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Samstag, 5. Dezember 2009

Widerstand

Einen neuen Begriff führe ich in das Menü meines Blogs ein - "Widerstand".
Dafür gibt es aktuelle emotionale Anlässe. Wenn ich sehe, wie die ersten Gruppen von Studenten anfangen zu kämpfen, wird mir warm ums Herz. Wenn ich sehe, wie die Kölner Erwerbsloseninitiative selbstbewußt und intelligent gegen die weiche und gegen die harte Repression Widerstand leistet, bin ich begeistert. Wenn ich im Schwarzbuch von Mrs. Tapir die raffinierten Mechanismen aufgedeckt finde, mit denen die Schwachen unten gehalten werden, drängt es mich, solidarisch zu sein...

Aber es geht nicht nur um Gefühl.
Ich frage mich, wie lange schon finde ich mich mit Ratlosigkeit ab.

Mir gab sehr zu denken, daß ich kürzlich in meinem Tagebuch von 1989 nicht nur bestätigt fand, bis zu welcher Miserabilität sich unser System der Machtausübung am Ende gewandelt hatte. Das bleibt festzuhalten, auch gegen Verklärung.
Aber wie lange war ich, war unsereins, kritischer aber tatenloser Teilnehmer?
Am 1. und 2. Dezember 1989 treten zum ersten Mal diejenigen, die wirklich einen anderen, neuen Sozialismus wollen, als politische Kraft auf.
Welche Unfähigkeit, ja Schande drückt sich in diesem späten Zeitpunkt aus! (Ganz bewußt werte ich hier, verzichte auf Erklärung. Begründungen lassen sich zuhauf finden.)

Es geht immer um den Widerstand!
Widestandshandeln ist notwendig auch und gerade bevor volle Klarheit über Ziele und Wege besteht. Natürlich meine ich nicht blinden Aktionismus, vielleicht noch gewalttätigen.
Am Anfang steht die Behauptung der eigenen Souveränität. Und nur der Kampf kann uns Fingerzeige geben, um die notwendigen Wege zu finden. Und Erfahrung, Kraft und Mut, sie zu gehen.

Freitag, 4. Dezember 2009

Bildungsrepublik Deutschland

Casino Frankfurt

In Frankfurt/M. machten Uni-Leitung und Polizei kurzen Prozeß mit zu viel Demokratie.
Nachschlag hier.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Neues vom Selbstversorger

Ich kann mich gut erinnern, was für eine ernste Angelegenheit Selbstversorgung in den Jahren nach dem Weltkrieg war. Dagegen ist mein Selbstversorgen heute ein Spiel, bestenfalls ein nützliches Hobby.

Für heute Nacht wurden Fröste bis -4° angesagt. Grund für mich, nun die letzten Kartoffeln zu ernten. (Die Endivien bleiben weiter stehen.)
letzte Kartoffeln

Dieses Jahr sind unsere Kartoffeln so außerordentlich wohlschmeckend mehlig, daß ich etliche zum Pflanzen für's nächste Jahr aufheben werde. Keller hab' ich nicht, eine kleine Miete im kalten Gewächshaus wird es wohl auch tun.

Wie zu sehen ist,...
letzte Tomaten
... erfreuen wir uns noch immer nachgereifter Tomaten. Ihr Geschmack? Naja, mit den Sonnengereiften nicht zu vergleichen - aber viel besser als die Unnatürlichen aus Holland.

Welche Gartenfläche wäre wohl zur Selbstversorgung notwendig? Wieviele Menschen ernährt wohl ein chinesisches Terrassenfeld?
Rudolf Bahro sprach einmal davon, daß 400m2 zur Versorgung einer Person ausreichten. Das erscheint mir wenig, doch habe ich es nicht überprüft.
Pro Bundesbürger stehen ungefähr 2.000 m2 landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung. Auf dieser Fläche würde ich wohl, sogar mit meinen derzeitigen Biogarten- und Permakulturkenntnissen, die Befriedigung der Grundbedürfnisse von zwei Personen sichern können.

