Fluß ohne Wiederkehr



Ein Western von Otto Preminger mit Robert Mitchum und Marilyn Monroe aus dem Jahre 1954. Solche Filme lernte ich, Jugendlicher in der DDR, damals natürlich nicht kennen. Marilyn Monroe geisterte dennoch durch meine pubertären Träume.
Warum schau’ ich ihn mir heute an, nach einem halben Jahrhundert? Weil er in die Cinemathek der Süddeutschen Zeitung aufgenommen wurde? Weil meine kleine Stadtbibliothek ausgerechnet ihn anpreißt?
Es ist immer dasselbe amerikanische Märchen: Gut und Böse übersichtlich verteilt; ein starker Mann, Charaktermann; ein Weib, irgendwo zwischen Venus, Diana und Vamp. Sie kämpfen sich ihren Weg entlang – Verwicklungen, Gefahren, dazwischen Naturtotalen, die unvergleichliche amerikanische Coolness und - natürlich alles „auf Ehre und Gewissen“.
Marilyn stakst in damals sicher traumhaften Jeans durch den kanadischen Urwald, lässt die blonde Mähne schweben. Die Kamera erlaubt sich keinen forschen Blick auf ihre schönen Brüste. Auf entblößte Haut zu Stieren, diese Errungenschaft gegenwärtigen Bildsehens, wird nicht bedient. Interessant, welch sparsame Mittel es damals zur Ikone des Sex Appeal brauchte.
Weniger zurückhaltend, ja unbekümmert rassistisch, die Darstellung der „Wilden“. Gesichter haben sie keine, nur Kriegsbemalung. Sie verschießen hässlich zischende Pfeile. Gut, dass sie dämlich sind. Am besten und zahlreich taugen sie zum Abknallen.
Am Ende sind es die immergleichen fünf, sechs Zutaten, mit deren Hilfe die Industrie zur Freude erlebensfroher Zuschauer das Fließband am Laufen hält.
Licht an!
Regie: Otto Preminger
Darsteller: Marilyn Monroe, Robert Mitchum
USA 1954
kranich05 - 2006/03/16 19:06