibt es nicht,
es gibt nur Tod oder Leben."


Aus dem Lied "Leningrad" der CD "Traurig in Sevilla"

http://www.wenzel-im-netz.de/cont/main.php

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