Kunstpostkarten - Archipow, Tübke, Scheib

Archipow1
Diese Abbildung stammt aus den Uraltbeständen meiner Sammlung. Irgendwann habe ich sie für 3 Kopeken bei einer meiner Reisen in die Sowjetunion gekauft. Die Postkarte zeigt "Wäscherinnen", ein Bild, des russisch-sowjetischen Malers A. E. Archipow (1862 -1930) von 1901. Es befindet sich in der Tretjakow-Galerie Moskau.
Übrigens stieß ich beim Webspazieren zu Archipow auf den Namensvetter Wassili Alexandrowitsch Archipow, von dem es kein Bild aber eine interessante Geschichte gibt.

Tuebke1

Diese Skizze von Werner Tübke lud zur Sonderausstellung "Von der Skizze zur Vollendung" nach Bad Frankenhausen ein. Die Sonderausstellung ist beendet aber das Panorama Museum mit seinem Monumentalbild "Frühbürgerliche Revolution in Deutschland" ist immer eine Reise wert.

Scheib1

Das ist eine Radierung (30 x 24,5 cm) von Hans Scheib aus dem Jahr 1990, "Grenzenlose Begeisterung". In der Endphase der DDR war mir Scheib (neben Trakia Wendisch) einer der wichtigen Künstler - und ist es bis heute. Google liefert jede Menge weiterführende Informationen (allein für "grenzenlose Begeisterung" 24 000 Fundstellen ;-).

Montag, 30. November 2009

Von der Erkennbarkeit des menschlichen Weges - Nicht wissen wollen.

Ob der Mensch, die Menschheit, der bewußten Steuerung bedarf ist eine Frage für sich. Darauf ist zurückzukommen.
Unterstellt, das Bewußtsein seines Weges, die "Bewußtheit der gesellschaftlichen Entwicklung" (eine Kategorie des historischen Materialismus) wäre bedeutsam, wie ist es heute darum bestellt?
Die Selbsterkenntnis der Gesellschaft hat mit der außerordentlichen Komplexität ihres Gegenstandes, also ihrer selbst, zu tun, dabei besonders mit der widersprüchlichem Gemengelage von Geistigem und Nichtgeistigem. Zudem sind in der Jetztzeit alle Erkenntnisvorgänge durch das Internet vermittelt - ein Synonym für schnell wachsende Erkenntnispotentiale und -hindernisse.
Das Problemknäuel, an dem herumzudröseln wäre, ist verwickelt genug.

Demgegenüber möchte ich zunächst etwas sehr Einfaches feststellen, etwas Elemtares, das dennoch oft verkannt wird. Ich meine die massenhafte Erkenntnisverweigerung.
Fundamental ist die Nichtbereitschaft von Mehrheiten, Wissen anzunehmen, bestimmte neue Kenntnisse zu erwerben und sie sich innerlich anzueignen als Voraussetzung ihrer eventuellen Handlungsrelevanz. Viel wäre zu Ursachen, Bedingungen, Ausprägungen dessen zu sagen, doch mir geht es erst einmal darum, die Tatsache selbst festzuhalten.

Einen schlagenden Beweis für Nichtwissenwollen liefert 9/11. Vor den Augen der Menschheit, den offensichtlich fest geschlossenen, hat sich ein ungeheuerlicher Vorgang abgespielt. Die Einzelheiten seiner Inszenierung wurden natürlich verdeckt, sodaß die 100%ige analytische Reproduktion nicht trivial ist. Aber jeder Beobachter kann selbst beurteilen, daß die offiziellen Erklärungen falsch bzw. unzureichend sind und kann daraus seine Schlüsse ziehen. Jedem Zeitzeugen stehen die hierfür erfoderlichen Erkenntnisse zur Verfügung, bzw. er kann sie sich mit geringer Mühe beschaffen. In vielen Nischen wird das auch geleistet.
Aber die Massen der Völker (eingeschlossen ihre "gebildeten" Schichten) wollen es nicht wissen.
Und wenn sie es nicht vermeiden können, etwas zu wissen, wollen sie keinesfalls darüber nachdenken.
Und wenn sie jemals einen Gedanken daran verschwendet haben, wollen sie absolut keinen irgendwie handlungsrelevanten Schluß ziehen.
homo sapiens erweist sich in faszinierendem (und eigentlich verstörendem) Maße als homo ignorantus.

