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Samstag, 25. Februar 2006

Rudi Dutschke

Kürzlich war Geburtstag; der 50. einer guten Bekannten.
Sie überraschte uns mit der Vorführung eines langen Dokumentarfilms von Helga Reidemeister
„Aufrecht Gehen - Rudi Dutschke“.
http://www.prisma-online.de/tv/film.html?mid=1988_aufrecht_gehen_rudi_dutschke

Rudi-Dutschke

Meine Ossiaugen und -ohren nehmen Interessantes wahr.
Die Anregung zu dem Thema kam durch die 15-jährige Tochter. Deren Deutschlehrer hatte, ein halbes Jahr vor seiner Berentung, eine Projektwoche über die 68er angesetzt.
In der Elternversammlung, in der die Schüler ihre Ergebnisse vorstellten, entpuppten sich ganz überraschend mehr oder weniger alle Teilnehmer als ehemalige 68er und… begannen in Erinnerungen zu schwelgen.
Die Geburtstagsrunde dagegen reagierte verunsichert, eine Freundin aus dem Osten gar mit harscher Kritik: „Was wollten diese Studenten? Im Westen hatten sie doch alle Freiheit.“
Die gleichaltrigen Freundinnen der 15-jährigen Tochter äußerten Ahnungslosigkeit aber Interesse. Nie hatten sie etwas über die 68er gehört.

1968: Der Film lässt den heftig argumentierenden Dutschke zu Wort kommen, immer bemüht den Protest über die Systemgrenzen hinaus zu treiben.
Er zeigt, wie die Feindseligkeit gegen die Studentenbewegung angeheizt wird, wie eine Progromstimmung erzeugt wird. Da fehlte nicht mehr viel zum bekannten: “Schlagt ihre Führer tot!“
Und er verschweigt auch nicht das Desinteresse der Massen am politischen Getümmel.

1988, Drehzeit des Films: Junge Leute kommen zu Wort, Hausbesetzer, die überlegen, das man das ganze kapitalistische System umstürzen müsste.
Zur gleichen Zeit setzen die Strategen des Systems zur endgültigen Übernahme des erstarrten Realsozialismus an.
Die Massen interessieren sich für Reisefreiheit und Bananen. Sie ahnen noch nicht, dass ihnen Kohl ein Jahr später zur Revolution gratulieren wird… und sie sich künftig mit Reisefreiheit und Bananen zu begnügen haben.

2006: Wieder gibt es Einige, die eine Neue Sozialistische Alternative wollen.
Wieder ist die Macht fest in den Händen der Profiteure.
Wieder schläft der große Lümmel, rumort halbwach im Traum, und schläft.

Ein filmisches Detail?
Immer wieder das zögernd-hilflose Lächeln des greisen Vaters, eines Überforderten.

Manchmal ist es nur ein Satz - Randall B. Hamud

"Bislang wurde in den USA ... noch kein Mensch wegen Beteiligung an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verurteilt."

Und- ergänze ich- es wurde auch noch keiner angeklagt.
Hamud äußert sich in seinem lesenswerten Interview u.a. auch zur Dämonisierung Bin Ladens in den USA.
http://www.jungewelt.de/2006/02-25/048.php

Emphatie

"Emphatie" von Ascii Acid

Entdeckung!

Arbeiten des Fotografen Ascii Acid

http://www.fotocommunity.de/pc/account/myprofile/12770

Bloggerlesung?

Danke.
Blogs lesen, find ich bequemer und interessanter!

Und eine ganz neue Erfahrung:
Ein guter alter Freund (Wohnt aber weit weg. Und der Terminkalender! Wir treffen uns nur alle Jubeljahre.) liest täglich mein Blog und ich seins.
Und plötzlich sind wir mehr miteinander im Austausch als je zu Briefzeiten. Und auch in ganz neuer Art, denn Dritte sind anwesend und nehmen auch aktiv teil.
Natürlich kein Ersatz für ein intimes Gespräch.
Eben was ganz Neues.

Neues Projekt 4 - 500 Jahre

3897066521_90x141Interessant, obwohl ich doch ein theoretisches Interesse habe, war es trotzdem nicht ein „Heureka“, ein theoretischer Blitz, der mich für Dieterichs Buch eingenommen hat.

Manchmal sind es Fußnoten, die elektrisieren.
Dieterich erwähnt (S. 112) sein Essay über Strukturparallelen zwischen Nazi-Lebensraum und Erster-Dritter Welt heute, das sich findet in:

DAS FÜNFHUNDERTJÄHRIGE REICH.

Da machte es „Klick“ bei mir. Es hat mich angerührt, in den Überlegungen zu einem neuen Sozialismus den Atem von 500 Jahren Geschichte zu spüren.
In diesem Essay berichtet Dieterich von seinem Erkenntnisschock,
„dass das 1492 vom Westen installierte internationale Herrschafts- und Ausbeutungssystem fast alle Emanzipationsversuche der von ihm ausgeplünderten Völker erfolgreich hat abwehren können. Das heißt, die 500-jährigen mühsamen und opferreichen Befreiungskämpfe, beispielsweise der lateinamerikanischen Völker, haben für rund 95% der lateinamerikanischen Massen weder zu einer wesentlichen Verbesserung ihrer realen Lebensbedingungen noch auch zum Recht faktisch-autonomer Selbstentwicklung geführt.“
Ein deprimierendes Resultat gattungsgeschichtlicher Befreiungsversuche – so sehr im Widerspruch zum Optimismus der Aufklärung und der konkreten Utopie klassenloser Gesellschaft!
Mein Interesse war geweckt. In der Jenaer Ernst Abbe-Bibliothek fand ich ein Buch, es zu befriedigen.
http://www.buecher.de/verteiler.asp?site=artikel_faz.asp&wea=1100485&artikelnummer=000001286979

Sonnenstrahl

http://che2001.blogger.de/stories/394619

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