Erinnern

Im Amtsblatt, das allen Bürgern kostenlos zugestellt wird, hatte der Bürgermeister alle Einwohner eingeladen, an der Kranzniederlegung am 8. Mai auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof teilzunehmen.
In der Einladung hieß es: “Viele junge sowjetische Soldaten, die auch unsere Stadt Oranienburg von der braunen Pest befreiten, habe ihren Kampf für das Ende des Krieges mit dem Leben bezahlt und fanden auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof.... ihre letzte Ruhe.“
Ca. 30 Menschen waren gekommen. Etliche sprachen russisch.

Der Bürgermeister ließ sich vertreten.
Eine beauftragte Frau sprach Worte. Das häufigste Wort war „Gott“. Eine Bezeichnung, wie "Faschismus" oder "sowjetische Armee" oder "1945" kam in ihrer Rede nicht vor.
Ein Teilnehmer sagte leise zu seiner Frau: “Ich glaube, ich bin auf der falschen Veranstaltung.“
Ich war sprachlos, ein völlig sinnfreies Ritual zu erleben.
In der nächsten Woche bekomme ich den gesprochenen Text und werde ihn hier getreulich dokumentieren.
Die verwitterten Steine mit den vielen, vertraut klingenden Namen, erstaunlich viele weibliche darunter, schwiegen.
Sie schweigen, wenn wir in Not und Schande leben.
Sie schweigen, wenn wir uns mühen, mit Erich Mühsam zu sprechen, „uns der Not und Schande zu entringen“.

kranich05 - 2008/05/08 17:14


Und noch eine Anmerkung:
"Nentwig hat im Sommer 2002 einen Monat lang im chinesischen Autonomen Gebiet Tibet geforscht. Hauptsächlich hat er dabei in der Region Naqu die Yak-Zucht untersucht. Er sagte: "Meiner Meinung nach ist der Begriff Kulturvernichtung total falsch. Im Gegenteil: Die chinesische Regierung hat nach allen Kräften die Entwicklung der tibetischen Kultur gefördert. Dies gilt insbesondere für die Erforschung der tibetischen Sprache, der Literatur und der mündlich weitergegebenen Literatur sowie des Alltagslebens und der traditionellen Gebäude. Außerdem werden viele Kulturstätten einschließlich der Tempel und Klöster renoviert oder wieder aufgebaut."