Samstag, 28. November 2009

“Almost all the camping grounds within 100 miles of Los Angeles are now filled with people living in them.”

Quelle

Freitag, 27. November 2009

Von der Erkennbarkeit des menschlichen Weges - Evolutionstheorie

Der dieses schreibt ist kein Denkverächter. Im Gegenteil, Brechts Wort vom großen Vergnügen des Denkens habe ich immer ganz persönlich auf mich bezogen. Duchaus nicht unterdurchschnittlich intelligent (hä?), habe ich mich doch stets vor allzu großer Spezialisierung gehütet, plebejischer Freund des Vereinfachens, hoffentlich nicht des "schrecklichen Vereinfachens".
All dieses dem Denken Zugeneigtsein hat mich nicht gehindert, mein Denken oft zu beschränken oder gar meine Denkfähigkeit partiell zu opfern. So ist das Leben, Schwamm drüber.
Genug der Vorrede.

Jüngst gab mir zu Denken der letzte Absatz eines Beitrags von Volker Schurig über Darwins Werk.
Dort heißt es (Hervorhebung von mir):
"Wenn jemand 1859 die Frage gestellt hätte, wie viele Menschenarten es gibt, wäre, erstaunt über diese scheinbar absurde Frage, die Antwort gekommen: eine Art, der Jetztmensch. 150 Jahre nach dem Erscheinen von »Die Entstehung der Arten« wird diese Frage von der Paläoanthropologie differenzierter beantwortet: Es existieren acht bis zwölf verschiedene fossile (und damit ausgestorbene) Menschenarten. Darunter befindet sich der bis vor 35000 Jahren in West- und Mitteleuropa lebende Neandertaler sowie der Homo sapiens, die einzige diesen Selektionsprozeß überlebende Menschenart. Das Aussterben des Neandertalers trotz einer Gehirnkapazität zwischen 1145 und 1795 Kubikzentimetern zeigt, daß große Gehirnkapazitäten, kulturelle Traditionen und Werkzeuggebrauch allein kein absoluter Schutz im Selektionsprozeß sind. Die Evolutionstheorie ist deshalb auch keine neue Heilslehre, die erneut die Sonderstellung des Menschen als »Krone der Evolution« naturwissenschaftlich begründet. Die Evolutionstheorie schreibt immer zwei Kapitel: eines über die Entstehung neuer Arten und ein zweites über ihr Aussterben. Diese Naturgesetzlichkeit gilt auch für den Prozeß der Menschwerdung einschließlich der rezenten Art »Homo sapiens«, die hoffentlich weise genug ist, dies zu verstehen."

Das ist wahrlich zurückhaltend formuliert aber es bringt etwas auf den Punkt, was "in der Luft liegt" und auch mich seit längerem beschäftigt: Ist der Mensch eine Art, die ihr Überleben sichern kann?
Etwas systematisierter gefragt:
a) bedarf der Mensch, um seine Zukunft zu sichern, der bewußten Steuerung?
und b) wenn ja, wie ist es um diese Steuerung heute bestellt?

Mir scheint, es ist an der Zeit, daß solche Fragen aus der Sphäre unverbindlich-schöngeistiger Spekulation heraustreten.

Manchmal ist es nur ein Satz - Volker Schurig

"Die Evolutionstheorie schreibt immer zwei Kapitel: eines über die Entstehung neuer Arten und ein zweites über ihr Aussterben."

Volker Schurig in einem zweiteiligen Themenbeitrag zum 200. Geburtstag von Charles Darwin und dem 150. Jahrestag des Erscheinens von dessen Werk "Die Entstehung der Arten" hier.

