
Beim „Neuen Historischen Projekt“ (NHP), wie Heinz Dieterich und Andere es vertreten,
http://www.puk.de/puk/article.php?sid=765, geht es um nicht weniger, als darum wieder und noch einmal vom Sozialismus zu reden, vom Sozialismus des 21. Jahrhunderts.
Als ich davon zum ersten Mal hörte, habe ich mich in durchaus altgewohnter Weise gefragt: Aus welchen Gesetzmäßigkeiten leitet er denn die Möglichkeit oder Notwendigkeit eines solchen Projekts ab? Wo sind die objektiven Zwänge, die diese Theorie zur siegreichen Praxis führen werden?
Ich glaube, dass war genau die altkommunistische, überholte Art zu fragen. Ihr liegt die Erwartung zu Grunde, dass eine bestimmte, objektiv messbare gesellschaftliche Gruppe eine „Historische Mission“ habe und in dieser Mission die Menschheit befreien werde.
So sehr wir uns um Dialektik bemühten – und besonders der Praktiker Lenin hat uns Dialektik eingeprügelt – blieben wir doch einem mechanischen, sagen wir, aufgeklärt mechanischen, Geschichtsverständnis verhaftet.
Demgegenüber sieht Dieterich von vornherein in der Geschichte das Wirken großer "Historischer Projekte", sei es das von Luther initiierte, das der Aufklärung oder das von Marx und Engels. Das heißt nicht weniger, als dass das Wirken bewußter Subjekte von Anfang an, konstituierend und konkret den Geschichtsprozeß bestimmt – eine Auffassung mit fundamentalen Konsequenzen.
Mit seinen Worten: „ … die meines Erachtens sinnvollste Kategorie zur Analyse von Gesellschaftsformationen und ihrer Evolutionsdynamik (ist) das Historische Projekt, welches den Entwicklungsstand der Produktivkräfte, die Produktionsverhältnisse, die Staatsform und den Staatstyp, die Kultur, die Identität usf. als Funktion der Praxis des Entwicklungs-, Herrschafts- und Akkumulationsparadigmas einer herrschenden Klasse versteht…. Das gleiche gilt für eine subordinierte Klasse, die an die Macht gelangen will.“ (Interview mit Heinz Dieterich vom Februar 2002,
http://www.puk.de/download/kongressreader.pdf)