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Sonntag, 16. April 2006

Aus einem alten Gartenbüchlein

Es heißt „Mein Gemüsegarten“ von Otto Nebelthau und ist erstmals 1934 als Nr. 456 der Insel-Bücherei erschienen.
Ich blättere wahllos hinein und stoße gleich auf eine erstaunliche Stelle:
“Hat es ferner Sinn für dich, die Brutzwiebeln von Knoblauch, Schalotten und Steckzwiebeln zu legen? Auch dazu möchte ich weniger raten. Sie nehmen viel Platz für andere, weit wichtigere Pflanzen weg. Auch ihr Geschmack leidet nicht durch das Liegenlassen. Sie sind so billig und überall zu haben!“
Also ein Gartenbuch, das rät, etwas NICHT anzubauen! Und ich habe gerade meine Steckzwiebeln gesteckt! Die liebe ich besonders, weil man doch gleich etwas sieht ;-).
Ich wüsste gern, ob heutzutage die Zwiebeln, die „billig und überall zu haben“ sind, wie so viele andere Gemüse auch, reichlich mit Schadstoffen belastet sind?

Puffbohne
Zu Puffbohnen schreibt Otto Nebelthau:
„Schneide einmal, bevor du die Puffbohnen setzt, von einem der Samen die harte äußerer Hülle ab. Darunter liegt schon die ganze Pflanze in ihrer Form und ihrer Entwicklung angedeutet wie ein zwei Monate alter Menschen-Embryo, mit dem sie in der Tat Ähnlichkeit hat durch die gekrümmte, zusammengezogene Haltung. Deutlich ist der Wurzelansatz zu sehn, du erkennst die Anfänge der Keimblätter. Deine Zunge allerdings vermag nichts von der künftigen Entwicklung zu spüren, die harte gelbliche Masse ist ganz geschmacklos in ihrem trockenen, ungekochten Zustand. Vielleicht bist du auch solch ein Narr wie ich. Ich probiere nämlich alle möglichen Samen von Pflanzen oder Sträuchern oder Bäumen, weil ich mir einbilde, es müsste in dem Geschmack schon eine Vorahnung der künftigen Entwicklung liegen, ja, ich könnte vielleicht durch das Essen des Samens einen neuen Aufschluß über das ganze Wesen der Pflanze oder des Baumes bekommen. Leider täusche ich mich da immer wieder, oder ich bilde mir etwas ein, was nicht zu beweisen ist. Trotzdem sage ich, ich kenne eine Pflanze oder einen Baum nur dann, wenn ich den Samen einmal genau untersucht, ihn in allen Einzelheiten betrachtet und ihn auch einmal geschmeckt habe."

Ich finde, das ist eine sympathische, lebendige Art, sich mit den Gartenbewohnern zu beschäftigen; nicht wissenschaftlich exakt, sondern aus einem alltäglich-naturverbunden philosophischen Sinn.
Und es erinnert mich an Kurt Kretschmann, der mir im Zusammenhang mit seiner Begeisterung für den Beinwell/Comfrey einmal erzählte, dass er immer mal auch ein Blättchen dieser Pflanze ißt. Warum? Eine Pflanze, die so sympathisch, wertvoll, nützlich sei, die müsse einfach auch gut tun, wenn man sie mal probiert.

Anderes von Otto Nebelthau:
http://www.antiquario.de/a_autoren/n/Nebelthau_Otto.html

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