Mittwoch, 25. November 2009

Heiner Müller "Gespräche"

Selten habe ich zu anregender Literatur eine solch anregende Besprechung gelesen.
"Totentanz mit Gespenstern" - Erik Baron in der "jungen Welt" über die drei Bände "Gespräche" in der Heiner Müller-Werkausgabe von Suhrkamp.

Dienstag, 24. November 2009

Kurzdarstellung

"Die bedeutensten Forschungsergebnisse, die den aktuellen Klimawandel betreffen, sind:
Treibhausgas-Emissionen steigen plötzlich an: Globale Kohlendioxid Emissionen von fossilem Brennstoff waren
im Jahr 2008 fast 40% höher als 1990. Selbst eine Stabilisierung heutiger globaler Emissionswerte würde in 20 Jahren mit 25-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Erwärmung von mehr als 2 Grad C verursachen. Das würde auch ohne jegliche Emissionen nach 2030 der Fall sein. Mit jedem Jahr, in dem nichts unternommen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die 2 Grad C überschritten werden.

Aktuelle globale Temperturen zeigen, dass die Erwärmung auf Menschen zurückzuführen ist: Seit 25 Jahren
haben sich die Temperaturen um 0.19 Grad C pro Jahrzehnt erhöhnt – das entspricht genau den Vorraussagungen, die auf einem Treibhausgasanstieg basieren. Sogar in den letzten zehn Jahren hat sich der Erwärmungstrend fortggesetzt, obwohl sich solare Einflüsse vermindert haben. Natürliche, kurzzeitige Schwankungen kommen wie gewohnt vor, aber es gab keine einschneidenden Veränderungen im grundlegenden Erwärmungstrend.

Eisdecke, Gletscher und Eiskappen schmelzen schneller: Eine große Anzahl von Messungen, die von Satellliten
und am Eis vorgenommen wurden, zeigen jetzt ohne jeden Zweifel, dass die Eisdecken von Grönland und der
Antarktis immer schneller, und immer mehr, Masse verlieren. Die Gletscher und Eiskappen in anderen Teilen der Wert schmelzen seid 1990 auch schneller.

Das arktische Meereis verschwindet rapide: Das Schmelzen von arktischem Meereis während der Sommerzeit
hat sich weit über Klimamodell-Erwartungen hinweg beschleunigt. Das Gebiet, in dem das Meereis von 2007-2009 schmolz, war ungefähr 40% größer als die durchschnittliche Vorraussage des Klimamodells des IPSS AR4 – dem 4. Beurteilungsbericht des zwischenstaatlichen Ausschlusses für Klimawechsel.

Der gegenwärtige Anstieg der Meeresspiegel wird unterschätzt: Der von Satelliten angezeigte, weltweit hohe
Anstieg der Meeresspiegel (3,4 mm/Jahr in den letzten 15 Jahren) liegt 80% über früheren Vorraussagen des IPCC. Dieser beschleunigte Anstieg der Meeresspiegel stimmt mit einer Verdopplung der eingebrachten Zugaben von schmelzenden Gletschern, Eiskappen und den Eisdecken von Grönland und der westlichen Antarktis überein.

Meeresspiegel Voraussagen werden korrigiert: Zum Jahr 2100 wird der weltweite Anstieg der Meeresspiegel
wahrscheinlich mindestens doppelt so hoch sein wie er von der Arbeitsgruppe 1 des IPSS AR4 hochgerechnet wurde; für uneingeschränkte Emissionen könnte er sogar 1 Meter überschreiten. Die obere Grenze wurde als bis zu 2 Meter Meeresspiegelanstieg zum Jahr 2100 eingeschätzt. Die Meeresspiegel werden noch Jahrhunderte nachdem die weltweiten Temperaturen stabilisiert worden sind weiterhin ansteigen und mit einem Anstieg der Meeresspiegel von mehreren Metern muss in den nächsten Jahrhunderten gerechnet werden.

