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Samstag, 4. März 2006

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Lateinamerika – 500 Jahre

Wie vor paar Tagen erwähnt, hat Michael Wood ein interessantes Buch geschrieben: „Auf den Spuren der Konquistadoren“, Reclam Verlag, Stuttgart 2003.
Konquistadoren
Ich finde auf’s Lebendigste geschildert die Eroberungszüge der Cortez und Pizarro und Orellana, die mit Feuer und Schwert, mit Glaube und Verrat die „Wilden“ unter die spanische Herrschaft zwangen. Eine beeindruckende Dimension dieser Renaissancemenschen ist ihre geradezu pathologische Goldgier.
Doch frühzeitig erhoben sich Stimmen, die in den „Indianern“ Menschen erkannten, wie es Cabeza de Vacas auf seiner abenteuerlichen Reise erlebt hatte, und die Verbrechen der Eroberer anklagten. Solche Stimmen, wie Antonio de Montesino und Francisco de Vitoria, sollen nicht vergessen sein.

Ich erfahre vom Befehl Kaiser Karls V. von 1550, sämtliche Eroberungen einzustellen, bis das Problem geklärt sei, ob die Ureinwohner Amerikas den Europäern gleichwertige Menschen seien oder Kannibalismus und Menschenopfer praktizierende Geschöpfe des Teufels, die, wenn nicht auszurotten, so doch mit aller Gewalt zum Christentum zu bekehren seien.

Auf seine Weise hatte Albrecht Dürer diese Frage beantwortet, als er 1520 in Brüssel in der Residenz Karls V. Gegenstände der Azteken bewunderte, die Cortez nach der Eroberung Tenochtitlans dem Kaiser geschickt hatte. Er notierte in sein Tagebuch: „Ich habe all mein Lebtag nichts gesehen, das mein Herz so sehr erfreut hätte, wie diese Dinge. Denn ich sah darunter wunderbare, kunstvolle Sachen und verwunderte mich über die subtilen Ingenia der Menschen in fremden Landen.“
Wagenladungen solcher kunstvollen Gegenstände wurden von den Konquistadoren an Ort und Stelle eingeschmolzen und traten als Barren ihre Reise in die europäischen Schatzkammern und Bankdepots an.

In der von Karl V. anberaumten, einen Monat währenden, Debatte legte der jetzt 76-jährige Dominikaner Bartholome de Las Casas, der die Gräuel des Völkermordes selbst miterlebt hatte, ein gewaltiges Dossier vor, das er in jahrzehntelanger Arbeit auf den amerikanischen Kontinenten erstellt hatte.
Es kam seine große Stunde, da er erklärte: “Denn alle Völker der Erde sind Menschen. Und es gibt nur eine Definition des Menschen, gleichgültig ob als Kollektiv oder als Einzelperson: Er ist ein vernunftbegabtes Wesen. Alle Menschen besitzen Verstand und Willen, denn sie sind als Gottes Ebenbild geschaffen. Alle haben von Natur aus die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen und das Gelernte anzuwenden – alle freuen sich über das Gute und verabscheuen das Böse. Alle Menschen sind gleich geschaffen. Niemand wird als Erleuchteter geboren.“

Doch obwohl Las Casas aus der Debatte als Sieger hervorging, wie Wood schreibt, erstickte die Realität der Macht die Stimme der Moral und des christlichen Gewissens. Die Eroberung der „Neuen Welt“ wurde bis zum bitteren Ende fortgesetzt.

Das europäisch-atlantische Weltherrschaftssystem wurde errichtet, das seine schändliche Rolle bis auf den heutigen Tag spielt.

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