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Sonntag, 30. Juli 2006

Israels Krieg in Libanon und Gaza

Der gegenwärtige Krieg Israels ist zutiefst deprimierend.
* Deprimierend ist die gleichsam schicksalhafte Verstrickung der Seiten, der mächtigen wie der schwachen, in eine Spirale der Gewalt, die als ebenso perspektivlos wie alternativlos erscheint.
* Deprimierend ist der demokratische Charakter dieses Krieges, sofern unter Demokratie verstanden wird, dass die Kriegspolitiken auf eine Stimmenmehrheit der jeweiligen Bevölkerung verweisen können.
* Deprimierend ist die massenhafte („demokratische“) Bereitschaft in unserem Land, Monströsitäten jeder Art zu ignorieren oder achselzuckend hinzunehmen und somit widerstandslos in den eigenen Alltag zu integrieren.
* Deprimierend ist nicht nur die erneute Erfahrung, dass moralische Qualitäten, wie menschliche Friedensliebe, Mitgefühl, gar Brüderlichkeit nichts bewirken, sondern auch die Hilflosigkeit des menschlichen Denkens, diesen Krieg (und Krieg überhaupt) zu verstehen und unmöglich zu machen.

Dieser Krieg ist ein neuer mächtiger Schlag gegen die menschliche Hoffnung, und Resignation ist eine seiner Folgen. Ich bin nicht zu dieser Reaktion bereit und suche also nach Gegenstimmen und gegenläufigen Tendenzen.

* Ein Hoffnungsmoment gründet sich auf eine strategische Spekulation: Während sich die gegenwärtige Weltmacht samt Juniorpartner Israel mit großem Aufwand in eine geopolitische Beute verbeißt, verliert sie die Initiative auf anderen geopolitischen Schauplätzen.
* Ein Hoffnungsmoment liegt in dem Krieg selbst. Die israelisch-amerikanische Zielsetzung einer Umgestaltung des gesamten Nahen/Mittleren Ostens ist hoffentlich in einem solchen Grade unrealistisch, dass die Aggressoren auch nach unsäglichen Verbrechen und entsprechenden Opfern der schwächeren Seite keinen Sieg erringen werden.
* Der Krieg macht kenntlich.
Das Gewissen einer bestimmten Anzahl von Menschen (auch wenn diese Zahl zu klein ist), ist nicht bestechlich. Heute haben die sog. Medien – in Wahrheit PR-Agenturen der Kriegsparteien – nicht mehr das Veröffentlichungsmonopol der Meinungen. Das Gewissen hat Stimme.
* Diskurs, um diesen Modebegriff zu gebrauchen, findet statt und spricht für sich. Denkverbote werden, wie in alten Zeiten, ausgesprochen. Aber sie landen auf dem Markt des öffentlichen Streits und können nicht autoritativ Geltung erwarten. Die Argumentationsketten der Weißwäscher kommen auf den Prüfstand. Die Korrumpiertheit in ihren verschiedenen Ausprägungen und Graden, mit ihren wortreichen Begründungen und ihrer sprechenden Schweigsamkeit, lässt sich aufspüren.

Ich halte es für ein ermutigendes Zeichen, dass auch traditionelle Freunde Israels, den Staatsterrorismus dieses Regimes nicht mehr verteidigen und dass sich Kritiker (ohne je das Existenzrecht des Staates Israel in Frage zu stellen) nicht mehr mit der Antisemitismuskeule zum Schweigen bringen lassen.
Jeder Terror ist menschenfeindlich aber er kann nie und nimmer durch Krieg, durch noch größeren Terror, überwunden werden
Ein letzter trauriger Erfolg:
Mit der Frage: „Nur“ Verbrechen gegen die Menschheit oder schleichender Völkermord? tritt das, was Generationen von Palästinensern angetan wurde aus dem langen Schatten des Holocaust.
In der Hilfe für Juden, die Opfer waren, UND in der Hilfe für das palästinensische Volk wird Deutschland beweisen müssen, dass es ALLES Notwenige zur Überwindung seiner faschistischen Vorzeit getan hat und auch in Zukunft tut.

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