Mit Handlungsverzug riskiert man einen Schaden, der nicht rückgängig zu machen ist: Sollte die
Erwärmung in diesem Jahrhundert wie gewohnt weiter gehen, könnten mehrere gefährdete Elemente des
Klimasystems (z.B. kontinentale Eisdecken, Regenwald im Amazongebiet, westafrikanischer Monsoon und andere) zu plötzlichen oder nicht rückgängig zu machenden Veränderungen gedrängt werden. Das Risiko, kritische Schwellen zu überschreiten („kritische Punkte») steigt mit anhaltendem Klimawandel steil an. Deshalb könnte das Warten auf stärkere wissenschaftliche Gewissheit bedeuten, dass einige kritische Punkte überschritten werden, bevor man sie als solche erkannt hat.

Der Wendepunkt muss bald kommen: Weltweite Emission müssten zwischen 2015 und 2020 ihre Höchstwerte erreichen und dann schnell abfallen, wenn die weltweite Erwärmung auf ein Maximum von 2 Grad C über vorindustriellen Werten eingeschränkt werden soll. Um das Klima zu stabilisieren, muss sich eine decarbonisierte weltweite Gesellschaft – mit Kohlendioxid-Emissionen und anderen langlebigen Treibhausgasen auf fast Null reduziert - auf jeden Fall in diesem Jahrhundert etablieren. Genauer gesagt, die durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf Emissionen müssen bis zum Jahr 2050 auf weit unter eine metrische Tonne CO2 reduziert werden. Das liegt 80-95% unter den Pro-Kopf Emissionen im Jahr 2000 in entwickelten Ländern."

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21 namhafte Klimawissenschaftler aus aller Welt haben den neuesten Kenntnisstand zusammengetragen. Unter ihnen ist auch Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Klimaberater und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU.
via Telepolis , auch hier.

Garten vertikal

Aus der Permakultur, besonders im Zusammenhang mit dem Konzept des Waldgartens, ist die Anbauform des "Stapelns" oder "Schichtens" bekannt. Ein "Dach" aus großen Obstbäumen, darunter Zwergobst, Nussbüsche, weiter eine Strauchschicht mit Beerenobst, eine Schicht mehrjähriger Kräuter und Gemüse am Boden, nicht zu vergessen Wurzelgemüse und Kletterpflanzen.
Im Idealfall setzt sich diese Schichtung im Erdreich fort, wenn die Wurzeln der verschiedenen Pflanzen ihre Nährstoffe aus unterschiedlichen Tiefen beziehen.

Das Konzept klingt gut.
Unter Platzmangel leidend, an etlichen Stellen durch große Bäume in Nachbargärten beeinträchtigt habe ich erste Kombinationsversuche unternommen. Die Ergebnisse blieben unter den Erwartungen. Zu stark war die Lichtkonkurrenz der Nadelgehölze, zu stark die Wasserkonkurrenz der mächtigen Birken. Offensichtlich kann sich Erfolg nur einstellen, wenn die Lebensansprüche aller beteiligten Pflanzen äußerst sensibel aufeinander abgestimmt werden. Diesbezüglich bin ich weiterhin Analphabet, aber lernwillig.

Zwei für unseren Garten typische Probleme:
a) Fruchtbarer Boden ungenügend genutzt, weil er im Schlagschatten von Gebäuden liegt.
b) Südseiten von Bäumen, Sträuchern und Gebäuden ungenügend genutzt, weil dort keine oder nur äußerst begrenzte Bodenflächen zur Verfügung stehen.

Nun habe ich mir dafür Lösungen ausgedacht:
a) Ich pflanzte Kletterpflanzen (nämlich Kiwi), deren "Fuß" nun kühl und feucht im Schatten steht, die aber über die Schattengrenze hinauswachsen und nun im kostbaren Sonnenlicht gedeihen. Zumindest an eine Stelle, die doch etwas Sonne hat, werde ich unter die Kiwi-Pergola zusätzlich eine Kulturheidelbeere pflanzen.
b) An die beengten Südseiten pflanze ich verschiedene Kulturen in großen Töpfen und Kästen, kann so die hervorragenden Licht- und Wärmebedingungen ausnutzen und jeder Pflanze trotzdem ausreichend Bodenvolumen sichern.
Auf diese Weise, also vertikal, gewinne ich annähernd 30 vollsonnige Quadratmeter Anbaufläche.

