Im Berliner Hauptbahnhof gesehen:
Da trifft es sich gut, dass die Junge Welt sich heute dasselbe Ereignis zum Thema macht.
http://www.jungewelt.de/2006/08-19/024.php
Der Putschversuch, obwohl von obersten Staatsfunktionären der Sowjetunion gestartet, war in seiner merkwürdiger Unentschlossenheit eine Steilvorlage für Jelzin, der sich, einem Operettenhelden gleich, auf einen der unbewaffneten (!) Panzer der Putschisten schwang, seinen „Appell an die Bürger Rußlands“ und in ihm „das Ende des kommunistischen Experiments“ verkündete, dabei noch seinen Erzrivalen Gorbatschow im Amt hielt, um ihn wenige Tage später selbst das Verbot der KPdSU verkünden zu lassen, deren Generalsekretär Gorbatschow immer noch war.
Interessanter und schwerwiegender ging es hinter den Bühnen des Events zu.
Der Reichtum des mächtigen Landes war plötzlich herrenlos geworden und in einem verbissenen, nicht selten auch blutigen, Kampf machten die schnellsten Köpfe der alten kommunistischen Funktionärselite und die neugebackenen „Demokraten“ (allesamt Exkommunisten) aus, wer zum neuen russischen Geldadel gehören würde.
In diesen Tagen wurden die Erfolge der russischen Unternehmer geboren, die heute als milliardenschwere Oligarchen bestaunt werden.
So endete eine historische Epoche, an deren Wiege die Oktoberrevolution und Lenins Genie gestanden hatten.
Die radikale und zugleich umfassende, historisch-logische Analyse dieser Epoche steht aus.
Sie ist unverzichtbar.
Ich möchte eine Einsicht festhalten. Sie ist nicht neu aber besonders Linke in Deutschland scheinen sie manchmal zu vergessen.
Der Untergang des Realsozialismus war das Werk der Realsozialisten. Der Verfall zog sich über lange Zeit hin aber bis zum bittersten Ende war er das eigene Werk.
Das DDR-Eigentum wurde von der BRD, vom Klassengegner, übernommen bzw. zerschlagen. Das scheint die alte Lehre zu bestätigen. Doch es handelt sich nur um eine Besonderheit, die aus der deutschen Zweistaatlichkeit folgte.
Der Realsozialismus wurde von den Realsozialisten selbst zerstört, und die entscheidende Kraft dabei war die machtausübende Funktionärsnomenklatur.