Ich bin überzeugt, daß die Menschheit alle ihre Ernährungs- und Energieprobleme lösen kann, wenn sie sich auf eine nachhaltige Gartenkultur gründet.

Montag, 23. November 2009

Frau Illner übt holländisch



So gut wie er, kann sie es noch nicht.
Aber sie fängt wenigstens an!

Im Ernst: Zu dem, was die Moderatorin hier tut, gehört heute in der BRD bereits eine Portion Mut - für den sie sich, kaum ist die Frage gestellt, in der nächsten Sekunde buchstäblich "auf die Zunge beißt".
Man beachte, wie es dem üblen Typ gelingt, sich 'rauszudrehen und zugleich noch eine subtile Drohung loszuwerden, wenn er (sinngemäß) sagt: "Ich beurteile nicht die Fragen abwesender und anwesender Journalisten."
Bemerkenswert auch, daß an dieser Stelle das Publikum klatscht!

Nicht nur die Schönheit vergoldeter Wolframbarren

erläutert ein kurzweiliger Artikel von Jim Willie.
Bei der Lektüre erfährt der Laie Vieles, was ihn nicht dümmer macht
und eine flotte Sentenz zum Schluß:
"Während seines Besuchs in Peking wurde Obama daran erinnert, wer der Chefgläubiger ist... Der US-Präsident hat sich in drei Themen verrannt, als er die Menschenrechte erwähnte, die Währungsmanipulation und die Zukunft des Kommunismus. Bei solchen Fragen haben die USA nichts verloren, dahingehend können sie keiner anderen Nation Vorträge halten. In Wirklichkeit bewegt sich China auf den Kapitalismus zu, während Amerika vergessen hat, was Kapitalismus ist und jetzt mit dem rechten Fuß im faschistischen und dem linken Fuß im kommunistischen Matsch watet."

Samstag, 21. November 2009

Geschichte befragt

Auf meinem Blog "tageundjahre" habe ich den Band 34 meiner Tagebücher gepostet. Er umfaßt den Zeitraum von Juli bis November 1989, führt also genau 20 Jahre zurück.
Ein Großmeister der Komposition und Reproduktion privater und öffentlicher Zeitdokumente war Walter Kempowski. Er erklärte, daß er die Äußerungen der Menschen vergangener Zeit, dieses versunkene "vielstimmige Orchester" wieder hörbar machen wollte. Dabei verfuhr er nach dem ästhetisch-dokumentarischen Konzept, aus einer schier überwältigenden Fülle zeitgenössischen Materials als souveräner Dirigent grandiose Konzertaufführungen, um im Bild zu bleiben, zu formen. Oder, nüchterner gesagt: Er arbeitete ausschließlich mit dem gesammelten Material, versagte sich die perönliche Stellungnahme, beschränkte sich völlig auf das Auswählen/Weglassen und Anordnen. Er beschränkte sich darauf. Man kann aber auch sagen: Er nahm sich dieses Recht, und er legte nicht offen, wie er dieses Recht ausübte.
Meine Vorgehensweise unterscheidet sich davon mehrfach: Erstens ist meine Materialbasis unvergleichlich bescheidener, nämlich ein einziges Tagebuch. Zweitens ist es mein Anspruch, eine originalgetreue, eine "unkomponierte" Reproduktion vorzulegen. Das Mosaik, bzw. die Totalität des Zeitbildes wird nicht durch den Herausgeber geschaffen, sondern liegt im Dokument vor und wird grundsätzlich unverändert in die heutige Zeit übertragen. Abweichungen von diesem Prinzip, meist das Weglassen von Textabschnitten allzu persönlichen Inhalts, werden in jedem Fall kenntlich gemacht.
Der Leser begegnet einem ihm fremden, historischen Original. Ja selbst ich, der Überbringer, begegne einem historischen Original, das mir teilweise fremd geworden ist und das auch für mich Überraschungen bereithält.
Meine Auseinandersetzung aus heutiger Sicht mit dem Material von damals gehört zu meiner Veröffentlichung. Die Auseinandersetzung reicht von einfachen Erläuterungen und Ergänzungen über verschiedene Reflexionen oder Polemiken bis zu grundsätzlichen Neubewertungen. Dabei wird der Unterschied von Original und heutiger Einlassung in jedem Fall eineindeutig kenntlich gemacht.

Der Band 34 hat mir Interessantes gebracht. Zwei Wahrnehmungen aus damaliger Zeit waren mir heute nicht mehr wirklich gegenwärtig. Das betrifft erstens meine eindeutigen, wiederholten Einschätzungen, daß ich "einen revolutionären Prozess" erlebe, "Zeuge eines revolutionären Prozesses" sei und zweitens das Bewußtsein der Gefahr einer "chinesischen Lösung", eines "himmlischen Friedens".
Dem jahrelangen ideologischen Trommelfeuer des siegreichen antikommunistischen Systems ausgesetzt, bin ich anscheinend einer "Mentalität der Rundumverteidigung" nicht völlig entgangen. Doch von den damals formulierten Einsichten ist nichts zurückzunehmen, auch wenn sie heute vielleicht präzisiert werden können.
Etwa so: Die DDR-Gesellschaft hatte eine Reife erreicht, in der eine prinzipielle Ausdehnung der direkten politischen Interessenwahrnehmung durch die Werktätigen notwendig war. Die machtausübende Schicht des Realsozialismus war zu dieser Weiterentwicklung nicht fähig. Die Beseitigung dieser Kräfte war der Inhalt der politischen Revolution. Leider erschöpfte sie sich in diesem negativen Akt. Mit der Übernahme der bundesrepublikanischen bürgerlichen Demokratie und der nachfolgenden sozialökonomischen Konterrevolution verfehlte ein weiteres Mal eine revolutionäre Anstrengung in Deutschland ihre Aufgabe.

Die Paralysierung der "sozialistischen Macht" zeigte sich nicht zuletzt in der von mir wahrgenommenen Ungewißheit hinsichtlich der Gewaltanwendung zur Verteidigung des Systems. Ich bin kein Historiker, den wissenschaftlichen Nachweis zu führen ist nicht meine Sache aber ich bin überzeugt, daß um diese Frage heftig gerungen wurde. Davon bin ich heute mehr den je überzeugt nachdem ich den umfangreichen Vortrag von Egon Krenz vom 24. Oktober 2009 vor ehemaligen Angehörigen der Grenztruppen gelesen habe. Es ist zweifellos das bleibende Verdienst von Krenz, letztlich die "chinesische Lösung" verhindert zu haben. Aber über diesen Tatbestand hinaus sind noch viele Seiten der Problematik von Gewalt, Gewaltbereitschaft (auf allen beteilgten Seiten!) und Gewaltlosigkeit unaufgeklärt.

Die Wiederbegegnung mit Geschichte (und gerade in der ursprünglichen, nicht in der heute absichtsvoll tradierten Form) wirft Fragen großer theoretischer Tragweite auf. Das sind Fragen, die man zu begraben versucht. Aber sie sind nicht gelöst, und das Leben stellt sie wieder auf die Tagesordnung.

Freitag, 20. November 2009

Gartengedanken

Mit schöner Regelmäßigkeit drängt sich mir der Gedanke auf, daß unser Gärtchen zu klein ist. Es hat nur 500 qm, und für so Vieles, was wir gern anpflanzen würden, ist zu wenig Platz, zu wenig Licht - zumal wir uns einigen "Luxus" leisten.
Nicht verzichten will ich auf die Stelle, (Wir nennen sie "Urwald", obwohl sie nur wenige qm groß ist.) auf der alles wild wachsen darf, auf der zwei Stubben und viel Astwerk und jetzt Laub liegen. Jeder Garten kommt aus der "wilden Natur", und der Gärtner sollte diese Lebensfaden nicht völlig kappen. Außerdem wohnen dort Herr Igel und - lange nicht gesehen - Frau Kröte.

Ihr Lebensrecht soll unbedingt auch die mächtige Silberpappel behalten. Leider steht sie im Südteil des Gartens und wirft viel Schatten. Aber sie bleibt. Damals, vor fast 40 Jahren, als ich das Stück Land in einen Garten zu verwandeln begann, begrüßte mich hier ein dichtes Wäldchen aus jungen Birken und Pappeln. Das war die Einladung, sich heimisch zu fühlen im grünen Versteck. Wie viele Bäumchen habe ich als Winzlinge beobachtet, habe sie heranwachsen sehen, habe ihren Schatten genossen. Manche sind der Konkurrenz kräftigerer Artgenossen erlegen, aber noch mehr habe ich gefällt; weil ich kultivieren wollte, bauen wollte, Platz brauchte.
Nein, solange sie lebenskräftig ist, bleibt diese Pappel. Sie hat ein älteres Heimatrecht als ich.

Und dann frage ich mich auch: Wäre es wirklich klug, nun, da ich bald 70 werde, den Garten zu vergrößern? Ich zögere. Und mir fällt ein, wie oft ich Lücken in meiner Gartenkultur zulasse. Ich bin noch lange nicht fähig, all das, was dieser Boden mit dieser Sonne, mit Wasser und Luft hervorbringen könnte, wirklich hervorzulocken. Ich fördere das Eine aber hinter meinem Rücken entstehen brache Stellen, da schleichen sich brache Zeiten ein.
Ich möchte aber doch, daß es überall lebt, überall blüht und fruchtet. Darüber denke nach, sage ich mir.

Genesungswünsche!

Ich wünsche Oskar Lafontaine, mit dessen sozialdemokratischer politischer Position ich durchaus nur teilweise übereinstimme, eine gelungene Operation, schnelle Genesung und weitere erfolgreiche Jahre an der Spitze der Linkspartei.
Zum Kampf der Dreckmedien gegen Lafontaine gibt es hier einen aufklärenden Artikel.
Via Politikblog.

Tomsatenselbstversorgung

Von meinen Ergebnissen beim Tomatenanbau in diesem Jahr habe ich ja bereits berichtet, hier oder hier. Von Anfang Juli bis Ende Oktober haben uns (zwei Personen) unsere 15 Tomatenpflanzen komplett versorgt; unvergleichlich köstlich und die meist Zeit überreichlich. Zu Ergänzen ist heute, daß den November hindurch unser Bedarf etwa zur Hälfte durch nachreifende eigene Früchte gedeckt wird.
Leider ist mein Versuch, die Lebenszeit (und Ertragszeit) einiger Pflanzen durch ihren Umzug ins kalte Gewächshaus zu verlängern, diesmal fehlgeschlagen. Ich konnte nicht verhindern, bedingt durch eine einwöchige Abwesenheit, daß sie bereits von einem frühen Herbstfrost angehaucht waren. Das haben sie übelgenommen.
Aber meine Überlegung bleibt es: Einige frühe Pflanzen im Gewächshaus kultivieren, so daß die Ernte schon im Juni beginnen kann. Und ebenso nach der Saison, also Selbstversorgung noch im November.

Es sind Permakulturgedanken, die mich beschäftigen.
Und es ist auch solche schier unglaubliche Meldung, daß Sierra Leone, eines der ärmsten Länder der Welt, seine Tomaten - aus den Niederlanden importiert.

Samstag, 14. November 2009

Erich Kuby

Hellsichtig bis zum Erschrecken.

Erich Kuby

"Ossietzky", Heft 23/09, dritte Umschlagseite.

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